Clemens Hagen: Hilfe, ich habe Teenitus

Clemens Hagen beleuchtet in seinem Buch mit dem witzigen Titel „Hilfe, ich habe Teenitus“ die Jugend von heute – genauer gesagt seinen eigenen Nachwuchs. Immer wieder kommentiert von seiner vorwitzigen und extrem pubertären Tochter Valerie gibt er sich den einzelnen Episoden im Leben mit einer 16-Jährigen hin und erzählt mit viel Witz von gemeinsamen Konzertbesuchen, peinlichen Momenten, den jungen Männern, die plötzlich auf- und wieder abtauchen und der Schule. Der Vater mit seinem ‚Früher war alles besser-Scheiß‘, der seine Partyeinladungen einst noch mit der Brieftaube bekam, geht seiner Tochter bisweilen gewaltig auf den Keks.

Dass die beiden direkt Spaß an der „gemeinsam“ erlebten Pubertät haben, sich von ganzem Herzen lieben und sich auch die Störgeräusche in den Ohren meist als reale Quellen herausstellen, das zeigt dieses Buch ganz deutlich. Ein netter Zeitvertreib für alle, denen ihre Teenager manchmal gehörig auf den Geist gehen. Spätestens hier findet man seinen Humor und sich selbst wieder.
3.2 Stars (3,2 / 5)

Barbara Berckhan: Wie Sie anderen den Stachel ziehen, ohne sich zu stechen

So manch einer macht einem das Leben schwer: Schwierige Menschen können sehr distanziert sein, unentschlossen, cholerisch, sie können sich das Maul zerreißen über andere oder dauernd beleidigt sein – Varianten gibt es viele. Die, wenn wir ehrlich sind, alle auch ins uns stecken. Genau deswegen behandelt die Autorin ‚schwierige Menschen‘ auch nicht als Kategorie, sondern mit Verständnis: „Das Verständnis, das ich mir auch für mein Schwierigsein wünsche.“ Barbara Berckhan ist Kommunikationstrainerin und ihre Art zu schreiben zeugt nicht nur von Kompetenz, sondern auch von einer guten Prise Humor.
Menschen, die wir als schwierig bezeichnen, haben Muster entwickelt. Ein über Jahre antrainiertes und erlerntes Verhalten wird immer wieder abgespult und nervt dabei die anderen. Wie solche Verhaltensmuster bereits in der Kindheit entstehen, wie man die Fesseln der Gewohnheit abstreifen kann und warum man nicht gleich jeden, der sie im Übermaß zeigt, verurteilen sollte, das erfährt man gewohnt übersichtlich in diesem GU-Band. Besonders interessant der selbstkritische Aspekt. Das Beleuchten des Anteils, der von jedem schwierigen Charakterzug auch in uns steckt. Inklusive der Tipps, was man lernen kann aus dem Umgang mit dem Nörgler, dem Antriebslosen oder dem Wüterich. Denn in all diesen Eigenschaften stecken – in der richtigen Dosis – wichtige Kernkompetenzen, die man sich selbst ebenfalls zunutze machen kann.
Ein Plädoyer für die Toleranz und die Tugend, aus allem das Beste zu machen.

Wiebke Lorenz: Alles muss versteckt sein

Marie befindet sich in der geschlossenen forensischen Psychiatrie. Und von dort aus erzählt sie im Wechsel zwischen Rückblick und Gegenwart ihre Geschichte. Die Geschichte einer Frau, die zu ermorden schien was sie über alles geliebt hat.

Marie erinnert sich nicht daran, was sie getan hat. Dass sie es aber getan hat, daran scheint kein Zweifel zu bestehen. Schließlich wurde ihrem Liebsten, Patrick, die Kehle durchtrennt und zwar als er neben ihr geschlafen hat.
Die Sachlage scheint klar: Marie leidet seit einiger Zeit unter Zwangsvorstellungen. Ihren Job in einem Kindergarten hat sie bereits aufgegeben, aus Angst sie könnte die fürchterlichen Gewaltfantasien, die sie quälen und die weder die Kinder noch sonst jemand verschonen, je einmal in die Tat umsetzen. Hilfe findet sie nur in speziellen Foren im Internet, in denen sie sich mit anderen Zwangserkrankten austauschen kann und sogar eine Freundin findet. Einen Menschen, der sie durch und durch zu verstehen scheint.

Gemeinsam mit Dr. Jan Falkenhagen, ihrem Psychiater, einem sympthatischen Charakter, versucht Marie zu verstehen, was vorgefallen ist. Doch den beiden kommen immer mehr Zweifel daran, dass sie tatsächlich die Mörderin ist.
Wiebke Lorenz gelingt es, selbst den skeptischsten Leser sofort in ihren Bann zu ziehen. Ihr Plot schlägt gekonnte Haken, trickst geschickt all diejenigen aus, die sich schnell sicher fühlen und bereitet das Thema handwerklich so gut auf, dass das Lesen reinstes Vergnügen ist. Gepaart mit der richtigen Portion Spannung, die man durchaus als absolut fesselnd bezeichnen könnte.

Wiebke Lorenz hat sich im Vergleich zu ihrem bereits schon erstaunlichen Vorwerk ‚Allerliebste Schwester‘ noch einmal literarisch gesteigert. Die Autorin, eine ausgebildete Journalistin, arbeitet neben der schriftstellerischen Tätigkeit bei Magazinen und Zeitungen wie Cosmopolitan, Bild oder Die Welt.
5.0 Stars (5,0 / 5)