Robert Starling: Kleiner Drache will der Größte sein

Finn ist ein ganz normaler kleiner Drache. Aber das Ferienlager, in das er zum ersten Mal fahren darf, macht ihn nervös. Was werden die anderen von ihm denken? Wird er Freunde finden? Muss man nicht ganz toll sein, damit man überhaupt bemerkt wird? Überall der Beste?
Also drängelt Finn sich vor, weiß alles besser, gibt an … und versteht nicht, warum die anderen ihn nicht mögen. Doch Tom, der Betreuer, hilft ihm. Er zeigt ihm, dass es ganz einfach ist, neue Freunde zu finden: Indem man einfach so ist, wie man ist, anderen auch mal den Vortritt lässt, teilt und fair ist. Und schon läuft’s im Drachenferienlager.

Ein Bilderbuch, das sich besonders gut für den Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule eignet. Und für alle Situationen, in denen man irgendwo neu ist. Es zeigt den Kindern, dass sie die Ansprüche an sich selbst gar nicht so hoch anlegen müssen, denn schließlich machen das die anderen auch nicht.

Kerstin Werner/Petra Eimer: Die mutige Schneeflocke

Jeder von uns kennt das Gefühl: die Angst vor Neuem, etwas zu wagen, was man noch nie zuvor gemacht hat … und das Erfolgserlebnis, dieses Gefühl, wenn man es geschafft hat. So ging es auch einer kleinen Schneeflocke, die ängstlich auf dem Schoß ihrer Wolkenmutter saß und sich nicht traute zu hüpfen. Kein Wunder, konnte sie doch nicht sicher sein, ihre Mama je wiederzusehen, wenn sie sich einmal auf die Erde begab. Als die Mutter ihr den Wasserkreislauf erklärt hat, war die logische Konsequenz: Warum soll ich überhaupt runter, wenn ich eh wieder hochkomme. Doch die Mutter konnte sie überzeugen und das, was die kleine Schneeflocke auf der Erde erlebte, war wundervoll. Sie brachte Kinder zum Strahlen, war Teil eines Schneemanns und nach dem Tauwetter flog sie wieder hoch, in anderer Form, reifer und doch die selbe.
Natürlich wird so ein Buch nicht ohne Hintergrund geschrieben. Die Autorin ist NLP-Coach und die Message ist klar: Nicht verzagen, einfach wagen!

Ein Buch, das sich für viele Lebenslagen eignet, man denke nur mal an die Pubertät. Ganz süß ist die Häkelanleitung für eine kleine Schneeflocke, sie ist so einfach, dass man sie mit dem Kind oder Jugendlichen gemeinsam gestalten kann.

Britta Sabbag/Elli Bruder: Prinzessin Zuckerpups

Na da ist es wieder, eines dieser Pupsbücher der Saison. Leider – und das muss man gleich mal vorweg sagen – eines der weniger guten Exemplare. Denn diese Geschichte rund um eine Prinzessin, der man partout nicht sagen will, dass ihre königlichen Pupse nicht weniger stinken als die des Hofhunds, ist ein wenig seltsam. Bei einem Kinderbuch fragt man sich ja immer, was ist der Sinn dahinter? Was soll mein Kind mitnehmen, wenn es sich dieses Buch angesehen, es gelesen hat? Dass man auch zu kleinen Prinzessinnen ehrlich sein muss? Okay. Aber dass diese pupsen und furzen dürfen, was das Zeug hält, egal wo und wer dabei ist? Da kommen eher Zweifel auf. Auch die Sprache ist nicht gut gewählt. Sie ist sehr gestelzt und das merken die Kinder beim Vorlesen sofort. Schade. Denn wie wir bereits gesehen haben, gibt es selbst bei diesem Thema durchaus Bilderbuch-Highlights.

Elke Satzger/Jann Wiennekamp: Lotti kann nicht pupsen

Es scheint ja daaas Thema schlechthin in diesem Sommer zu sein, denn kaum ein Kinderbuchverlag beschäftigt sich nicht in einem seiner neuen Exemplare mit dem Thema Flatulenzen. Aber man muss sagen, Annette Betz hat die beste Auswahl getroffen. Dieses Bilderbuch im Giraffenformat hat eine urkomische Geschichte: Lotti, die Giraffe hat ein Problem, irgendetwas kribbelt, kratzt und zwickt in ihr drin. Ihre Freunde versuchen ihr zu helfen und die Schlange Spirellina schaut mal nach, was da so los ist: „Du hassst eine Fliege verschluckt. Ich kann sssie aber nicht sehen. Wahrscheinlich issst die in deinem Bauch oder schon bei deinem Popo!“, stellt sie fest. Aber daaaa kriecht sie auf keinen Fall hin, das steht schon mal fest. Also muss es anders gehen. Der Affe Paule ist nicht ganz so empfindlich und schaut mal von außen nach. Und was entdeckt er: eine im Po feststeckende Fliege. Da hilft nur eines: kräftig pupsen. Aber wer kann das schon auf Kommando? Sie versuchen alle alles, bis es dann …. aber nein, das wollen wir hier nicht erzählen …

Die Zeichnungen einfach, aber ansprechend, das Thema gerade für Jungs bis ins Grundschulalter mindestens zum Piepen komisch und die Umsetzung einfach toll. Ein sehr schönes Bilderbuch!

Paula Kuitunen: Mein Tabulu – ein Kinderfachbuch über Angst und Angststörungen

Tabea ging es gut, da wo sie wohnte. Sie hatte eine Freundin und sie hatte ihre Hobbies. Doch dann sind Tabeas Eltern umgezogen und sie musste mit. Der erste Tag in einer neuen Klasse ist immer aufregend, aber Tabea hatte plötzlich ein noch viel größeres Problem. Es hieß Tabulu, machte es sich auf ihrer Schulter bequem und quälte sie. Tabea wollte sich das nicht gefallen lassen und versuchte, Tabulu loszuwerden, aber bei jedem Versuch es abzuschütteln, wurde das Vieh noch größer- und es dauerte eine Weile bis Tabea verstand: Tabulu war ein Teil von ihr. Ein Teil, der wahrgenommen werden wollte und als Tabea das gelang, als sie offen darüber sprach, da stellte sich heraus, dass es von diesen Etwassen deutlich mehr gab als sie dachte. Auf fast jeder Schulter saß eins, mal kleiner, mal größer, aber immer erschreckend. Doch sobald alle merkten, sie sind nicht alleine mit ihren Ängsten, wurden diese leiser.

Etwa jedes zehnte Kind leidet irgendwann im Laufe seiner Kindheit einmal unter einer Angststörung. An einem ängstlichen Verhalten, das über die natürliche und oft auch hilfreiche Angst weit hinausgeht. Eine Herausforderung auch für die Eltern und andere Bezugspersonen, denn sie sind gefordert, angemessen damit umzugehen. Ohne professionelle Hilfe ist das oft nicht ganz einfach, vor allem auch, weil die Abgrenzung sehr schwer fällt. Die Buchreihe MindOlino beschäftigt sich mit schwierigen Themen und die Initiative, die dahintersteht, kämpft für eine offenen und akzeptierenden Umgang mit psychischen Problemen und Erkrankungen.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive erzählt und schafft so eine gute Verbindung zum Leser, am Schluss findet man einen Steckbrief, in dem das Kind seine Angst ausformulieren kann und ein paar Hintergrundinformationen zum Thema. Ein Kinderfachbuch, das an vielen Orten zum Einsatz kommen kann. Vom Kindergarten über die Schule bis hin zu Kindertagesstätten, Horten und auch Praxen aller Art. Überall da, wo Gesprächsbedarf zum Thema Angst herrschen dürfte.

Anne Ameling/Günther Jakobs: Hektor spielt nicht mit Mädchen!

Der kleine Igel Rocky hat ziemlich genaue Vorstellungen davon, was Jungssache und was Mädchenkram ist. Und natürlich ist Wölfchen Hektor da ganz seiner Meinung. Theoretisch zumindest, denn praktisch würde ihm das schon durchaus mal gefallen, was die Mädels da spielen. Aber das traut er sich nicht zu sagen. Die Mädchen, eine Eule und ein Eichhörnchen allerdings lassen sich diese Vorurteilerei nicht gefallen und zeigen Rocky bei einem überraschenden Fußballspiel, was sie können …
Es ist sicher keines der absoluten Highlights der Saison, aber es ist gut, dieses Bilderbuch. Denn gerade Jungen tun sich heute besonders schwer, ihre Rolle zu finden. Und die Umwelt macht es ihnen nach wie vor nicht leicht. Ein Mädchen, das mit Autos spielt? Wunderbar. Ein Junge, der den ganzen Tag eine Babypuppe rumträgt – hmmmm, da kommt schon mal ein Spruch. Das Schöne an diesem Buch ist die Herangehensweise ans Thema: unaufgeregt und nicht polarisierend – optimal geeignet auch für Kindergärten und ähnliche Einrichtungen. Am besten ist der Wolfsvater, der – auf Hektors Hinweis hin, dass Schmetterlinge ja wohl Mädchenkram seien – nur lapidar antwortet: Schmetterlinge sind Schmetterlinge. Und am Schluss spielen alle alles: Jungskram und Mädchenkram, Eichhörnchenkram, Wolfskram, Igelkram und Eulenkram und am allerliebsten Schmetterlingskram.

Kai Lüftner, Wiebke Rauers: Furzipups, der Knatterdrache

Furzipups, der Knatterdrache hat ein Problem, denn während die anderen Drachenkinder alle Feuer spucken können, kommt bei ihm nur heiße Luft.
Schaut man sich im derzeit aktuellen Angebot der Verlage mal ein bisschen um, dann fällt eines ganz besonders auf: Das Pupsen ist ein Riesenthema in diesem Jahr. Und auf jeden Fall eines, was bei der Zielgruppe der Kindergartenkinder, vor allem, wenn sie männlich sind, besonders gut ankommt. Kaum einer kann so über das Entweichen von Körperluft und den dazugehörigen Geruch so lachen wie vier- bis fünfjährige Jungs. Denen kommt ein Buch wie dieses, das auch noch einen Furzbutton hat, doch gelegen – sollte man meinen. Aber leider – und man weiß nicht, liegt es am gequälten Geräusch des eingebauten Buttons oder doch eher an den Reimen, die dermaßen hingebogen wurden, dass man sie nicht mal mehr schön vorlesen kann … Es könnte auch daran liegen, dass die Geschichte nicht stimmig ist. Denn ob der Rat, sich einfach ins Bett zu legen und den Flatulenzen freien Lauf zu lassen, wenn man anders ist als andere und darunter leidet, wirklich pädagogisch wertvoll ist, bleibt anzuzweifeln. Da hilft es leider auch nicht mehr, dass der Drache eigentlich ganz süß gezeichnet ist – denn auch eigentlich ist eine Einschränkung. Aus dieser Geschichte wäre deutlich mehr rauzuholen gewesen.

Kleine Kullerkrabbe – illustriert von Christine Kugler

Wo ist die Kugel? Jeder guckt. Oh, der Wal hat sie verschluckt! Und nicht nur das, die sich drehende bunte Kugel – das Zentrum dieses putzigen Bidlerbuches – macht noch viele andere Erfahrungen und ist letztendlich eine Perle – im doppelten Sinne. Sechs bis zwölf Monate sollte das Baby alt sein, um richtig Spaß mit diesem Büchlein zu haben, das Papier ist sozusagen bissfest, die Kugel gut festgemacht und das Papier – so wie es sich für unsere künftigen Generationen gehört – aus verantwortungsvollen Quellen.

Giuliano Ferri: Der kleine Vampir verliert seine Zähne

Der kleine Nachwuchsvampir findet richtig viel Gefallen daran, anderen Angst und Schrecken einzujagen. Sein Ziel: einmal der gefürchtetste Vampir aller Zeiten zu werden. Doch eines Tages verliert er seine Fangzähne und aus ist es mit dem Erschrecken der anderen. Denn fürchterlich sieht anders aus. Doch keiner der anderen Vampire nimmt ihn ernst, sie versuchen ihn nur, zu beschwichtigen. Die Zähne würden schon wieder wachsen, seien ja nur die Milchzähne gewesen. Doch das tröstet den kleinen Vampir üüüüberhaupt nicht. Was ihn allerdings nicht nur tröstet, sondern ihm auch eine wichtige Erkenntnis beschert, ist die Reaktion der anderen Tiere.

Die Grundgeschichte von Freundschaft ist letztendlich immer wieder die gleiche, aber umgesetzt ist die Thematik hier besonders schön und vor allem extrem phantasievoll. Man kann ihn sich richtig vorstellen, den kleinen Vampir, wie er sein Leben neu ordnen muss und dabei etwas wirklich Wichtiges lernt.

Mariam Gates: Gute Nacht Yoga

Dieses Buch, liebevoll illustriert von Sarah Jane Hinder, wirkt wie ein Kinder-Bilderbuch. Ist es auch. Aber es eignet sich nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die Freude an Yoga haben. Denn es erklärt die wichtigsten Figuren auf einfachste Weise und bietet einen Ablauf an, bei dem man sich gemeinsam mit den Yoga-Tier-Figuren auf die Nacht vorbereitet und der gerade vor dem Schlafengehen für die nötige innere Ruhe sorgt. Vor allem in Kombination mit der angebotenen Gute-Nacht-Meditation. Einzelne Elemente lassen sich aber auch prima in den Tagesablauf integrieren und sorgen so für Ruheinseln.

Als Kind gehörte Mariam Gates zu den „Lass-das-Licht-an-und-die-Tür-auf“-Schläfern. Heute schläft sie nach eigenen Aussagen schon, bevor der Kopf das Kissen berührt. Die Autorin besitzt einen Harvard-Master in Pädagogik und hat seit vielen Jahren Erfolg mit ihrem Kid-Power-Yoga-Programm.