Aprilkind/van den Speulhof/Pricken: Der Grolltroll

Der Grolltroll hat ganz genau Vorstellungen davon, was er will und wehe, wenn es nicht so klappt, wie er sich das vorstellt: Dann raucht es ihm aus Nasen und Ohren, er stampft mit dem Fuß auf und brüllt ein fettes „Nein“. Es ist, als würde ein Gewitter in ihm wohnen, mit Blitz und Donner und allem, was dazu gehört. Manchmal kann er nicht mal einschlafen vor lauter Wut. Die anderen Tiere nervt das alles und irgendwann lassen sie ihn sitzen. Zuerst ist dem Grolltroll das egal, aber dann merkt er schnell, dass es allein lang nicht so schön ist wie mit den anderen … und dass jetzt etwas nötig ist, was so gar nicht leichtfällt.

Ein bisschen viele Köche für ein Bilderbuch, aber das Ergebnis ist niedlich. Was wohl daran liegt, dass es Köche sind, die etwas von Kinderbüchern und damit auch von Kindern verstehen. „Der Grolltroll“ zeigt kleinen Trotzköpfen, dass man nun mal nicht immer mit dem Kopf durch die Wand kann und wenn es doch mal passiert, wie man aus dieser Situation auch wieder herauskommt.

Schöne Ergänzung: die dazugehörige Plüschfigur

Engler/Tourlonias: Ein komischer Vogel

“Es ist schön, anders zu sein“ lautet der Untertitel dieses Buches, dabei ist es gerade im Bilderbuchalter – also vom Kindergarten bis in die Grundschulzeit hinein – alles andere als schön, anders zu sein. Die kleinen Persönchen wollen zum ersten Mal dazugehören, mitspielen dürfen, so sein, wie die Freunde, die plötzlich wichtiger werden als so manches andere … Anders zu sein ist daher auf jeden Fall eine Aufgabe und das spürt auch der kleine Drache, der als Ei aus Versehen in einem Amselnest landet und zwar von der Mama genauso geliebt wird wie die anderen Kinder, es aber in der für ihn falschen Umgebung so richtig schwer hat. Er fliegt nicht, plumpst stattdessen wie ein STein zur Erde, Würmer mag er auch nicht und der Ast mit dem Nest war irgendwann nicht mehr stark genug, um ihn zu tragen. Seine Adoptivmama, Frau Amsel, versucht alles, um ihn zu trösten, aber wirklich versöhnt ist der kleine Drache erst, als er entdeckt, dass Anderssein auch bedeutet, andere Qualitäten zu haben.

Judith Kerr: Das große Buch von Kater Mog

Keiner ist süßer als er: Kater Mog hat sich bereits seit gefühlten Ewigkeiten ins die Herzen seiner Leser geschlichen und umso schöner ist es jetzt, dass die Lieblingsgeschichten vieler nun in einem Band versammelt sind. Der Kater opfert sich, wenn der kleine Nicky keine Frühstückseier mag, er wird nachts verzweifelt von seinen Menschen gesucht, wenn er nicht heimkommt und ganz nebenbei stellt er auch noch Einbrecher.

Die Zeichnungen dieser Geschichten sind mindestens so eindrucksvoll und eingängig wie ihr Inhalt und bereits für die ganz Kleinen optimal geeignet. Kater Mog muss man einfach lieben und seine Erschafferin als Autorin einfach verehren – sie ist unter anderem die Verfasserin von „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Pauli/de Weck: Richtig giftig

Wo es echt gefährlich ist – so lautet der Untertitel des Bilderbuches, das sich mit Gefahren im Alltag beschäftigt. Nicht im Krokodil-Gehege oder in der Nähe eines Vulkans, sondern im Haushalt, im Garten oder auf dem Schulweg. Giftige Pflanzen und Medikamente sind ein Thema, die Zeichen für Gift und Gefahr auf Flaschen, Lastern oder anderen Gegenständen ein anderes.

Hier können auch Erwachsene noch etwas dazulernen. Denn die wenigsten von uns werden wohl jedes dieser Gefahrenzeichen genau deuten können und es macht durchaus Sinn, gemeinsam mit dem Kind nach solchen Zeichen im Haushalt zu suchen und diese Produkte in Zukunft entsprechend zu entsorgen und beim Einkaufen am besten gleich zu meiden.

Franziska Kalch: Alte Herren und alte Damen

Was unterscheidet alte Herren von alten Damen? Welche Klischees stimmen und in wie vielen Punkten sind sich die beiden Gattungen Mensch doch nicht so unähnlich wie sie glauben? Franziska Kalch hat sich des Themas mit sehr viel Humor angenommen. Liebevoll porträtiert sie die Eigenheiten alter Menschen und gleichzeitig ihre enorme Ähnlichkeit mit der Zielgruppe. Denn echte alte Menschen sind solche mit Lebenserfahrung. Und die, die sich das Kind im Manne bzw. der Frau erhalten haben.

Ein niedliches Bilderbuch gegen Vorurteile und für Verständnis, Toleranz und Spaß am Leben.

Janisch/Soganci: Schenk mir Flügel

Eines Tages malt ein Kind einen Engel und der weiß genau was er will. Beziehungsweise, was er nicht will. Nämlich stinknormale Flügel. Das Kind soll sich was einfallen lassen und das tut es auch. Es malt Flügel aus Gras und solche aus Glas, es malt welche aus Papier und andere aus Schatten, aus Sonnenstrahlen oder Meereswellen. Für welche sich der kleine Engel entscheidet, sei hier nicht verraten. Nur so viel: Er bliebt nicht der einzige, der fliegen konnte.

Ein wunderschönes Bilderbuch nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Die Zeichnungen sind leicht und phantasievoll und die Materialien, die das Kind für die Flügel seines Engels nutzt, regen zum Gespräch an.

Andreas Stefaner/Ivan Gantschev: Am Anfang war es finster

Die Geschichte von Adam und Eva nimmt uns heute keiner mehr so richtig ab. Aber das mit dem Urknall kann man sich auch nur schwer vorstellen, selbst wenn man weiß, dass es so oder so ähnlich gewesen ist. Wie schön, dass hier einmal ein Buch entstanden ist, das beides miteinander verbindet. Das – natürlich auf sehr vereinfachte Weise – zeigt, wie wir Menschen entstanden sind und dass wir letztendlich aus dem Wasser kommen. Und wie wichtig es ist, dass wir diesen und alle anderen Lebensräume und Arten auf der Welt schützen müssen, wenn wir das Zusammenspiel aller in unserem ökologischen Kreislauf auch weiterhin genießen wollen.

Kinder erkennen viel genauer, welche Vielfalt und Schönheit unsere Welt uns bietet. Sie sind es, die die Käfer am Wegrand bewundern, die eine Blume im Wind stundenlang beobachten können und in den Wolken Drachen sehen. Trotzdem: Man kann nicht früh genug anfangen, Kinder für den Schutz unserer Umwelt zu sensibilisieren und dieses Buch mit seinen ausdrucksstarken Bildern eignet sich gut als Anfang. Im wahrsten Sinne des Wortes sozusagen.

Bohlmann, Schöne: Der kleine Siebenschläfer – Das ist noch nicht gemütlich!

Kleine Kinder lieben den kleinen Siebenschläfer. Schon allein deswegen, weil es ihm meist genauso geht wie ihnen. Diesmal kann er machen, was er will, sein Bett wird nicht gemütlicher. Egal, wie viel Heu, Blätter und Klee er anschleppt, irgendwas passt nicht. Er findet nicht die richtige Position zum Schlafen. Bis er auswandert, zu den anderen Siebenschläfern – ins Eltern- und Geschwisterschlafzimmer sozusagen – und schwuppdiwupp eingeschlafen ist.

Es gibt immer noch viele Eltern, die sich vehement weigern, ihr Kind bei sich schlafen zu lassen. Meist aus Angst, ihr Schlafzimmer nie wieder für sich alleine zu haben. Manchmal aber auch, weil sie keine Lust haben, ihren Schlafplatz zu teilen. Aber letztendlich schläft jedes Kind besser, wenn es nicht alleine schlafen muss, denn das liegt nicht in der Natur des Menschen und in der des Siebenschläfers eben auch nicht. Aber die, die wissen das!

Sabine Bohlmann allein ist schon ein Garant für gute Kinder- und auch Elternbücher. Ergänzt durch die Zeichnungen von Kerstin Schöne ist auch dieses Buch wieder einmal ein Volltreffer.

Haag/Moreno: Paula und die Zauberschuhe

Paula ist ein ganz normales Vorschul-Mädchen. Das Kämmen nicht mag, mit Freunden spielt, sich mit seinem Bruder streitet – der einzige Unterschied: Paula ist körperbehindert. Sie braucht einen Rollator und Medikamente.

Das kleine Mädchen zeigt den Lesern und Betrachtern sein Leben mit der Zerebralparese, seinen Umgang mit der Spastik und erklärt die Therapien. Um sich besser zurechtzufinden, sind die einzelnen Kapitel gekennzeichnet. In solche, bei denen es um den Alltag Paulas geht und in solche, in denen die Behandlung im Mittelpunkt steht. Die zahlreichen Hintergrundinformationen helfen auch Erwachsenen zu verstehen, was es mit der Behinderung auf sich hat und welche Möglichkeiten es gibt.

Die Idee zu diesem Buch kam der Autorin, als sie genau so etwas gesucht und nicht gefunden hat. Es ist, so kann man es unter dem Strich zusammenfassen, ein Beitrag zur Inklusion.

Christian Morgenstern: Ein Wiesel saß auf einem Kiesel

Der Schnupfen hockt auf der Terrasse, auf dass er sich ein Opfer fasse – und stürzt alsbald mit großem Grimm auf einen Menschen namens Schrimm. Paul Schrimm erwidert prompt. „Pitschü!“ und hat ihn drauf bis Montag früh.

Typischer kann ein Christian-Morgenstern-Gedicht kaum sein. Und von dieser Sorte gibt es reichlich kindergeeignete in diesem Buch. Das zudem witzig, farbenfroh und phantasievoll von Christine Sormann illustriert ist.

Eine schöne Art, Kindern den Zugang zu Lyrik zu ebnen. Vielleicht sind sie dann später auch eher in der Lage, Gedichte über das Knie zu interpretieren.