Hans Christian Andersen: Die kleine Meerjungfrau

Was gibt es gerade in diesen Tagen Schöneres als eine gute, ein bisschen melancholische und gern auch sehr alte Geschichte, eine Tasse Tee und eine Kerze auf dem Tisch? Am besten ist es, wenn die ganze Familie zusammengekuschelt auf dem Sofa liegt und einer vorliest und welche Buchreihe würde sich da besser eignen als die pracht- und fantasievoll illustrierten Märchenbücher von Coppenrath?

Neben Peter Pan, Die Schöne und das Biest und Das Dschungelbuch gibt es nun auch die kleine Meerjungfrau, kombiniert mit anderen Märchen in dieser zauberhaften, kunstvollen Umsetzung. Zwölf Andersen-Märchen setzen die Designkünstler MinaLima in dieser Ausgabe in Szene: interaktive Extras, viele Illustrationen und kunstvolle Momente bieten die Möglichkeit, fast auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken.

Wer also noch ein echt schönes Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für einen Bücherliebhaber – egal welchen Alters – sucht, liegt hier genau richtig.

Janisch/Soganci: Schenk mir Flügel

Eines Tages malt ein Kind einen Engel und der weiß genau was er will. Beziehungsweise, was er nicht will. Nämlich stinknormale Flügel. Das Kind soll sich was einfallen lassen und das tut es auch. Es malt Flügel aus Gras und solche aus Glas, es malt welche aus Papier und andere aus Schatten, aus Sonnenstrahlen oder Meereswellen. Für welche sich der kleine Engel entscheidet, sei hier nicht verraten. Nur so viel: Er bliebt nicht der einzige, der fliegen konnte.

Ein wunderschönes Bilderbuch nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Die Zeichnungen sind leicht und phantasievoll und die Materialien, die das Kind für die Flügel seines Engels nutzt, regen zum Gespräch an.

Yoko Maruyama: Little Santa – der kleine Weihnachtsmann

Alles hat seine Vor- und seine Nachteile. Ist man der Sohn des Weihnachtsmannes, dann hat dieser ziemlich viel Zeit für seinen Nachwuchs. An Weihnachten aber ist der Papa dann nie da. Dieses Mal soll es anders sein, wünscht sich der Sohn des Weihnachtsmannes. Aber wie das mit dem Wünschen so ist: Man sollte vorsichtig sein, was man sich wünscht! Denn prompt verletzt sich der Weihnachtsmann am Fuß. Was zwar bedeutet, dass er da sein wird am 24. Was aber auch bedeutet, dass die Kinder dieser Welt leer ausgehen werden. Das kann nicht sein, denkt sich der Sohn des Weihnachtsmannes und nimmt die Sache selbst in die Hand. Bis er plötzlich vor einem Weihnachtswunsch steht, der ihm unerfüllbar erscheint …

Minedition ist bekannt für seine Bilderbücher, die zum Nachdenken anregen. Und da passt dieses Bilderbuch ganz wunderbar hinein. Seine Zeichnungen bestechen den Leser bzw. Betrachter durch ihre Details. Besonders gelungen, das Verstecken des Weihnachtsmann-Gesichts, das erst auf den zweiten oder dritten Blick auffällt. Ein Buch, das sich auch gut eignet für Erwachsene, die zu notorischer Unzufriedenheit neigen und mal einen kleinen Schubser zum Aufwachen brauchen.

Cynthia Rylant/Brendan Wenzel: Leben

Es gibt Momente, da wirkt das Leben grau, trist, die Schwierigkeiten scheinen riesengroß und kaum zu bewältigen und man selbst ist so klein und hoffnungslos. Das geht jedem irgendwann einmal so und genau für diese Momente ist dieses Bilderbuch genau das Richtige. Für Kleine genauso wie für Große.
Cynthia Rylant macht den Lesern bzw. Betrachtern fast schon poetisch klar, dass man nur richtig hinsehen muss, um zu erkennen, was wichtig ist im Leben und wie entscheidend es sein kann, wenn man einmal die Perspektive wechselt. Genauer hinblickt und damit den Überblick behält.

Jeder wird für sich etwas anderes aus diesem Buch mitnehmen – aber jeden wird es auf die eine oder andere Art trösten. Oder traurig machen. Je nachdem, wann man das liebevoll illustrierte Buch in die Finger bekommt.

Katja Reider/Kai Pannen: Hast Du einen Vogel?

Holly ist eine kleine Vogeldame und eigentlich hat sie alles, was sie braucht: einen guten Job, ein schönes Nest und tolle Freunde. Aber wie sie halt so sind, die Mädchen aller Gattungen, ein Prinz sollte es schon sein. Aber wo ist er, der Traumvogel, der Vogel fürs Leben? Im Netz tummeln sich nur schräge Vögel, Schmutzfinken mit Meise oder Schnapsdrosseln und auch im realen Leben tut sich Holly schwer. Sucht im Süden, sucht im Schwarm und wird dabei immer unzufriedener. Und dann kommt er doch, der Richtige. Ein ganz Normaler – der Vogel fürs Leben oder doch nur für einen Tag?

Ein wirkliches Kinderbuch ist das nicht im Geringsten, auch, wenn es wie ein Bilderbuch daherkommt. „Endlich brüten statt verhüten“, solche Sätze sind schon ein bisschen strange für die abendliche Gute-Nacht-Lektüre eines Kindes. Hinzu kommt sehr viel Zweideutigkeit. Vom Himmelsstürmer, der sowieso nur abstürzt oder die Fliege macht, von Vögelmännern, die jeden Schnupfen für die Vogelgrippe halten oder von solchen, die nur auf Gänse stehen oder gar auf Küken. Ein Büchlein, um es der Freundin zu schenken, die schon lange den Richtigen sucht, aber sicher keines, das in einem Kinderzimmerregal stehen sollte. Obwohl…auch für die Freundin ist sie nicht grad motivierend, die Vorstellung, dass der Herr Traummann sich wieder verfliegen könnte, wenn er das Weibchen zum Brüten gebracht hat.
2.0 Stars (2,0 / 5)

Anmerkung der Redaktion: :
Wir wurden wir vom Verlag darauf hingewiesen, dass dieses Buch tatsächlich nur für Erwachsene gedacht ist und dass möglicherweise wirklich die Wahl des „Outfits“ etwas ungünstig gewählt ist.

Paolo Fritz: Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis

Es ist eine alte Legende und mal spielt sie in Indien, mal im arabischen Raum, mal im asiatischen – die ältesten Belege für das Schachspiel finden sich im Persien des 6. Jahrhunderts. Paolo Fritz hat ihr die chinesische Kulisse gegeben und mit seinen ausdrucksstarken Bildern einen wunderbar zu betrachtenden roten Faden gezogen.

Den Bauern geht es schlecht. Der Kaiser nimmt ihnen zu viel von dem Reis ab, den sie erwirtschaften, sie bekommen ihre Familien nicht mehr satt. Beschweren sie sich, reagiert er grausam. Also holen sie sich Rat bei einem Weisen und der möchte dem Kaiser mithilfe eines Spiels klar machen, wie wichtig die Bauern für einen Herrscher sein können: Er erfindet Schach.
Der Kaiser ist begeistert, nicht zuletzt deswegen, weil der Weise ihn immer gewinnen lässt. Dann aber wettet er mit ihm und verlangt, sollte er gewinnen, für jedes Feld die doppelte Menge an Reis. Der Kaiser ist fast schon beleidigt aufgrund des vermeintlich geringen Wetteinsatzes, lässt sich aber auf das Spiel ein. Als ihm sein Finanzminister später klarmacht, welche Menge Reis er verloren hat, geht ihm ein Licht auf und er lässt sich notgedrungen auf einen Deal mit dem Weisen ein.

Das wohl Schönste an diesem Buch ist, wenn die Kinder anfangen, nachzurechnen. Und auch man selbst kaum weiter als sie kommt, denn spätestens ab der dritten Reihe braucht man einen Taschenrechner und am Schluss kommen unter dem Strich tatsächlich die 18 Trillionen Reiskörner heraus. Ein Buch, das zum Nachdenken und zum Betrachten anregt. Und das den einen oder anderen neugierig macht auf das Spiel der Könige.
4.0 Stars (4,0 / 5)

Nikolai Popov: Warum?

Dieses Kinderbuch ist nicht neu, nur neu aufgelegt – aber leider trotzdem tagesaktuell. Der als jähzornig geltende Kim Jong Un spielt ein bisschen mit Atomwaffen, Boko Haram wütet nicht nur in Nigeria, die Ukraine wird gebeutelt, der Terror des IS steht bei uns vor der Tür… es gibt kaum ein Kind mehr in den deutschen Großstädten, das nicht eines kennt, das flüchten musste. Unsere Besorgnis überträgt sich auf die Kinder, die Nachrichten sind manchmal kaum zu ertragen und erschrecken immer wieder zwischen fröhlichem Geplapper aus Radio und Fernsehen. Das Thema Krieg kann nicht totgeschwiegen werden, die Kinder bekommen es mit, ob man will oder nicht.

Es gibt zahlreiche Kinderbücher für jedes Alter, die sich auf ihre Weise mit dem Thema beschäftigen. Und dabei helfen wollen, Gehörtes und Gesehenes zu verarbeiten. Von Claude Dubois „Akim rennt“, das man bereits mit Sechsjährigen lesen kann bis zu „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, das man frühestens ab zwölf lesen sollte. Auch bei Minedition hat man sich mit dem Thema auseinandergesetzt und ein Buch mit dem Titel „Warum?“ herausgebracht, das vor allem durch seine Bilder lebt. Es erklärt auf ganz einfache Weise, wie ein klassischer Krieg entsteht und dass man schon im Kleinen viel verhindern könnte. Frei nach Ottfried Preußlers Motto: „Mit Mut und Entschlossenheit lässt sich manches gegen Gewalt und Willkür bewirken auf dieser Welt – übrigens auch im Frieden.“

Nikolai Popov arbeitet mit den Farben, lässt ihnen den Vortritt. Leicht und beschwingt beginnen die Zeichnungen, zunehmend wird es düsterer und dunkler. Gewalt und die erzeugte Gegengewalt, der Hass und die Wut – die Farben, die man damit in Verbindung bringt, nehmen immer mehr überhand. Ein Buch mit einem eigentlich traurigen Ende, aber auch hier ist „eigentlich“ wieder eine Einschränkung, denn Popov lässt es seinen kleinen tierischen Hauptfiguren offen, es in Zukunft besser zu machen. Die Gewaltspirale zu unterbrechen. Und so langfristig für Frieden zu sorgen. Schwer einzuschätzen, ab welchem Alter ein solches Buch verwendet werden sollte – hier hängt es stark vom Entwicklungsstand des Kindes und vor allem von seinen Fragen ab. Denn gerade ein Buch wie „Warum?“ eignet sich, um Unverständliches ein wenig besser zu „begreifen“. Antworten kann es auch nicht liefern.

„Warum?“ ist eines der Bilderbücher, die man auch Älteren nahelegen kann. Als Anregung für Diskussionen zum Beispiel im Schulunterricht, aber auch als Symbol der ausgestreckten Hand nach einem Streit.

3.2 Stars (3,2 / 5)

Jedermann für jedes Kind

Hugo von Hofmannsthal, sein Jedermann und die Stadt Salzburg sind eng miteinander verbunden. Für uns Erwachsene. Kindern ist der Jedermann in der Regel fremd. Und das auch, weil er so ist, wie sie nie sind. Habgierig, selbstbezogen, geldgeil und egoistisch. Doch als der Tod kommt, wird ihm das klar, dem Jedermann, der so ist wie irgendwie jeder Mann, und im letzten Moment kommt er zur Besinnung. Die Gestalt der Guten Werke hilft ihm dabei und rettet ihn so vor dem Fegefeuer.

Es ist eine harte Kost, die Kindern hier von Werner Thuswaldner nacherzählt wird. Auch die Illustrationen von Julian Crouch – die auf einer Produktion der Salzburger Festspiele basieren – sind nicht gerade gefällig. Aber der Text ist leicht verständlich und der Inhalt jedem Kind sofort klar. Wer so handelt und denkt wie der Jedermann, der kann von Glück sagen, wenn so eine kindliche Gestalt daherkommt und ihn belehrt. Das ist irgendwie wie im richtigen Leben. Denn wer Kinder hat, dem wird klar, was wirklich wichtig ist im Leben!

Ein sehr schönes und zartes Heranführen an ein Werk wie dieses. Allerdings sicher nicht für jedes Kind geeignet. Dafür aber mit Sicherheit für jeden kulturbegeisterten Erwachsenen.
3.9 Stars (3,9 / 5)

Möge der Witz mit Dir sein

Nachdem gerade erst die Kindergartenkinder und Grundschüler in Sachen Star Wars dran waren, kommen jetzt mal die Erwachsenen. Möge der Witz mit Dir sein zeigt Cartoons von der dunklen Seite der Macht. Verschiedene Zeichner wie Denis Metz, der Nürnberger Cartoonist Gymmick oder Tobias Schülert haben sich zusammengetan und sich Gedanken gemacht über Mülltrennung auf dem Todesstern, Laserschwertbatterien, Stressbewältigung à la Darth Vader und Ewok-Toiletten. Dass die vielen männlichen und wenigen weiblichen Zeichner Meister Yoda und Herrn Vader nicht abgeneigt sind, versteht sich irgendwie von selbst.

Der Herausgeber Michael Holtschulte, Jahrgang 1979, arbeitet als Cartoonist für zahlreiche Zeitungen und Magazine (u.a. für Süddeutsche Zeitung, TAZ, Titanic und den Stern). Vor drei Jahren wurde er mit dem Publikumspreis des Deutschen Preises für die politische Karikatur ausgezeichnet, im vergangenen Jahr mit dem des Deutschen Karikaturenpreises.

Für Star Wars Fans ist dieses Buch ein schönes Mitbringsel, für die Liebhaber leicht bis mittelmäßig schwarzer Cartoons ebenso. Für alle anderen eher bedingt witzig.
2.0 Stars (2,0 / 5)

tiptoi® Star Wars(TM) Episode I-VI

Noch cooler geht es kaum: StarWars für Anfänger und Profis als Tiptoi-Buch. Kindgerecht aufbereitet erfährt man viel über die Handlung und ihre Hintergründe, über die wichtigsten Figuren und das Ganze mit den Originalstimmen.

Filmszenen aus den sechs Episoden ermöglichen es, wie live dabei zu sein und mit Anakin Skywalker, dem Hohen Rat der Jedi und Meister Joda und seinen besonnenen Entscheidungen das Imperium mitzuerleben.

Mithilfe der Geräusche und Bilder aus den Filmen taucht man in das galaktische StarWars- Imperium ein. Das optimale Geschenk für kleine Schulanfänger, die ja schließlich auf ihre Art auch große Helden sind. Ohne Laserschwert, dafür mit Schultüte. Möge die Macht mit ihnen sein! Und mit einem Autor, der aus der Kinderbuchwelt nicht mehr wegzudenken ist: THiLO.

„Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, meine Kinder nach dem Mittagessen abzuwimmeln: ‚Nein, ich kann leider nicht Vokabeln abhören, ich muss leider, leider StarWars schauen!’Tja, das war mein Los über Wochen und Monate. Alle sechs Episoden rauf und runter schauen. Die besten Bilder für das Buch aussuchen. Die passenden Original-Töne finden. Die bekanntesten Zitate mussten auch ins Buch. Und dann noch die komplette Geschichte – bisher – zusammenfassen.“

Kein Problem für jemanden, bei dem Riesen, Zwerge, Hexen, Feen, sprechende Koffer, Monster und Ritter sich nur so auf dem Schreibtisch tummeln. Und dessen Bücher mit einer Auflage von über drei Millionen in zwanzig Sprachen übersetzt wurden.
5.0 Stars (5,0 / 5)