Chandler Baker: Das Ende ist erst der Anfang

Lake wird in wenigen Wochen 18. In der Gesellschaft, in der sie lebt, hat sie dann die Möglichkeit, einen Menschen vom Tod auferstehen zu lassen. Für ihre Eltern ist schon lange klar, dass das ihr querschnittsgelähmter Bruder Matt sein wird. Und Lake, die ihren Bruder so wie er seit seinem Unfall ist, gar nicht mehr leiden kann, hat sich in ihr Schicksal gefügt. Doch dann passiert ein fürchterlicher Unfall und nicht nur ihr Freund, sondern auch ihre beste Freundin sterben dabei. Lake weiß nicht, was sie tun soll und verzweifelt fast. Bis sie Ringo trifft, der ihr den richtigen Weg aufzeigt.

Ein wunderbares Jugendbuch über die Themen Selbstbestimmung und die Qual der Wahl. Der Weg, den Lake geht, ist kein einfacher. Wie soll man entscheiden, wer wichtiger ist? Der Mann, den man liebt und der vielleicht doch nicht der war, den man gesehen hat? Die beste Freundin – die einem so arg fehlt und die Geheimnisse hatte, von denen man nichts ahnte oder doch der Bruder, den man als kleines Kind verehrt hat und von dem man erst jetzt versteht, warum er so griesgrämig geworden ist … man möchte nicht in ihrer Rolle stecken. Und kann das Buch kaum weglegen, bis man weiß, wie Lake sich entschieden hat.

Katie Kennedy: Der Asteroid ist noch das kleinste Problem

Ein Asteroid rast auf die Erde zu und die besten Wissenschaftler aus der ganzen Welt wurden zusammengetrommelt, um in letzter Minute eine Lösung zu finden. Unter ihnen ist auch Yuri, ein ganz junger russischer Wissenschaftler, der schon studiert hat, als Gleichaltrige noch zur Schule gingen.

Der 17-Jährige weiß ganz genau, wie der Asteroid zu stoppen wäre, aber obwohl er zu den Superhirnen gehört, vertrauen ihm die anderen nicht hundertprozentig und wollen lieber auf Nummer sicher gehen. Nummer sicher allerdings, das weiß Yuri ist die Nummer sicher für die Zerstörung zumindest eines Teils der Erde. Und dann bringt ihn auch noch Luna (wie passend!) aus dem Konzept. Luna ist so ganz anders als andere Mädchen, eine Traumtänzerin mit einer ausgeflippten Familie und einem enormen Vertrauen in Yuris Fähigkeiten, sie ist sich sicher, dass er die Welt retten wird.

Dieses Buch ist eigentlich für Jugendliche geschrieben, aber es ist eines von denen, bei denen es richtig Spaß macht, sie zu lesen – auch, wenn man selbst bereits lang aus diesem Alter raus ist. Es ist witzig geschrieben, die Story hat was und die Protagonisten sind einfach liebenswert komisch.

4.5 Stars (4,5 / 5)

Mandy Hubbard: Wie ich in High Heels durch die Zeit stolperte


Man tut sich schon etwas schwer, seine Vorurteile im Zaum zu halten, wenn man dieses Buch von außen betrachtet: Der Name der Autorin, die Aufmachung, das ganze Ganze lässt einen ein bisschen daran zweifeln, ob hier wirklich lesenswerte Literatur dahintersteckt: Aber, es ist nicht schlecht, diese typische Mädchenbuch. Die Geschichte dreht sich um Callie, die sich ihre Klassenfahrt nach London ein wenig anders vorgestellt hat. Dass sie zusätzlich eine „kleine“ Zeitreise ins 19. Jahrhundert unternehmen würde, das hätte sie sich niemals träumen lassen. Aber sie hat Glück und wird verwechselt. Und daher herzlich aufgenommen im Herrenhaus zu Harksbury. Dessen Hausherr ihr durchaus gefällt. Er ist arrogant, aber ziemlich gutaussehend. Die Verwirrungen um das Mädchen aus dem 20. Jahrhundert lassen nicht lange auf sich warten.
Muss man nicht gelesen haben. Klar. Aber es ist ein netter Zeitvertreib. Nichts tiefgehendes. Aber zwischen Shakespeare und Sartre kann man es schon mal einschieben, wenn man 15 ist – zur Entspannung.
3.4 Stars (3,4 / 5)

David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal

A ist eine reisende Seele. Jeden Morgen wacht er in einem anderen Körper auf, immer seinem Alter entsprechend, immer im gleichen regionalen Umfeld. Er hat sich in sein Schicksal gefügt, hinterfragt es nicht wirklich, findet es manchmal schade, dass er nicht bleiben kann, meistens ist es ihm egal. Neuer Morgen, neue Persönlichkeit. A hat sich entschieden, das Leben derjenigen, die er „bereist“, nicht wirklich zu beeinflussen, einfach einzutauchen und möglichst wenig aufzufallen. Das geht bis zu dem Tag, als er als Justin wieder aufwacht und dessen wichtigste Erinnerungen abruft. Der unsensible Junge hat eine ganz zauberhafte Freundin und zum ersten Mal gelingt es A nicht, sich zurückzunehmen. Er verbringt – als Justin – den Tag so, wie er ihn mit Rhiannon verbracht hätte. Was zur Folge hat, dass sie spürt, dass hier etwas nicht stimmt. A hat sich verliebt und lässt keine Gelegenheit aus, Rhiannon wiederzusehen. In allen möglichen Gestalten. Sie beginnt, ihn zu erkennen. Diese Liebesgeschichte ist der eine Strang der Erzählung. Nathan, ein von A „besessener“ Junge, der glaubt, der Teufel wäre in ihn gefahren, der andere. Und beide werden vom Autor sehr einfühlsam und ohne große Tragik zusammengeführt.

Man kann nicht anders, als beim Lesen immer wieder innezuhalten und sich zu fragen, was man selbst tun würde. Als A, als Rhiannon, aber auch als Nathan. Und man muss sich selbst die Frage stellen, wie man mit einer solchen Situation umgehen würde, ob man wirklich die Größe hätte, die A beweist…

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist ein ganz wunderbares Jugendbuch über Identität, Persönlichkeitsentwicklung und das Ausdrücken von Gefühlen. Eines, das absolut zu Recht Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreise 2015, Kategorie Jugendjury ist!

Die Geschichte ist übrigens aus As Sicht geschrieben, doch man kann sie auch aus Rhiannons Sicht lesen. „Letztendlich geht es nur um dich“ heißt die Fortsetzung, die eine solche eigentlich gar nicht ist. Denn etwas Neues wird der Leser nicht erfahren. Nur eine andere Sichtweise. Aber das haben wir ja von A gelernt, das ist auch schon eine ganze Menge wert.
5.0 Stars (5,0 / 5)

Teri Terry: Book of Lies

Sie begegnen sich zum ersten Mal auf der Beerdigung ihrer Mutter und nur eine wusste davon, dass es die andere gibt. Piper und Quinn hätten unterschiedlicher nicht aufwachsen können. Die eine in einem wohlbehüteten und wohlhabenden Elternhaus, mit netten Freunden, Schulbesuch und tollen Kleidern, die andere in äußerst ärmlichen Verhältnissen mitten im Moor, gemeinsam mit der alten Großmutter, zu der die Leute nur dann kamen, wenn sie im Leben nicht mehr weiterwussten und so verzweifelt waren, dass sie ihre Dienste in Anspruch nahmen. Mal für ein Huhn, mal für ein paar Laib Brot oder etwas Milch.
Die Frage, warum die eine so leben musste und die andere so leben durfte, quält die beiden. Warum dachte die Mutter, sie müsste eines der Kinder wegsperren, vor sich selbst und andere vor ihm schützen? Und hat sie dabei wirklich die richtige Entscheidung getroffen? Nur langsam kommen die Mädchen auf die Spur eines schrecklichen Familiengeheimnisses und können sich dem Bann dessen kaum entziehen…

Ein typisches Teri-Terry-Buch, auch wenn es sich diesmal nicht um eine Dystopie handelt, sondern die Erzählung eher mit der Vergangenheit in all ihren zeitunabhängigen Schichten spielt. Das Szenario ist düster und magisch, die Art und Weise, wie Mutter und Großmutter versucht haben, die Kinder vor sich selbst zu schützen, reichlich grausam. Bisweilen wundert man sich über die Kaltschnäutzigkeit der Protagonistinnen, über deren Verhalten, das wiederum durch ihr Alter erklärt werden könnte – sie sind Teenager, die beiden Schwestern, und sie agieren wie solche. Sie haben keine Probleme, sich zu verwandeln auf ihrer Suche nach der Identität, jeden Tag ein anderes Gesicht zu zeigen und dabei düstere Seiten zu durchleben, ohne überhaupt nur mit der Wimper zu zucken.

Die Idee ist gut, aber nicht komplett ausgearbeitet. An manchen Stellen hat Teri Terry einige Längen drin, die nicht hätten sein müssen, an anderen hätte sie gern etwas mehr in die Tiefe gehen dürfen. Das Cover, das gewählt wurde, ist dagegen extrem gut geraten. Die Idee, die Farbgebung und die Wahl der Schrift passen exakt zum Buch. „Book of Lies“ trifft genau den Zielgruppengeschmack von rund 15-jährigen Mädchen, mit etwas mehr Rotstift hätte es sich eventuell auch als Empfehlung für Ältere geeignet.
3.0 Stars (3,0 / 5)

Henn/Schmidbauer: Ostwind 3 – Aufbruch nach Ora

Der von vielen Fans lang ersehnte dritte Band der Saga über das Mädchen Mika und sein Pferd Ostwind, Aufbruch nach Ora, ist seit Kurzem im Handel und galoppierte geradewegs auf die Bestsellerlisten. Nicht zu unrecht. Denn dieses Buch bietet nicht nur jugendlichen Lesern alles, was ein zu Herz gehendes Buch braucht: eine Menge Tränen, Hoffnung, Liebe und ein unglaubliches Ende.

Man könnte ja meinen, es wäre jetzt endlich mal Ruhe im Karton auf dem Gut Kaltenbach. Mika hat den Hof gerettet, das Gestüt ist nun Therapiezentrum. Doch dass es eigentlich nicht die Pferde sind, die den Therapeuten brauchen, sondern die dazugehörigen Menschen, dass es so vielen an Einfühlungsvermögen fehlt für die schönen Tiere, das macht Mika wahnsinnig. Dann allerdings passiert etwas, das alles andere in den Schatten stellt und Mika muss mit Ostwind, der eigentlich lieber bei seiner geliebten trächtigen Stute bleiben würde, eine schwere Reise antreten.

Waren die Bücher vorher schon spannend, so übertrifft es dieses um einiges. Ostwind 3 ist eines von den Büchern, die man nur notgedrungen aus der Hand legen würde, die man den ganzen Tag in seiner Tasche herumschleppt, um jede nur mögliche Minute zum Lesen zu nutzen. Auch das Erscheinungsdatum dieses Buches ist genau richtig. Tausende von Mädchen werden es im Nikolaussäckchen oder auf dem Gabentisch liegen haben. Und werden dann ganz schnell die Welt um sich herum vergessen und hineintauchen in die Geschichte von Mika und Milan, Ostwind und 34.
4.5 Stars (4,5 / 5)

Petra Nouns: Takla Makan – Das blaue Licht

Keine Vergangenheit. Keine Gegenwart. Keine Zukunft. Nur das Sein, das immerzu die Vergangenheit mit der Gegenwart und die Gegenwart mit der Zukunft verschmelzen lässt….

Ella besucht eine Multikulti-Schule mit allem Drum und Dran in Berlin. Ihre Eltern wollen das so. Die Mutter Ethnologin, immer in der Welt unterwegs, der Vater Gymnasiallehrer an einer Schule in besserer Gegend, möchten, dass ihr Kind bodenständig bleibt. Das Mädchen kommt mit allen ganz gut zurecht, hat eine beste Freundin und findet, dass Orkan, der Klassensprecher ein echter türkischer Gockel ist. Ella ist viel allein zuhause, hat dort Zeit, ihren Gedanken nachzuhängen und landet plötzlich in der Zukunft. Wie sie dahin kommt, warum sie und Orkan dort ein Paar zu sein scheinen und was die seltsame neue Kioskverkäuferin, deren Börek immer so lecker gewürzt sind, damit zu tun hat, erschließt sich der Achtklässlerin noch nicht. Doch so langsam kommt sie hinter die Geheimnisse des orientalischen Zaubers, mit dem sie belegt ist. Allerdings reagiert sie nicht, wie ein türkisches Mädchen reagieren würde und das bringt die Zauberer – egal, ob schwarzer oder weißer Magie verschrieben – in Aufruhr.

Dieses Buch, das übrigens nur der Beginn einer Reihe sein sollte (woraus leider nichts wurde, weil die Autorin ganz überraschend verstarb), verzaubert im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist exakt auf die Zielgruppe der 12- bis 15-jährigen Mädchen zugeschrieben und die Autorin trifft die Gradwanderung zwischen den Kulturen ganz gut, karikiert bisweilen sogar ein bisschen und bleibt dabei trotzdem respektvoll. Und letztendlich stellt sich wieder einmal heraus: Egal, wie unterschiedlich die Kulturen und Religionen sein mögen, wenn die Liebe im Spiel ist, dann läuft es immer auf das Gleiche hinaus:

Das Mädchen macht den Jungen gut. Der Junge macht das Mädchen schön.
4.0 Stars (4,0 / 5)

Kate Brian: Shadow Lands

Hauptperson ist Rory, das Mädchen ist um die 14 und das ausgesuchte Opfer eines seit langem gesuchten Serienmörders, der bereits mehr als ein Dutzend junge Frauen auf dem Gewissen hat. Sie entkommt, indem sie ihn überrumpelt und flüchtet. Das FBI wird eingeschaltet, keiner aus der Familie darf das Haus mehr verlassen. Doch der Killer lässt sich so leicht nicht ausschalten. Er installiert Webcams, legt Rosen in ihr Zimmer – Rory flieht, gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Schwester im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms auf eine unbekannte Insel. Dort fasst die Familie schnell Fuß, doch der Killer ist Rory auf den Fersen. Auch jetzt hinterlässt er wieder Spuren, entführt Rorys Schwester, wird aber von der Clique überführt. Was dann passiert, ist dermaßen unglaublich, dass man es selbst lesen muss. Dass man sich selbst verwirren lassen muss.

Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Rory, sich selten abwechselnd mit der Sicht des Mörders erzählt. Die Autorin schreibt extrem fesselnd, es ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Zunächst arbeitet sie extrem mit dem Gruselfaktor, spannt dann aber geschickt den Bogen hin über den Krimi zum Psychothriller. Wobei der Thrill alles andere als zu kurz kommt. Es ist keines der Bücher, die man nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen sollte. Was man aber trotzdem tun wird.
3.9 Stars (3,9 / 5)

Rebecca Wild: Gefangene der Magie

Mit einer Fee wie aus dem Bilderbuch hat Kira wenig gemeinsam. Gemeinsam mit anderen Paranormalen wird sie aus Angst von den Menschen in einem Reservat gefangen gehalten. Hinter der Panik stecken machthungrige Zauberer und ausgerechnet in den allerschlimmsten verknallt sich Kira. Soweit der erste Band, „Verräter der Magie“.
„Gefangene der Magie“ ist der zweite Teil aus der magischen Reihe. Und er ist sogar noch besser. In der Fortsetzung werden die Fäden rund um Cian und Kira weiter gesponnen. Kira ist ziemlich stinkig und hält es im Nachhinein für keine gute Idee mehr, Cian zu retten und seine Seele in sich aufzunehmen. Jetzt quatscht er in ihrem Kopf und nervt sie. Helfen kann, so glaubt Kira, nur eine alte Hexe, die Körper und Geist wieder vereinen soll. Aber das geht gründlich schief.

Umgeben von zahlreichen seltsamen und geheimnisvollen Wesen, erleben die beiden Wesen eine reichlich spannungsgeladene und phantasievolle Handlung. Wozu es nicht unbedingt erforderlich ist, den ersten Teil auch wirklich gelesen zu haben, man kommt schnell rein ins Geschehen. Ein bisschen Romantik, viel Magie und genug Action – ein Buch wie gemacht für weibliche Teenager.

Und noch immer bleiben Fragen offen – man wird also noch mehr hören über Cian und Kira.
3.4 Stars (3,4 / 5)

Christina Moracho: Zwillingssterne

Althea und Oliver sind unzertrennlich. Sie verleben ihre Kindheit zusammen, die Jugend, den ersten Kuss – doch bevor sie ihr vertrautes Dasein genießen können, passiert etwas Seltsames. Oliver fällt immer wieder in einen tiefen Schlaf, der manchmal Wochen, manchmal aber auch Monate dauert. Die kurzen Momente, in denen er wach ist, sind Momente, in denen der Junge nicht er selbst ist. In denen er lediglich seine Akkus füllt und wie ein Zombie agiert. Doch Altheas Leben geht weiter. Sie färbt sich die Haare, beginnt zu rauchen, hört mit dem Sport auf, verändert sich komplett. Die Gefahr der Entfremdung wird immer größer. Bis seine Mutter herausfindet, was mit Oliver los ist. Doch gibt es Hoffnung auf Heilung? Und was ist dann mit der jungen Liebe, wenn Oliver dazu wegmuss? Wie wird es den Zwillingen ergehen?

Die Geschichte, ein Debüt, endet anders, als man erwarten würde, Und ist vielleicht genau deswegen ziemlich spannend. Sucht doch jeder von uns irgendwie seinen Seelenverwandten. Und wer will ihn dann, wenn er ihn gefunden hat, schon wieder aufgeben?
3.0 Stars (3,0 / 5)