Simona Ciraolo: Komm kuscheln

Felipe stammte aus einer alten und berühmten Familie, die viel Wert darauf legte, gut auszusehen und sich stets vornehm zu verhalten. Anderen sollte man möglichst niemals zu nah kommen. Felipe ist ein kleiner Kaktus und er kann mit dem stolzen Gehabe seiner Verwandten nicht viel anfangen – er möchte viiiiel lieber in den Arm genommen werden. Eines Tages kommt jemand und die beiden kommen sich näher, aber dann platzt der Luftballon und alle schimpfen mit Felipe. Da haut er ab …

Diese Geschichte geht wirklich sehr zu Herzen, die Zeichnungen sind wunderschön und man kann gar nicht anders, als ganz stark Mitgefühl zu entwickeln für den kleinen grünen Kaktus, der letztendlich doch noch jemand findet, der von ihm in den Arm genommen werden möchte. Und es so richtig genießen kann.

Hans Christian Andersen: Die kleine Meerjungfrau

Was gibt es gerade in diesen Tagen Schöneres als eine gute, ein bisschen melancholische und gern auch sehr alte Geschichte, eine Tasse Tee und eine Kerze auf dem Tisch? Am besten ist es, wenn die ganze Familie zusammengekuschelt auf dem Sofa liegt und einer vorliest und welche Buchreihe würde sich da besser eignen als die pracht- und fantasievoll illustrierten Märchenbücher von Coppenrath?

Neben Peter Pan, Die Schöne und das Biest und Das Dschungelbuch gibt es nun auch die kleine Meerjungfrau, kombiniert mit anderen Märchen in dieser zauberhaften, kunstvollen Umsetzung. Zwölf Andersen-Märchen setzen die Designkünstler MinaLima in dieser Ausgabe in Szene: interaktive Extras, viele Illustrationen und kunstvolle Momente bieten die Möglichkeit, fast auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken.

Wer also noch ein echt schönes Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für einen Bücherliebhaber – egal welchen Alters – sucht, liegt hier genau richtig.

lonely planet kids: Die spannendsten Städte der Welt

Wer gerne reist, kennt „lonely planet“ – die weltbesten Reiseführer aus Australien. Daher wird man gleich hellhörig beim Titel dieses Kinderbuchs über die wichtigsten Städte dieses Planeten. Man startet die Weltreise in Toronto mit seinen unterirdischen Gängen, reist weiter über Philadelphia und über Ushuaia in Argentinien nach Moskau und Berlin, um ganz zum Schluss in South Tarawa in Australien zu landen. Um dort etwas anderes zu essen als Fisch und Kokosnuss, muss man schon aufs nächste Flugzeug warten und wenn man zur Schule will, dann könnte man theoretisch hinschwimmen – wenn da nicht die Haie wären.

Dieses wunderschöne und informative Buch ist reich bebildert und mit zahlreichen kurzen, aber dafür umso interessanter ausgewählten Texten versehen. Es ist genau das Richtige, um allein oder mit einem Elternteil zwischendrin sich mal ein paar Minuten zu nehmen und zu stöbern. Wo würde man gerne hin, was findet man selbst am schönsten? Hier finden auch Erwachsene eine ganze Menge Neues und Fakten, die sie noch nicht kannten. Anlass für Gespräche gibt es genug – und so soll ein Kinderbuch sein! Anregend, spannend, informativ und trotzdem leicht zu lesen.

Das Känguru

Kängurus gehören zu den Tieren, die irgendwie jeder mag. Sie leben in Australien, gehören zu den 320 noch lebenden Beuteltierarten und tragen ihren winzig kleinen Nachwuchs im Beutel mit sich herum, bis er groß genug ist, um selbst die Welt zu erkunden. Wenn die Tiere es eilig haben, können sie eine Geschwindigkeit von 60 km/h erreichen, dabei springen sie bis zu 9 Meter weg und 3 Meter hoch. Die geselligen Tiere, die in diesem Buch anhand zahlreicher Fotos und kurzer Texte vorgestellt werden, leben gefährlich. Denn sie haben im australischen Outback, obwohl bestimmte Arten sehr groß werden können, einige Feinde. Neben dem Menschen, der in letzter Zeit Kängurufleisch überall auf der Welt auf dem Speiseplan hat, sind das Giftschlangen, Dingos und Krokodile. Wobei man auf die anschauliche Fotografie eines Kängurus, das gerade zu Reptilienfutter verarbeitet wird, in einem für Kinder gemachten Buch durchaus hätte verzichten können. Umso besser gelungen sind dafür die Worterklärungen im Glossar, die wissbegierigen kleinen Naturforschern entgegenkommen.

Das Buch ist innerhalb der Reihe „Meine große Tierbibliothek“ erschienen, in der man über Regenwürmer genauso etwas lernen kann wie über Pinguine.

Jane Goodall: Die Schimpansen-Kinder von Gombe

Dieser Fotobildband über Schimpansen-Kinder und ihre Familien geht einem ganz nah. Die Tiere leben in Tansania in einem Nationalpark und werden präsentiert von Jane Goodall – der berühmten Affenflüsterin. Der Frau, die uns erst richtig klargemacht hat, wie nah dies Tiere uns sind. In ihrem Aussehen, aber vor allem in ihrem Verhalten. Sie sind sehr viel klüger als lange Zeit gedacht wurde, sie sind sozial und wie jede Spezies vor allem auch schützenswert.
Die Forscherin begann ihre Karriere 1960, indem sie viel Zeit allein im Urwald verbrachte. Zunächst hatten die Schimpansen Angst vor ihr – sie hatten nie zuvor einen „weißen Affen“ gesehen, aber irgendwann gewöhnte sich die Affenbande an die damals noch junge Frau und ließ tiefe Einblicke in die internen Strukturen zu.
Jane Goodall nimmt ihre jungen Leser mit auf eine Reise in den Gombe-Nationalpark und zeigt ihnen in direkter Ansprache und dominiert von wunderschönen Fotos ihre „affige“ Welt. Eine Bereicherung für jedes Bücherregal.

Jedermann für jedes Kind

Hugo von Hofmannsthal, sein Jedermann und die Stadt Salzburg sind eng miteinander verbunden. Für uns Erwachsene. Kindern ist der Jedermann in der Regel fremd. Und das auch, weil er so ist, wie sie nie sind. Habgierig, selbstbezogen, geldgeil und egoistisch. Doch als der Tod kommt, wird ihm das klar, dem Jedermann, der so ist wie irgendwie jeder Mann, und im letzten Moment kommt er zur Besinnung. Die Gestalt der Guten Werke hilft ihm dabei und rettet ihn so vor dem Fegefeuer.

Es ist eine harte Kost, die Kindern hier von Werner Thuswaldner nacherzählt wird. Auch die Illustrationen von Julian Crouch – die auf einer Produktion der Salzburger Festspiele basieren – sind nicht gerade gefällig. Aber der Text ist leicht verständlich und der Inhalt jedem Kind sofort klar. Wer so handelt und denkt wie der Jedermann, der kann von Glück sagen, wenn so eine kindliche Gestalt daherkommt und ihn belehrt. Das ist irgendwie wie im richtigen Leben. Denn wer Kinder hat, dem wird klar, was wirklich wichtig ist im Leben!

Ein sehr schönes und zartes Heranführen an ein Werk wie dieses. Allerdings sicher nicht für jedes Kind geeignet. Dafür aber mit Sicherheit für jeden kulturbegeisterten Erwachsenen.
3.9 Stars (3,9 / 5)

tiptoi® Star Wars(TM) Episode I-VI

Noch cooler geht es kaum: StarWars für Anfänger und Profis als Tiptoi-Buch. Kindgerecht aufbereitet erfährt man viel über die Handlung und ihre Hintergründe, über die wichtigsten Figuren und das Ganze mit den Originalstimmen.

Filmszenen aus den sechs Episoden ermöglichen es, wie live dabei zu sein und mit Anakin Skywalker, dem Hohen Rat der Jedi und Meister Joda und seinen besonnenen Entscheidungen das Imperium mitzuerleben.

Mithilfe der Geräusche und Bilder aus den Filmen taucht man in das galaktische StarWars- Imperium ein. Das optimale Geschenk für kleine Schulanfänger, die ja schließlich auf ihre Art auch große Helden sind. Ohne Laserschwert, dafür mit Schultüte. Möge die Macht mit ihnen sein! Und mit einem Autor, der aus der Kinderbuchwelt nicht mehr wegzudenken ist: THiLO.

„Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, meine Kinder nach dem Mittagessen abzuwimmeln: ‚Nein, ich kann leider nicht Vokabeln abhören, ich muss leider, leider StarWars schauen!’Tja, das war mein Los über Wochen und Monate. Alle sechs Episoden rauf und runter schauen. Die besten Bilder für das Buch aussuchen. Die passenden Original-Töne finden. Die bekanntesten Zitate mussten auch ins Buch. Und dann noch die komplette Geschichte – bisher – zusammenfassen.“

Kein Problem für jemanden, bei dem Riesen, Zwerge, Hexen, Feen, sprechende Koffer, Monster und Ritter sich nur so auf dem Schreibtisch tummeln. Und dessen Bücher mit einer Auflage von über drei Millionen in zwanzig Sprachen übersetzt wurden.
5.0 Stars (5,0 / 5)

Gudrun Ongania: An die Töpfe, gärtnern, los!

Die Autorin gehört zu denjenigen, die einfach in der Mitte des Lebens noch einmal neu anfangen. Sie war Unternehmensberaterin, tauschte den spießigen Anzug gegen Gartenhandschuhe und machte nicht nur ein bisschen auf Midlife-Crisis, sondern gründete „VEG and the City“, um Menschen dazu zu bringen, Gemüse in der Stadt anzubauen. Dazu entwickelte sie ein ganz eigenes platzsparendes System, so genannte Erntestationen, bei denen man in die Höhe geht statt in die Breite. Das Ganze machte sie dermaßen erfolgreich, dass sie sogar vom WWF einen Förderpreis bekam.

Vor diesem Hntergrund ist ihr Bildband gleich noch interessanter. Sie erklärt die Notwendigkeit urbaner Gärten, unser Sehnen nach dem Ursprünglichen, hilft, Ecken zu finden, die sich eignen und beschreibt verschiedene Gartentypen inklusive Zeitbudget.

Vielleicht muss der Otto-Normalverbraucher-Garten-oder-Balkon-Begrüner nicht ganz so in die Tiefe gehen, wie sie es tut, aber interessant ist es auf jeden Fall, sich einmal mit pH-Werten und verschiedenen Erde-Typen auseinanderzusetzen. Besonders viel Spaß macht es aber, einfach ein bisschen herumzublättern, die Fotos von Johanna Muther zu bewundern und sich so Lust zu machen, einfach mal wieder etwas Ursprüngliches zu tun. Und wenn man nur Kartoffeln im Sack anlegt.

Eine schöne Ergänzung sind die Rezepte zum Schluss. Überbackene Salbeiblätter oder mit Reis gefüllte Zucchiniblüten sind schließlich nichts, was man alle Tage auf dem Tisch hätte.
4.5 Stars (4,5 / 5)