Albrecht Vorster: Warum wir schlafen

Wenn man die eine oder andere Frage zum Thema Schlaf beantwortet haben möchte und sich wissenschaftlich gesehen gerne an der Oberfläche bewegt, dann eignet sich dieses Buch perfekt. Man kann einfach nachschlagen. Egal, ob es darum geht, ob und wenn ja wie man einen Schlafwandler wecken kann, soll oder muss oder ob man wissen möchte, was unser Gehirn in welcher Schlafphase „aufräumt“, hier finden sich die Antworten. Gut gegliedert, nicht zu kompliziert und auch auch nicht zu lang und doch ausführlich genug, um mit seinem neu gewonnenen Wissen auch mal hausieren gehen zu können. Mit außergewöhnlichen Experimenten – wer feiert schon mit Schnecken die Nacht durch? -, partytauglichen Anektdoten und vielen Beispielen aus unser aller Schlafalltag lockert der Autor, ein Biologe, Philosoph und Science-Slam-Gewinner, das gesamte Schlafwissen auf und verhindert so, dass wir über seinem Buch einschlafen. Obwohl das doch fast besser wäre, denn laut Albrecht Vorster wacht, wer schläft, hinterher klüger auf als vorher.

Clemens G. Arvay: Der Biophilia-Effekt

Heilung aus dem Wald – lautet der plakative Untertitel dieses Buches, das voll im Trend liegt. Dass wir uns im Wald wohlfühlen, dass es uns gut tut, dort mal so richtig tief einzuatmen und dass uns die Umgebung dort, wenn wir gestresst sind, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, das ist wohl für kaum jemand etwas Neues. Interessant aber ist, dass man jetzt herausgefunden hat, woran das liegt.

Der Mensch ist deutlich mehr mit seiner Umwelt vernetzt, als er das bis heute noch wahrhaben will. Die Japaner wissen das schon länger als wir und nutzen das Waldbaden, um ihr Immunsystem auf Trab zu bringen. Sie tauchen mit allen Sinnen in den Wald ein und sehen das bewusste Einatmen von Waldboden als Therapie bei zahlreichen Krankheiten. Bestimmte Landschaftselemente lassen unsere Stressparameter sinken und schalten von „Flucht und Angriff“ auf „Entspannung“ um. Wir „erden uns“, wenn wir barfuß durch das Gras laufen, wir genesen schneller, wenn wir Pflanzen um uns haben und die Terpene, die Bäume ausatmen, können uns sogar vor Krebs schützen – all das ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen und trotzdem wird es nicht richtig ernst genommen. Die Liebe zu Pflanzen darf einen schönen Garten hervorzaubern. Menschen, die mit Pflanzen sprechen und Biophilia – also die Pflanzenliebe – bewusst leben, werden immer noch ein wenig schräg angesehen. Bleibt zu hoffen, dass viele dieses Buch lesen und ihre Meinung dann ändern.

Saskia Jungnickel: Eine Reise ins Leben

– oder wie ich lernte, die Angst vor dem Tod zu überwinden.

Vieles versteht man erst, wenn man es sich erklären kann. Also macht sich die Autorin auf, Antworten zu finden, die ihr das Phänomen Tod erklären. Denn genau vor dem hat sie eine Riesenangst, eine dumpfe, dunkle Furcht, der sie sich mit diesem Buch stellen will.

Der Tod kommt, wann er will. So wie beim Bruder der Autorin, der noch jung einfach nachts im Schlaf verstarb. Manchmal kommt er auch, weil er gerufen wird. So wie beim Vater der Autorin, der sich selbst erschossen hat. Erlebnisse, die zweifelsohne enorm prägend sind.

Sich dem Tabuthema zu nähern, ist an sich schon mutig. Wer will das lesen? Wo wir doch alle tagtäglich damit beschäftigt sind, es von uns zu weisen. Doch, wenn man sich einlässt auf dieses Abenteuer, dann gibt es einem eine ganze Menge zurück. „Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte“ (Heinrich Heine) oder „Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus und die, die draußen sind, wollen nicht hinein.“ (Mark Twain) – es gibt viele Sichtweisen auf den Tod und viele Arten damit umzugehen.

Saskia Jungnikl ist Journalistin, schreibt unter anderem für die Österreichseiten der „Zeit“. Und journalistisch ist auch ihre Herangehensweise an das Thema. Sie recherchiert und folgt den Spuren, die sich auftun. Sammelt Eindrücke, Momente und Weisheiten und präsentiert ihren Lesern dieses Puzzle wie zum Beweis, das der Tod in ihrem Leben jetzt den Schrecken verloren hat.

Die kleine Gartenschule

Auch, wenn die Hauptpflanzzeit gerade vorbei ist und bei den meisten schon die Ernte angefangen hat, so gibt es doch im Garten eine ganze Menge zu tun. Gewiefte Gärtner setzen jetzt mit ganz einfachen Tricks Humus an, planen bereits die Beete fürs nächste Jahr und überlegen dabei, wie sie anzulegen sind, damit die Ernte von Frühjahr bis Herbst dauert. Nachdem nicht jedem der Grüne Daumen in die Wiege gelegt worden ist, ist so mancher froh über ein Handbuch, das einfach, unmissverständlich und möglichst gut bebildert zeigt, wie es geht. „Genussgärtnern für Einsteiger“ nennt der Verlag das Büchlein und trifft es damit ziemlich genau. Es liefert einen kompletten ersten Überblick über Obst- und Gemüseanbau für Einsteiger – von der Bodenvorbereitung bis hin zum richtigen Stützen der Pflanzen, von der Ertragssteigerung bis hin zur Lagerung.
Auf den ersten Blick meint man, es mit einem Buch für größere Kinder zu tun zu haben, gerade auch, weil die Werkzeuge alle einzeln abgebildet sind und durchaus eignet sich das Buch auch wunderbar für die kleinen Gärtner ab etwa zehn Jahren. Besonders schön: die einfach verständliche Erklärung der Photosynthese und des gesamten Pflanzenlebenszyklus.

Jürgen Brater: Wir sind alle Neandertaler

Im Grunde sind wir alle Neandertaler. Denn auf einer Timeline von 24 Stunden wären wir höchstens eine Stunde so „zivilisiert“ wie heute und erst seit Minuten, wenn nicht gar Sekunden gäbe es „Digital Natives“. Welche Auswirkungen die zwei bis vier Prozent Neandertalgene, die wir nachgewiesenermaßen immer noch in uns tragen, auf unser Verhalten haben, zeigt dieser Artikel im Elternratgeber von T-Online.

Peter Wohlleben: Gebrauchsanweisung für den Wald

Der Wald ist das Thema schlechthin zur Zeit. Und war es irgendwie schon immer: Der Deutsche und sein Wald. In dieses Horn hat schon Goethe geblasen. Da passt die Gebrauchsanweisung für den Wald, geschrieben von einem passionierten Waldliebhaber und gelesen von Stephan Schad, genau zum Trend. Allerdings geht der leidenschaftliche Förster nicht esoterisch an die Sache – auch, wenn es einem beim Thema Gruppenkuscheln in der Natur schon mal in den Sinn kommen könnte – sondern ganz praktisch: Er gibt sein Wissen weiter über die Waldbewohner – tierisch und planzlich. Man erfährt viel über die heimischen Bäume, darüber, wie der Wald in Zukunft aussehen wird, was man dort erleben kann, ob es eine Jahreszeit gibt, in der er am schönsten ist und warum man im Winter eigentlich durch Klopapier läuft, wenn man einen Spaziergang durch den Wald macht. Man weiß nach dieser CD, warum man Buchen bei Gewitter lieber nicht suchen sollte und dass es Bäume gibt, die ein bisschen zickig, aber trotzdem liebenswert sind. Nicht jeder erfährt hier etwas wirklich Neues (Je größer das Tier, desto seltener kann man es sehen) über eines der letzten fast noch intakten Ökosysteme – aber interessant ist es trotzdem, wenn sich der Jagd- und Monokulturgegner Wohlleben über die vermeintlichen Hüter des Waldes auslässt und darüber, welches Holz sich für was wirklich eignet. Man nennt ihn den Baumflüsterer – ob er das ist, können wir nicht beurteilen, aber irgendeinen Nerv muss er getroffen haben, der Herr Wohlleben, wenn er mit seinen Büchern solchen Erfolg hat. („Das geheime Leben der Bäume“ -über 700.000 verkaufte Exemplare und „Das Seelenleben der Tiere“ – über 250.000 verkaufte verkaufte Exemplare).
Peter Wohlleben ist 1964 geboren und es war schon immer sein Trau, ein Naturschützer zu werden. Wohlleben hat Forstwirtschaft studiert und es zum Beruf gemacht, andere in Seminaren, Führungen und eben Büchern in seine Passion einzuführen. Um den Gedanken des Waldschutzes und der Nachhaltigkeit im Wald weiterzuverbreiten, hat der Autor eine Waldakademie gegründet. Also doch ein Baumflüsterer?
4.0 Stars (4,0 / 5)

Joseph Scheppach: Das geheime Bewusstsein der Pflanzen

“Botschaften aus einer unbekannten Welt“ lautet der Untertitel eines Buches, nach dessen Lektüre man Skrupel hat, sich für seinen Mozarella ein bisschen Basilikum zu pflücken. Die wissenschaftliche Aussage, dass Pflanzen ein Bewusstsein haben, die ist nicht neu. Aber die Art und Weise, wie der Wissenschaftsjournalist Joseph Scheppach frühere und aktuelle Erkenntnisse aus der Pflanzenwelt präsentiert, ist superspannend.
Der Nachweis, dass in uns allen Pflanzenatome stecken, die Vermutung, dass alle Zellen – und damit auch die Pflanzenzellen – intelligent sind und ein Gedächtnis haben sowie die Tatsache, dass Wissenschaftler herausgefunden haben, dass Pflanzen deutlich mehr Sinne besitzen als wir – das alles gibt zu denken. Genau wie die Ergebnisse des Biologen Anthony Trewavas, immerhin Mitglied der Royal Society, der herausgefunden hat, dass das Grünzeug tatsächlich stur sein kann. Und damit nicht genug, es ist sogar in der Lage, in die Zukunft zu sehen. Die Dimension Zeit scheint für Pflanzen eine ganz andere Bedeutung zu haben – kein Wunder: Man denke nur an tausendjährige Linden.
Ob Pflanzen wirklich telepathische Fähigkeiten haben, wie das vor allem vom Bambus vermutet wird, was Blätter mit Computern gemein haben und ob Wurzeln soziale Intelligenz besitzen, zu all diesen Fragen fasst Scheppach die aktuellsten Erkenntnisse zusammen – und auch, wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass man ein wenig biologisches Grundwissen mitbringen muss – verständlich ist es allemal. Der Autor bemüht sich, den schmalen Grat zu gehen zwischen reiner Wissenschaft und unterhaltsamer Wissensvermittlung. Seine Aussagen sind belegt, der Griff in die Esoterik-Kiste wird so gut es geht vermieden. Obwohl man tatsächlich versucht sein könnte, nach der Lektüre dieses Buches den nächstbesten Baum einfach mal kurz zu umarmen.
4.5 Stars (4,5 / 5)

Leslie Kaminoff: Yoga Anatomie

Dieses Buch, eine erweiterte Neuauflage, sieht sich nicht als komplette Studie der menschlichen Anatomie oder gar des Wissens über Yoga, verbindet aber beides sehr interessant vor allem für diejenigen, die sich tiefer damit beschäftigen wollen, welche Auswirkungen die einzelnen Asanas, Bewegungen und Atemtechniken tatsächlich auf den Körper haben. Typische Yogastellungen werden sehr anschaulich anhand des Muskel- und Sehnenbildes gezeigt. Es wird verdeutlicht, welche Areale in Anspruch genommen werden – inklusive einer Beschreibung in Wortform.

Die Autorinnen möchten den Lesern die Vorstellung nahebringen, dass sie einen Geist und einen Körper besitzen, der ein- und ausatmet und sich in einem Gravitationsfeld bewegt und welchen Nutzen man aus Yoga ziehen kann. Von effizienterer Bewegung bis zum klareren Geist. Man lernt etwas über Zwerchfellatmung, richtigen Stand und die Rolle der Wirbelsäule. Nicht unbedingt zu empfehlen für Yoga-Anfänger. Für Fortgeschrittene aber, für solche, die spezielle körperliche Probleme haben und natürlich für Lehrende als Unterstützung ist dieses Buch genau richtig.
4.1 Stars (4,1 / 5)

Sophie Seeberg: Die Schanin hat nur schwere Knochen

Sophie Seeberg ist Diplom-Psychologin und Gerichtsgutachterin und das Buch mit dem schwer lesbaren Titel ist bereits ihr zweites Werk über das, was sie täglich mit ihrer Arbeit erlebt. Dabei will sie sich keinesfalls lustig machen – dazu sind viele der Geschichten auch viel zu tragisch – aber sie versucht, mithilfe von Humor das zu verarbeiten, was sie täglich erlebt. Auch an Schrecklichem. Und da sie einen schönen Schreibstil hat, macht sie das in Form von Büchern.

Darin beschreibt sie ihre skurrilsten Erlebnisse, manchmal sicher auch reichlich überzogen, aber nie respektlos. Sie erinnert sich an ihre ersten Termine, an ihre Hilflosigkeit und sinnlose Versuche, anderen Chancen zu geben. Sie erinnert sich aber auch an liebevolle Menschen, die irgendwie die Kurve nicht kratzen können und sie prangert Kollegen an, die das Klischee der bösen Frau vom Amt durch und durch erfüllen -ähnlich der Prusseliese aus Pippi Langstrumpf. So wie in der Geschichte des vom Schicksal gebeutelten Herrn Sondermanns. In der sie am Schluss zugibt, dass sie sich zwar ein wenig unprofessionell verhalten hat, dies aber trotzdem schön fand.

Ein Buch, das einen staunen lässt über all die wahr gewordenen Klischees, das einen schmunzeln lässt über die Dummheit mancher und das einen fassungslos zurücklässt über die Entscheidungen mancher Richter. Ein Sachbuch der ganz anderen Art. An dem man eigentlich nur zwei Sachen kritisieren kann: Erstens kann man es nicht am Stück, sondern muss es auf Etappen lesen, denn sonst wird es irgendwie langweilig und zweitens ist die Umschlaggestaltung absolut kontraproduktiv.
3.7 Stars (3,7 / 5)

How to drink Whisky

Es gibt eine Menge Mythen und Behauptungen rund um das goldfarbene Getränk. In der Regel ist man davon überzeugt, dass es aus Schottland kommt und von alten Männern getrunken wird. Mit diesen Mythen macht der Autor gleich mal Schluss, erklärt dann einiges zur Geschichte des Whiskys, zu den Inhaltsstoffen, zu Malts und Blends, zu den Kombinationsmöglichkeiten und warum Wasser nicht gleich Wasser ist. Und zu den Ritualen, die ein bisschen dazu gehören (können).

Das Getreide-Getränk hat eine Menge Liebhaber und immer mehr davon sind Frauen. Die den Whisky normalerweise – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – allerdings lieber in einem Mix-Drink genießen. Entsprechende Rezepte dazu werden gleich mitgeliefert und zwar direkt nach der bebilderten Erklärung der einzelnen Sorten vom Royal Salute 21 über den allseits bekannten Johnnie Walker (der übrigens dank der bis dato eigentlich unüblichen Werbung seinen Erfolg bis heute verbuchen kann) bis zum kanadischen Alberta Premium Darkhouse mit einer Note von Taybeeren (eine Mischung zwischen Brom- und Himbeere), Pflaumen, Schlehen, Schwarzkirschen und Johannisbeer – gelagert in gekohlten Fässern, die ihm einen rauchigen Vanilleton mitgeben. Klingt gut.

Hält man dieses Buch in der Hand, so hat man das Gefühl, gerade einen exzellenten Whisky nicht zu trinken, sondern zu spüren: Es ist hart und irgendwie samtweich, die goldene Farbe der ersten Seiten assoziiert sich brechendes Licht in einem guten Tropfen – Whiskyliebhaber werden das Werk des Experten lieben. Einzig die Qualität der Fotos lässt ein wenig zu wünschen übrig. Hier hätte man – anhand der Hülle – deutlich mehr erwartet.
4.1 Stars (4,1 / 5)