Dani Atkins: Sag ich, ich war bei den Sternen

Dani Atkins ist ein Garant für gute Geschichten, ihr Buch „Sieben Tage voller Wunder“ ist eines der lesenswertesten Bücher überhaupt, und auch dieses Buch lässt sich gut an. Die ersten hundert, zweihundert, dreihundert Seiten … aber dann merkt man, dass das Buch langsam zu Ende geht und wartet auf die Kehrtwendung der Kehrtwendung, die die Bücher der Frau Atkins so gut sein lassen und dann passiert … nichts. Das mag gespoilert sein, muss aber der Fairness halber gesagt werden. Für alle, die einfach nur mal wieder einen rührenden Roman lesen wollen, über eine Frau, die jahrelang im Koma lag und beim Aufwachen ihre Welt nicht mehr so vorfindet, wie sie sie verlassen hat, über die Kraft von Frauen unter sich und über ein Kind, das zwischen zwei Mummys steht, etwas Rührendes halt … der wird auf seine Kosten kommen. Wer aber Spektakuläres erwartet, wird enttäuscht sein.
Dabei hätte diese Geschichte so viel Potenzial gehabt. Wer lag wirklich im Koma, wessen Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war? Wer hat sich die Welt nur so gemacht, wie sie sein sollte? Und welche Rolle spielt Ryan? Es ist direkt ärgerlich, all diese Möglichkeiten vor Augen zu haben und dann mit so einem Ende abgespeist zu werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Autorin beim nächsten Buch vielleicht ein bisschen mehr Zeit lässt, ihre Story vorher zu durchdenken. Und wieder kleine schriftstellerische „Wunder“ schafft.

Andrea Russo: Green Witch

Elisabeth ist alt genug, um ihre vorgesehene Ausbildung zur Hexe zu beginnen. Der Hexenrat tagt, das Hexenbuch wird entscheiden, wer die eine ist, die Elisabeth alles lehren darf. So war es schon immer. So wird es auch jetzt wieder sein. Doch dann taucht plötzlich die junge, wilde Meerhexe Ava auf und meldet ihren Anspruch an. Denn so argumentiert sie, in Elisabeth Aurora Vermeer steckt mehr Meer als man zunächst glaubt. Als sich auch das Hexenbuch unsicher zeigt, entscheiden die Hexen und zwar für Camilla, die Kräuterhexe. Elisabeth zieht zu ihr – gemeinsam mit ihrer besten Freundin Stina, die sich deutlich mehr für Pflanzen interessiert als sie selbst, allerdings zunächst nichts davon ahnt, dass sie es mit Hexen zu tunt hat. Die beiden sind kaum auf dem Hof der alten Frau eingezogen, verschwindet Camilla und an ihrer Stelle erscheint eine Rafflesie. Tante Camilla wurde verzaubert und die seltene Pflanze, die nur einmal blüht und dann vergeht, lässt den Mädchen wenig Zeit, sie zu retten. Sie brauchen Hilfe – und Ava lässt sich nicht lange bitten.

Elisabeths Zerrissenheit, die Band der Freundschaft zwischen ihr und Stina, die erste kleine große Liebe mit all ihren Unsicherheiten und ein Generationenkonflikt – was die kleine Hexe erlebt, ist vom Alltag junger Mädchen nicht weit entfernt – und die phantasievolle und lustige Art und Weise, in der das Buch geschrieben ist, lässt es einen kaum aus der Hand legen. Stoff, der zum Weiterspinnen optimal geeignet ist – bleibt zu hoffen, dass weitere Bände folgen werden. Wunderbar auch zum Vorlesen geeignet.

Anstey Harris: Find mich da wo Liebe ist

Grace ist eine komplett traumatisierte junge Frau, die sich selbst nur im Weg steht. Und die nicht in der Lage ist, anständige Bindungen einzugehen. Weder mit einem Mann (ihr Lover ist nicht nur verheiratet, er kommt sogar aus einem anderen Land), auch Freunde hat sie eigentlich nicht und wenn sich jemand ihr seelisch nähert, macht sie dicht.
Sie lebt zurückgezogen in einem kleinen Dorf, repariert dort mit Leidenschaft Musikinstrumente und drückt sich gelungen darum, sich sich selbst und den Geistern ihrer Vergangenheit zu stellen. Doch durch die Verkettung ungünstiger Umstände kommt die Affäre von Graces Liebhaber heraus und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Grace muss sich nicht nur einem absoluten Neuanfang stellen, sondern auch den Geistern ihrer Vergangenheit. Doch zum Glück hat sie Menschen um sich herum, die ihr helfen, ihren Weg zu finden.

Wenn man ein Buch sucht, bei dem man nicht mitdenken muss, das einfach vor sich hinplätschert und das man zu jeder Zeit weglegen kann, dann ist dieses Buch genau das Richtige. Denn viel Tiefgang hat es nicht, obwohl es an Dramatik und Situationen, die teilweise schon sehr überzogen sind, nicht mangelt. Das Cover ist toll, die Grundmessage auch, aber die Umsetzung hätte etwas mehr Tempo durchaus vertragen können.

Carolin Philipps: Amina

Wann aus Amina Amin wurde, daran kann sie sich nicht mehr erinnern. Auch nicht, wie sie in das Frauengefängnis von Kabul gekommen ist. Aber daran, dass ihr Leben in Afghanistan als Junge einfacher war und dass sie es nie schlimm fand, ihrem Vater den ausgebliebenen Sohn zu ersetzen, daran erinnert sie sich. Und so erzählt sie den anderen Frauen ihre Geschichte …

Man nennt sie bacha posh und keiner weiß genau, wie viele es davon in Afghanistan gibt. Es sind Mädchen, die von klein auf als Junge aufwachsen und deren Rechte genießen. Afghanistan ist ein Land, in dem die Unterdrückung der Frau an der Tagesordnung ist, in dem schnell rennen, laut lachen oder gar mit Jungen sprechen für Mädchen absolut verboten ist. Ein Land, in der eine Frau, die keinen Sohn gebärt, nutzlos ist. Aber nicht nur deswegen entscheiden sich viele Familien, eine ihrer Töchter als bacha posh aufwachsen zu lassen. Oft ist es auch eine Frage des Geldes, denn Jungs können zum Lebensunterhalt beitragen. Aktuelle politische Themen jugendgerecht zu verarbeiten ist eine Spezialität der Autorin und sie wurde dafür bereits mit dem Mentioning Award des UNESCO-Preises für Toleranz und Frieden ausgezeichnet.

Das Buch gibt einen guten Einblick in den schwierigen Alltag der afghanischen Bevölkerung und ist zusätzlich mit einem Glossar sowie Zusatzinfos zum Land und der politischen Situation dort versehen.

Yvonne de Bark: Wirke wie du willst!

Yvonne de Bark ist wieder bei den Erwachsenen angekommen. Schade zum einen, denn ihre kreativen Bücher für den Umgang mit Kindern waren immer äußerst lesenswert und voller neuer Ideen. Zum anderen aber auch interessant für die, die zum Beispiel wieder ins Berufsleben einsteigen möchten oder anderweitig an ihrer Außenwirkung arbeiten wollen. Denn dieses Buch zeigt – wie von der Autorin gewohnt und bei diesem Thema auch angemessen – angereichert mit vielen praktischen Bildern, wie man seine Wirkung auf andere mit nur wenigen Schritten verändern kann. Im wahrsten Sinne des Wortes: Gehen Sie mal auf jemanden, der Ihnen Raum nimmt, noch einen Schritt zu – er wird zurückweichen, wir haben es ausprobiert!
Natürlich hat Yvonne de Bark hier kein Rad neu erfunden und Samy Molcho hat uns bereits vor Jahrzehnten nichts anderes verraten als sie heute, aber die Machart ist modern und ansprechend. Dass die Autorin Schauspielerin ist, kommt ihr und damit auch den Lesern natürlich zugute. Genau wie die Übungen, die man auf ihrer Website parallel zur Lektüre des Buches durchführen kann.
Der E-Book-Preis ist übrigens relativ hoch, aber das ist sowieso ein Buch, das man nicht am Stück irgendwo im Zug liest oder mit dem auf dem Weg zur Arbeit gesehen werden will, sondern das man sich zuhause immer mal wieder zur Hand nimmt. Und macht somit in Papierform deutlich mehr Sinn.

Ross Welford: Der 1000-jährige Junge


Alfie Monk ist unsterblich. Und so langsam geht ihm das auf den Geist. Seit 1000 Jahren ist er bereits 11 Jahre alt und er findet, erwachsen werden wäre langsam mal an der Zeit. Auch, weil er es satthat, immer wieder seine Freunde zu verlieren. Mit Aidan und Roxy möchte er endlich alt werden. Das allerdings heißt, dass er sich zum einen aus seinem bisher sehr abgeschotteten Leben der modernen Welt stellen und zum anderen die Lebensperle finden muss, die es ihm ermöglicht, seine Unsterblichkeit zu beenden. Doch hinter dieser Livperler sind noch ganz andere her.
Die Geschichte ermöglicht einen neuen Blick auf Dinge, die für uns alle bereits selbstverständlich sind und erzählt gleichzeitig von früher. Das Abenteuer, das Alfie und seine Freunde erleben, ist manchmal traurig, manchmal witzig, manchmal ein bisschen grausam, aber immer spannend.
Geeignet für Kinder ab 9 Jahren (sowohl Jungs als auch Mädchen)

Guillaume Musso: Die junge Frau und die Nacht

Thomas ist ein erfolgreicher Schriftsteller, lebt in den USA und verarbeitet alles in seinem Leben per Stift und Papier. Nur eines lässt ihn nicht los: eine alte Schuld. Und genau deswegen ist er alles andere als begeistert, als die Einladung zu einer Jubiläumsfeier seiner ehemaligen Schule ins Haus flattert und sein Freund Maxime ihn drängt, mitzukommen nach Frankreich. Kaum ist er da, bereut er es. Die Erinnerungen an Vinca, seine große Liebe, die damals spurlos verschwand, werden übermächtig und mit ihnen viele andere, die Thomas bisher erfolgreich verdrängt hatte. Denn die beiden Männer tragen ein bitteres Geheimnis mit sich herum und es scheint, als käme die Welt jetzt um die Wahrheit nicht mehr herum …

Doch wie so oft und gerade das ist es ja, was seine Leser (und Hörer) an Guillaume Musso so lieben, ist alles anders als man denkt. Obwohl es schon überraschendere und auch spannendere Bücher von ihm gegeben hat. Trotzdem ist auch dieses Hörbuch – gerade durch den Sprecher Richard Barenberg – wieder einmal ein wunderbarer Zeitvertreib. Gerade auf langen Autofahrten gelingt es dem Autor, dass man hellwach bleibt – schon allein deswegen, weil man auf gar keinen Fall das Indiz verpassen will, das auf die vorhersehbare Wende in der Geschichte hinweist.

Heidemarie Brosche: Jungs-Mamas

Das ist doch das perfekte Buch, denkt man, wenn man einen Jungen zuhause hat, der einem oft wie ein Wesen von einem anderen Stern vorkommt. Schließlich ist ein Sohn doch die optimale Möglichkeit, um Männer im allgemeinen besser verstehen zu lernen. Die Autorin schreibt über die Ängste und Sorgen, die wilde Jungs (seit wann sind alle Jungs wild?) mit sich bringen, die Schwierigkeiten in den Institutionen, die nicht auf die Bedürfnisse von bewegungsfreudigen Buben ausgerichtet sind (Okay, da hat sie definitiv recht) und die Anforderungen, die auf uns Mütter zukommen, wenn wir einen zukünftigen Mann erziehen wollen. Die Autorin ist Mutter von drei Söhnen und darauf ist sie auch stolz. Das merkt man. Kann sie auch. Was sie aber nicht tun sollte, ist dauernd unterschwellig Mütter mit Töchtern in eine andere Ecke stellen. Oder auch solche Mütter, die beide Geschlechter erziehen. Und was sie auch nicht tun sollte, ist allen anderen das Gefühl geben, sie hätte die Wie-erziehe-ich-einen-Jungen-richtig-Weisheit mit Löffeln gegessen, denn so wirklich die Beweise liefert sie dafür nicht. Und auch nicht immer gute Tipps – bestimmte Gespräche dem Vater überlassen? „Tolle Anregung“ vor allem für all die alleinerziehenden Jungs-Mamas, die ihren Söhnen alles sein müssen. Wenn laute Jungs nerven, soll man die Dankbarkeit nicht aus den Augen verlieren, sich darüber freuen, dass Zickenkriege erspart bleiben, Kosmetikexzesse ausbleiben und man nicht stundenlang shoppen muss – ganz ehrlich, das geht gar nicht! Stereotyper Quatsch mit extremem Schubladendenken. Ein Satz in diesem Werk heißt „Keine Ahnung, wie es bei Familien mit Jungs und Mädchen ist …“ Hmmmm, dem ist nichts hinzuzufügen!! Obwohl doch … hat die Mittelschullehrerin nur Jungs in ihren Klassen? Wenn nicht, dann … naja, auch dem ist nichts hinzuzufügen.

Robert Starling: Kleiner Drache will der Größte sein

Finn ist ein ganz normaler kleiner Drache. Aber das Ferienlager, in das er zum ersten Mal fahren darf, macht ihn nervös. Was werden die anderen von ihm denken? Wird er Freunde finden? Muss man nicht ganz toll sein, damit man überhaupt bemerkt wird? Überall der Beste?
Also drängelt Finn sich vor, weiß alles besser, gibt an … und versteht nicht, warum die anderen ihn nicht mögen. Doch Tom, der Betreuer, hilft ihm. Er zeigt ihm, dass es ganz einfach ist, neue Freunde zu finden: Indem man einfach so ist, wie man ist, anderen auch mal den Vortritt lässt, teilt und fair ist. Und schon läuft’s im Drachenferienlager.

Ein Bilderbuch, das sich besonders gut für den Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule eignet. Und für alle Situationen, in denen man irgendwo neu ist. Es zeigt den Kindern, dass sie die Ansprüche an sich selbst gar nicht so hoch anlegen müssen, denn schließlich machen das die anderen auch nicht.

Felix Nattermann: Gebt den Kindern die Verantwortung zurück

Nachdem es inzwischen bereits Kindergärten gibt, die stolz darauf sind, den Eltern eine Dauerüberwachung ihres Kindes anbieten zu können und Helikoptereltern zur Gattung Otto Normalverbraucher zu zählen scheinen, nachdem es uns immer schwerer gemacht wird, ein Kind einfach laufen zu lassen (schicken Sie mal ein Kind nachmittags einfach so raus – zum einen ist da kein anderes Kind und zum anderen wird bald gemunkelt, man würde sich nicht anständig kümmern) und Handys es uns leicht machen, unsere Kinder auf Schritt und Tritt zu verfolgen -ist es inzwischen völlig normal, ein Kind in Watte zu packen. Aber so lernt es nicht, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen. So lernt es nicht, sich selbst zu behaupten, ohne gleich nach Hilfe zu schreien und so ist es völlig hilflos, wenn es das erst Mal in die weiterführende Schule gehen soll – mit dem Bus oder mit der U-Bahn, ganz alleine.
Wir Eltern sind inzwischen Allround-Bespaßer, Kinderterminorganisierer und Bodygouard. Der Autor, ein Lehrer, fordert, die Kinder wieder zu mehr Selbstständigkeit zu erziehen. Und zwar nicht frei nach dem gängigen Motto: Wie haben wir damals nur ohne Helm überlebt?, sondern mit Herz und Verstand. Man muss sich ausprobieren dürfen, um herauszufinden, was man kann. Man muss mal durchhalten, wenn man feststellen will, wie gut es tut, etwas doch noch geschafft zu haben und man ganz wichtig: ein Kind muss ein Kind sein dürfen.
Unsere Aufgabe als Eltern ist es, dem Kind zu zeigen, dass es außerhalb von Handy, Tablet und PC noch eine Welt gibt, die genauso spannend sein kann. Eine Mammutaufgabe, der wir uns trotzdem stellen sollten. Eine gute Basis dafür bildet dieses Buch, denn nach seiner Lektüre hat man direkt Lust, den Rucksack zu packen und wandern zu gehen mit den Kindern.