Kai Lüftner: Sei kein Frosch

Hope ist ein Laubfrosch und weil bei der Vererbung der Farbe Grün das Gelb gefehlt hat, ist er eben blau. Hope ist anders als andere Frösche. Was vor allem auch daran liegen kann, dass er eine andere Erziehung genossen hat. Seine Mutter hat eine Weile bei den Menschen gelebt und dort einiges aufgeschnappt. Leider ist sie bereits früh verstorben und Hope, einziger Überlebender seiner Familie, muss sich mehr oder weniger alleine durchschlagen. Was ihm dank seiner Intelligenz auch ziemlich gut gelingt. Eines Tages findet er einen Toten im Teich und er weiß auch, wer das ist: ein Umweltschützer, der versucht hat, ein Bauprojekt auf den Wiesen, auf denen Hopes Heimat liegt, zu verhindern. Der kleine blaue Frosch macht sich ans Werk, um den Mörder zu finden. Und bekommt dabei menschliche Unterstützung.

Man kennt ihn von Furzipups und den Finstersteins – Kai Lüftner hat sich inzwischen durchaus einen Namen gemacht auf dem Kinderbuchmarkt. Und auch dieses Buch ist nicht schlecht. Wirklich hervorragend allerdings ist es leider auch nicht. Das liegt vor allem an einer Sprache, die alles andere als kindgerecht ist und bei der Wörter verwendet werden, die ein normaler Zehnjähriger jetzt nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Beim Vorlesen ist man also dauernd gezwungen zu stoppen, um zu erklären und beim Selbstlesen wird im besten Fall darüber weggelesen. Beides nicht optimal. Doch der Erwachsenenblick scheint sich von dem der Zielgruppe in diesem Fall gewaltig zu unterscheiden. Denn die findet den kleinen blauen Detektivfrosch spannend und cool.

Tracey Garvis Graves: Annika Rose und die Logik der Liebe

Noch vor gar nicht langer Zeit hätten die meisten einfach nur gesagt, Annika spinnt ein bisschen. Die junge Frau hat nämlich zahlreiche Eigenarten, die sehr seltsam anmuten. Sie ist nicht gern unter Leuten, fremde Situationen machen ihr Angst, Routine gibt ihr Halt. Routine und das Schachspiel, in dem sie komplett aufgeht. Ihre einzige Freundin Janice hilft ihr, die aufgrund ihrer Verhaltensmuster jahrelang zuhause unterrichtet wurde, sich auf dem Uni-Campus zurechtzufinden. Und bewahrt sie vor dem Gespött der anderen. Sie ist es auch, die den Schachclub auftut und Annika den Weg dorthin ebnet. Endlich hat die junge Frau einen Ort, der ihr Sicherheit bietet. Und an dem Jonathan auftaucht und ihr Leben durcheinanderwirbelt. Die beiden führen eine gute Beziehung – bis Jonathan beruflich weg muss und Annika nicht in der Lage ist, ihm zu folgen. Ihre Wege verlieren sich. Doch wie so oft im Leben treffen auch Annika und Jonathan sich ein zweites Mal …

Dieser Roman der New-York-Times-Bestseller-Autorin Tracey Garvis Graves behandelt ein Thema, das immer mehr an die Öffentlichkeit drängt: Autismus bzw. seine Facetten. Annika Rose leidet unter ihrer  Autismus-Spektrum-Störung und findet ihre Mitmenschen meistens verwirrend, bisweilen sogar beängstigend. Sie tut sich schwer damit, das Verhalten anderer richtig einzuordnen und braucht den Schutz derer, die es gut mit ihr meinen. Jonathan ist, genau wie Janice, eine wichtige Stütze. Wie sehr sie ihn liebt, wird ihr allerdings erst dann bewusst, als sie ein zweites Mal im Begriff ist, ihn zu verlieren.

Wirklich gerecht wird der Roman seiner Protagonistin trotzdem nicht. Wer es liest, und nicht mehr über Autismus weiß, wird schnell denken, dass dem Begriff „strange“ einfach nur ein anderer Name gegeben wurde. Statt die Handlung gegen Ende extrem dramatisch, aber auch sehr unglaubwürdig werden zu lassen, wäre es vielleicht besser gewesen, sich tiefer mit den Facetten dieser Entwicklungsstörung zu beschäftigen.

Kobi Yamada/Gabriella Barouch: Vielleicht

[aartikel]3947188854:left[/aartikel]Dieses Bilderbuch ist zauberhaft. Für Erwachsene und große Kinder. Für kleine eher nicht. Es geht um die Möglichkeiten, die in uns stecken, um den Glauben an sich selbst, Selbstvertrauen, Mut – auch den zum Scheitern -, um Begabungen und Wünsche. Die Zeichnungen sind anrührend, phantasievoll und ausgesprochen schön. Der asiatische Touch gibt ihnen den letzten Schliff und die Feinheit, in der sie ausgeführt wurden, lässt einen minutenlang in einem Bild versinken. Wunderschön, einfach nur wunderschön.

Aida S. de Rodriguez: Es geht auch ohne Strafen!

[aartikel]3466311276:left[/aartikel]“Kinder auf Augenhöhe begleiten“ – ist der Untertitel dieses Buches, bei dem die Autorin, eine der Gründerinnen der APEGO-Schulen in Berlin und dreifache Mutter, zeigt, wie es gelingen kann, Kinder ohne Strafen oder ähnliche erzieherische Maßnahmen in ihrer Entwicklung zu begleiten. Wertschätzend, auf Augenhöhe und ohne dabei in Überforderung zu erstarren. Es geht also nicht darum, die Kinder einfach machen zu lassen, sondern darum, sein eigenes Verhalten in der Erziehung zu hinterfragen. Manchmal, so zeigt die Autorin auf, scheint eine Strafe oder Konsequenz logisch und sinnvoll und ist es dann aber gar nicht. Bestes Beispiel: Ein Kind schlägt im Kindergarten ein anderes Kind, wird geschimpft und muss sich dafür bei ihm entschuldigen. Die entscheidende Frage dahinter ist aber, warum fühlte sich das Kind so ohnmächtig, dass es sich nur mit Schlagen zu helfen wusste? Welche Rolle spielen dabei die Erzieher und was kann ich als Elternteil tun, um mein Kind auf andere Weise zu stärken, damit so eine Situation gar nicht mehr vorkommt?
Aida S. de Rodriguez bringt viele Beispiel aus dem Alltag, zeigt auf, was Erziehende konkret ändern können und wo es Sinn macht, das eigene Handeln zu hinterfragen. Man muss nicht alles übernehmen, denn nicht alles wird für jeden schlüssig sein, aber das ein oder andere lässt sich durchaus übernehmen. Ein guter Anreiz zum Nachdenken ist es auf jeden Fall! Denn es ist nun einmal nicht zu leugnen, dass wir Eltern unter einem enormen gesellschaftlichen Druck stehen. Dass unser Zeitplan eng getaktet ist, dass andere sehr genau beobachten, wie und ob es uns gelingt, dass unsere Kinder „angepasst“ sind. Aber wollen wir das wirklich? Ein angepasstes Kind? Scheint auf den ersten Blick der einfachste Weg zu sein, aber langfristig würden wir doch eigentlich lieber einen Menschen erziehen, der nicht durch sinnlose Strafen kleingedrückt wurde, oder?

Mitch Albom: Die fünf Menschen, die Dir im Himmel begegnen

[aartikel]3548061486:left[/aartikel]Dieses Buch ist alles auf einmal. Traurig, bestürzend, anrührend, komisch und irgendwie auch tröstend. Der alte Eddi stirbt an seinem 83. Geburtstag auf tragische Weise. Und rettet damit einem kleinen Mädchen das Leben. Als Eddie im „Himmel“ ankommt, erwartet ihn eine Flut an Erinnerungen. Und zwar nicht nur seine eigenen, sondern auch die von fünf Menschen, in deren Leben er – ob wissend oder unwissend – eine entscheidende Rolle gespielt hat. Und die ihn versöhnen mit seinem harten Schicksal.

Eigentlich ist er ja Radiomoderator, kümmert sich um Sportthemen und daher überrascht es umso mehr, dass Mitch Albom in seinen Büchern ganz andere Töne anschlägt. Sein Protagonist ist die Sorte Mensch, der viele etwas skeptisch gegenübertreten, bärbeißig, grummelig, auch oft unzufrieden. Und doch herzensgut. Man leidet mit Eddie mit, man freut sich mit ihm und staunt mit ihm … und hofft ein bisschen, das man selbst am Ende seines Lebens auch Versöhnung mit sich selbst finden wird.

Britta Teckentrup: Der Maulwurf und die Sterne

[aartikel]3845830662:left[/aartikel]Der Maulwurf fühlt sich manchmal einsam, so ganz allein im Dunkeln. Dann klettert er durch seine vielen Gänge nach oben und bewundert die Sterne. Als er eines Tages eine Sternschnuppe sieht, wünscht er sich, er allein könnte alle Sterne der Welt besitzen und sein Wunsch geht in Erfüllung. Der kleine Maulwurf sammelt mithilfe von Himmelsleitern die Sterne am Himmel ein und bringt sie in sein Zuhause weit unter der Erde, wo sie zunächst zumindest wunderschön strahlen. Doch dieses Handeln hat Folgen …

Die Zeichnungen dieses Bilderbuches sind sehr aussagekräftig, der Text einfach zu verstehen und die Message klar: Wer nur an sich denkt, hat bald verloren. Das ist das Schöne an Bilderbüchern: Sie geben immer wieder einen Anlass, um bestimmte Themen aufzugreifen, gerade Themen, die bei Kindern immer wieder vorkommen und die auf diese Weise fast schon spielerisch, auf jeden Fall aber ohne erhobenen Zeigefinger gemeinsam mit den Kindern bearbeitet werden können.

John Rabou/Annelies von Uden: Otto Schaf will schwimmen

[aartikel]3865663990:left[/aartikel]Warum das kleine Schäfchen Otto so sehnlichst davon träumt, richtig schwimmen zu können, das weiß es selbst nicht so genau, aber der Wunsch ist so groß, dass sich Otto von nichts abhalten lässt, ihn wahr werden zu lassen und dabei fast ertrinkt. Das allerdings hält ihn nicht davon ab, sich neue Möglichkeiten auszudenken und eines Tages kommt ihm eine Idee …

Dieses Bilderbuch löst vor allem bei der eigentlichen Zielgruppe etwas Verwunderung aus. Vielleicht, weil die Zeichnungen so seltsam realistisch sind, vielleicht auch, weil das Schaf gar nicht wirklich mutig und zielstrebig wirkt, sondern eher leichtsinnig und unüberlegt. Und die Schafsherde bzw. Ottos Eltern da so gar nicht darauf reagieren. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass … Hier könnte man noch eine Weile weitermachen. Das Buch soll wahrscheinlich einfach zeigen, dass es gut ist, seine Träume zu verfolgen, auch dann, wenn sonst keiner an einen glaubt, aber der Weg, der dafür gewählt wurde, ist leider nicht optimal für Kinder im Bilderbuchalter.

Thomas Springer/Alexandra Langenbeck: Onno & Ontje – Freunde sind das schönste Geschenk

[aartikel]3649630419:left[/aartikel]Wenn es nach dem alten Fischer Onno ginge, dann zünden sie einfach an Weihnachten eine Kerze an, machen ein wenig Musik und das war’s denn. Seine Frau Olga sieht das ganz anders. Sie möchte einen schön geschmückten Baum in einem schön geschmückten Haus, ein Festmahl, viele Kerzen und Geschenke … so wie es sich eben für Weihnachten gehört. Am nächsten Morgen macht sie sich mit ihrem Boot auf den Weg, um einen Tannenbaum auf ihre Insel zu holen, während Onno und sein kleiner Freund, der Biber Ontje, schon einmal zuhause alles vorbereiten sollen. Doch Ontje hat Wichtigeres zu tun. Er lädt schon mal alle seine Freunde zu sich nach Hause ein, denn was ist Weihnachten ohne Besuch? Onno grummelt. Robben im Wohnzimmer, Möwen im Haus und der Seestern? Soll der etwa an den Weihnachtsbaum. Er hat ja gleich gewusst, dass das mit dem feierlichen Weihnachten eine Schnapsidee war. Als dann aber auch noch ein Schneesturm aufzieht und Olga nicht zurückkommt, müssen die beiden improvisieren. Onnos alte Hose wird zum Baumersatz, das Silberbesteck zum Schmuck – auch mit wenigen Mitteln gelingt es den beiden, Feierlichkeit aufkommen zu lassen. Olga allerdings ist immer noch nicht da und jetzt gehen die beiden sie suchen. Sie ist eingeschneit worden. Aber zum Glück haben die drei ja Freunde – und die dürfen dann später, als alle zusammen feiern, sogar am Baum hängen.

Die Geschichten der kleinen „Familie“ auf ihrer Insel sind nie ohne Hintergrund, geschickt gelingt es, den Kindern etwas beizubringen, was fürs Leben wichtig ist. Wobei die Quintessenz immer die Gleiche ist: Freundschaft ist das Salz in der Suppe des Lebens.

Birgit Jankovic-Steiner: Der Feeling-Code

[aartikel]342667579X:left[/aartikel]Unaufgearbeitetes aus unserem Leben belastet uns oft sehr, nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Hindert uns daran, den passenden Partner zu finden, im Job Bewegung im positiven Sinne zu erfahren, mit den Eltern ins Reine zu kommen. Birgit Jankovic-Steiner vermarktet mit dem Feeling-Code eine Heilmethode, die so einzigartig gar nicht ist. Denn wer schon einmal etwas von Body-Mind-Centering (BMC) gehört hat, weiß, dass schon andere auf die Idee gekommen sind, auf relativ einfache Weise körperliche Blockaden zu finden, zu lösen und damit auch seelische Blockaden aus dem Weg zu räumen. Blockaden lösen heißt, sich selbst und anderen vergeben – so einfach könnte man das Prinzip auf den Punkt bringen. Die Autorin zeigt anhand von Übungen, wie es möglich ist, Probleme zu verstehen, um sie dann loslassen zu können.
Der Feeling-Code hat etwas leicht esoterisches, erinnert teilweise auch ein bisschen an Tarot-Karten und Meditation – aber es ist sicher eine gute Möglichkeit für all diejenigen, die sich bisher noch nicht bewusst waren, wie tief sich weit zurückliegende Gefühle in uns manifestieren können und was sie langfristig anrichten können. Also weg mit dem Ballast und auf zu neuen, freieren Ufern.

Jostein Gaarder: 2084 – Noras Welt

[aartikel] 342362602X:left[/aartikel]Die knapp sechzehnjährige Nora hat seltsame Träume. Immer wieder erscheint ihr ihre Urenkelin Nova, die in einer Welt leben muss, in der im Minutentakt Arten aussterben, in der die ökologische Katastrophe, die wir jetzt schon erahnen, Wirklichkeit geworden ist. Klimaflüchtlinge, die in Karawanen umherziehen, ein dramatisch gestiegener Meeresspiegel, abgeholzte Regenwälder … Wie viele junge Menschen ist sich Nora dieser Gefahr bewusst und das nächtliche Erleben dessen, wie die Welt schon 2084 aussehen könnte, lässt sie im Hier und Jetzt handeln.
Damals im Jahr 1949, als George Orwells seine Dystopie „1984“ veröffentlichte, schien der Gedanke noch abwegig – weit entfernt sind wir heute nicht mehr davon, dank Social Score und Smart Homes. Dass die Anlehnung daran nicht weit hergeholt ist und 2084 schneller Realität werden könnte als uns lieb ist, wissen wir im Grunde alle. Jostein Gaarder, den viele von uns durch „Sofies Welt“ kennen, zeigt mit seinem Buch, dass es noch ein Zurück gibt. Wenn wir auf die Jungen gibt

Nicht ganz einfach zu lesen, das Buch zieht sich streckenweise ziemlich und manchmal ist auch der Zeigefinger ein bisschen zu pathetisch erhoben, aber es hilft jungen Menschen dabei, die Zusammenhänge zu verstehen.

Geeignet für Jugendliche ab 12 Jahren