Sarah Welk: Tagesschau & Co.

Wie werden eigentlich die Nachrichten gemacht, die wir täglich hören und sehen? Wer wählt aus, was wichtig ist, was ist Boulevardjournalismus und dürfen Journalisten immer sagen, was sie denken? Be first, but first be right – diesen Merksatz sollte sich jeder Journalist auf die Fahnen schreiben und die meisten tun das auch. Fake News gibt es trotzdem immer wieder – manchmal wurde einfach schlecht recherchiert (oder gar nicht), manchmal und leider immer öfter werden die Falschnachrichten absichtlich verbreitet, um Stimmung für oder gegen etwas zu machen, vor allem im Netz. Umso wichtiger sind unabhängiger Journalismus und seriöse Berichterstattung. In diesem übersichtlich und alles andere als langweilig gestalteten Buch erfährt man ganz nebenbei, was der Rundfunkrat macht, wie Twitter funktioniert und was einzelne Nachrichtensprecher über ihren Job sagen. Besonders schön: die Übersetzung von Botschaften in Nachrichtentexten.

Karen Young/Norvile Dovidonyte: Hey, du bist großartig

Angst ist nichts für Feiglinge und wenn man sie ganz genau betrachtet, ist es eigentlich die großartige Reaktion eines besonders fürsorglichen Gehirns. Das sich durch die richtige Atemtechnik auch ganz einfach wieder beruhigen lässt. In diesem Bilderbuch geht es der Angst an den Kragen: Sie wird erklärt und zwar so, dass man es auch verstehen kann. Die Vorgänge im Körper, die durch Furcht entstehen, bekommen so einen Namen und verlieren schon allein dadurch etwas von ihrem Schrecken. Allerdings ist es kein Buch, das man einem Kind einfach in die Hand drücken kann – stattdessen braucht es Zeit, um es gemeinsam durchzugehen und am besten am Schluss auch die eine oder andere angehängte Achtsamkeitsübung zu machen. Die Autorin ist Psychologin und bringt auf ihrer Website www.heysigmund.com ihr Fachgebiet äußerst anschaulich und verständlich rüber – allerdings nur auf Englisch, denn sie lebt in Australien.

Kazu Kibuishi: Das Amulett – die Steinhüterin

Die Geschwister Emily und Navon ziehen mit ihrer Mama aufs Land, in das alte Haus ihrer Großeltern, das einen Rundumputz dringend notwendig hat. Dabei findet das Mädchen ein altes Amulett. Als in der Nacht die Mutter der Kinder entführt wird, machen sich die Kinder auf die Suche – und verlassen sich dabei auf das Amulett, das ihnen den Weg in eine Parallelwelt zeigt. Eine Welt, in der ihnen Figuren begegnen, denen sie lieber nie begegnet wären. Aber auch solche, die ihnen wohlgesonnen sind und die ihnen helfen wollen.

Der Autor, ein Japaner, ist bereits als Kind in die USA gezogen. Seine Kultur hat ihn trotzdem geprägt und vor allem die Vorliebe für Comics ist Kazu Kibuishi geblieben. Da es seine Lieblingscomics aber nicht mehr gab, hat er sich selbst welche gezeichnet und sich so Stück für Stück eine Welt eröffnet, die ihn inzwischen zum durchaus beachtenswerten Autor gebracht hat.

Stephanie Polák/Larisa Lauber: Ein Lächeln für dich

Dass dieser Tag super wird, da ist sich der kleine Noah ganz sicher. Schließlich kommt sein  Freund Max nach dem Kindergarten zu ihm. Die Frau allerdings, die seiner Mama und ihm im Bus gegenübersitzt, ist lange nicht so gut gelaunt wie er. Grimmig schaut sie vor sich hin und reagiert kaum, als Noah sie anlächelt. Als er ihr allerdings beim Aussteigen noch ein dickes Lächeln schenkt und ihr einen guten Tag wünscht, erhellt sich ihre Miene. Wie schnell sich daraufhin dieses kleine Lächeln von einem zum anderen überträgt, darauf wäre jeder Virus neidisch. Wie ein Lauffeuer breitet es sich aus und schafft viele kleine und große glückliche Momente. Bis es am Ende sogar zu Noah zurückkommt.

Dieses Bilderbuch hat zwar relativ viel Text für die Zielgruppe, aber es ist anschaulich gezeichnet und gut verständlich. Und es lohnt sich zu sehen, wie bereits eine kleine nette Geste den Tag vieler verändern kann.

Julia Scharnowski: Starke Jungs brauchen entspannte Eltern

“Kinder suchen sich ihre Eltern mit Bedacht aus“ – dieser alte Satz lässt uns den Blick darauf wenden, warum unsere Kinder unsere Kinder sind. Denn, wenn wir genau hinsehen, stellen wir fest: Sie passen zu uns.

Julia Scharnowksi ist eine Dreifach-Jungsmama und allein deswegen schon prädestiniert dazu, anderen Müttern auch mal einen Ratschlag zu erteilen, besonders hörenswert sind ihre Podcasts. Ihr Buch „Starke Jungs brauchen entspannte Eltern“ ist an sich schon angenehm entspannt. Schön aufgemacht (die Papierqualität allein macht schon Spaß beim Lesen), übersichtlich, die einzelnen Happen nicht zu groß, denn schließlich haben Mamas einiges gemeinsam: wenig Zeit. Und viel schlechtes Gewissen. Werden wir den Bedürfnissen unserer Kinder gerecht, sind wir wirklich wertschätzend, wenn wir laut herummotzen, könnten wir nicht hier noch und da noch? Dieser Erziehungsratgeber nimmt einen ein bisschen mit runter auf der Leiter der Ansprüche an sich selbst, zeigt, was gerade Jungs ausmacht, was an Söhnen besonders ist und was an ihnen für uns Frauen – egal wie viel Willen wir aufbringen – äußerst schwierig zu verstehen ist. Die Autorin bringt kreative Tipps für den Alltag und predigt letztendlich das wichtigste aller Mantras: Du musst nicht perfekt sein, um eine gute (Jungs-) Mama zu sein. Du selbst zu sein und auch mal dafür zu sorgen, dass deine inneren Tanks gut gefüllt sind, Du einen Ausgleich hast, genügt völlig.

Liz Pichon: Tom Gates – krass cooles Kritzelzeug

Jungs wissen sofort, wovon man spricht, wenn man Tom Gates erwähnt. Und die meisten von ihnen finden ihn richtig cool. In Band 16 sind endlich Ferien und Tom freut sich darauf, Zeit mit Derek zu verbringen, Delia ein paar Streiche zu spielen und die ganze Zeit Süßigkeiten und Chips zu essen. Doch dann haben seine Eltern seine Ferien in die falsche Kalenderwoche eingetragen, keiner hat Zeit und Tom ist sozusagen gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Aber glücklicherweise fällt ihm da genug ein.

Kritzeln, basteln, rätseln – und der Leser darf mitmachen. Vielen Jungs gefallen die Tom-Gates-Bücher vor allem deshalb, weil sie nicht so viel lesen müssen. Die Kombi aus Comic und Buch allein – man kennt das auch aus anderen Reihen – kann durchaus animieren, endlich mal wieder ein klassisches Buch in die Hand zu nehmen. Auf dem E-Reader allerdings sollte man das Buch nicht unbedingt lesen, denn dann geht der ganze Mitmach-Spaß verloren.

Ava Reed: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.

Leni ist ein ganz normaler Teenager. Sie hat mit Emma eine allerbeste Freundin, Eltern, mit denen sie gut klarkommt und in der Schule passt es auch. Denkt Leni zumindest, aber je näher das Abitur rückt, desto seltsamer fühlt sich alles an. Schleichend, zunächst fast unbemerkt, legt sich so eine komische Schwere auf Leni, die sie nicht kennt. Entwickelt sie Gefühle der Angst, die ihr fremd sind. Eines Tages kann sie nach einem Panikanfall in der Schule gar nicht mehr aus ihrem Zimmer, nicht einmal wirklich aus ihrem Bett. Eine Odyssee der Diagnosen beginnt – bis klar ist, dass Leni unter einer Depression leidet. Bis sie allerdings lernt, die Gedanken-Gespenster in Schach zu halten, dauert es noch viel längerer. Doch dann trifft Leni auf Matti, der nicht nur schöne Augen, sondern auch eine sehr seltene Erkrankung hat – aber ganz und gar nicht gewillt ist, sich von dieser die Lust am Leben nehmen zu lassen.

Die Autorin, die das Buch mit eigenen, authentischen Tagebucheinträgen gespickt hat, geht das Thema unaufgeregt und sensibel an, packt es in eine mutmachende Lovestory und gibt Leni das Happy End, das sie verdient.

Heike Abidi: Hilfe, ein Spiegelbill

Klamotten, Schuhe, Badesachen, ein 1000-Teile-Puzzle, Handy, Jonglierbälle, ein Fußball, neun dicke Bücher … Seine Eltern müssen beruflich für sechs Wochen nach Afrika und auch, wenn Silas seine Oma mag, wappnet er sich doch schon mal für die große Langeweile. Omi allerdings lässt es gar nicht so weit kommen und meldet den schüchternen Silas im Ferienlager an. Als dann auch noch – im Gegensatz zu ihm – sein Spiegelbild niest und sich als Salis, der Spiegelbill, vorstellt, gerät die Welt des Zehnjährigen völlig aus den Fugen. Er lässt sich dazu überreden, mit Salis zu tauschen und muss dann hilflos mit ansehen, wie dieser sein Leben auf den Kopf stellt.

Die Autorin hinterlässt auf dem (Jugend-)Buchmarkt zahlreiche Spuren, allerdings meist unter einem Pseudonym. Dass sie schreiben kann, lässt sich jedoch am besten daran feststellen, dass „Hilfe, ein Spiegelbill“ ein optimales Buch zum Vorlesen ist. Ein Ritual, das auch Grundschulkindern durchaus noch gefällt. 

Maiken Nylund: Rikka – wirklich für immer

Als würde es nicht genügen, dass sie in ihrer großen Patchworkfamilie irgendwie zwischen allen Stühlen sitzt und jedes zweite Wochenende bei ihrem Papa verbringen muss – worüber sich ihre Mama sogar zu freuen scheint – hat sich jetzt auch noch Rikkas beste Freundin verknallt. Und sie soll die beiden verkuppeln. Was nicht nur gründlich schiefgeht, sondern auch dafür sorgt, dass Liese stinksauer ist und Rikka links liegen lässt. Die Zehnjährige hat mit Schmetterlingen im Bauch noch nicht viel am Hut, um es genau zu nehmen, gar nichts und versteht die Welt nicht mehr. Und dann zieht da auch noch ins Nachbarhaus dieser komische Junge ein, bei dem es Rikka nicht gelingt, einen normalen Satz zustande zu bringen … Sie wird doch nicht … oder doch?

Dieses Autorendebüt ist zauberhaft. Die Norwegerin packt alle in diesem Alter wichtigen Themen der heutigen Zeit in nur 120 Seiten und das, ohne auch nur einen Moment die Geschichte zu überladen. Rikka ist ein extrem sympathischer und leicht chaotischer Charakter, mit dem man sich viele junge Leserinnen ziemlich gut identifizieren können.

Katja Reider/Henrike Wilson: Saumüde

Der Tag war lang, Mama Schwein ist müde, um es ganz genau zu nehmen sogar saumüde. Nicht so der Nachwuchs. Das kleine Ferkel ist hellwach und es ist ihm auch ganz egal, dass die Hühner schon gähnen. Es weckt sie einfach ganz schnell wieder auf. „Ich glaube, ich bin auch nachtaktiv“, stellt es begeistert fest, als es die Eule kennenlernt. Mama Sau sieht das ein bisschen anders und gibt ihr Bestes, um ihr Kleines zur Ruhe zu bringen. Das allerdings glaubt, kein bisschen müde zu sein und wird immer überdrehter. Fast kommt es zum Unglück … aber zum Glück sind Mamas ja immer dann hellwach, wenn es darauf ankommt. Eine Thematik, die fast alle Eltern kennen: Man selbst kann kaum mehr die Augen aufhalten, die Kinder allerdings finden tausend Gründe, um nicht ins Bett zu müssen. Schließlich gibt es ja noch so viel zu erleben. Ein schönes Bilderbuch, um abends einen ereignisreichen Tag abzuschließen.