Hans Christian Andersen: Die kleine Meerjungfrau

Was gibt es gerade in diesen Tagen Schöneres als eine gute, ein bisschen melancholische und gern auch sehr alte Geschichte, eine Tasse Tee und eine Kerze auf dem Tisch? Am besten ist es, wenn die ganze Familie zusammengekuschelt auf dem Sofa liegt und einer vorliest und welche Buchreihe würde sich da besser eignen als die pracht- und fantasievoll illustrierten Märchenbücher von Coppenrath?

Neben Peter Pan, Die Schöne und das Biest und Das Dschungelbuch gibt es nun auch die kleine Meerjungfrau, kombiniert mit anderen Märchen in dieser zauberhaften, kunstvollen Umsetzung. Zwölf Andersen-Märchen setzen die Designkünstler MinaLima in dieser Ausgabe in Szene: interaktive Extras, viele Illustrationen und kunstvolle Momente bieten die Möglichkeit, fast auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken.

Wer also noch ein echt schönes Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für einen Bücherliebhaber – egal welchen Alters – sucht, liegt hier genau richtig.

Ostwind: Der große Orkan

Es wird immer abenteuerlicher auf Gut Kaltenbach. Diesmal wird Zirkusluft geschnuppert. Die kleine Ari, die sich während Mikas Zeit in Amerika um den Hengst Ostwind kümmert, ist fasziniert vom Kunstreiten, das im Zirkus vorgeführt wird. Sie freundet sich mit dem Zirkusjungen Carlo an und schmiedet mit ihm – als der Star der Manege ausfällt – einen aufregenden Plan, in dem natürlich Ostwind wieder einmal die Hauptrolle spielt. Das aber allein ist nicht die Geschichte, hinzu kommen Verbrecher und die Erfüllung großer Wünsche. Das ganz große Kino mal wieder – im wahrsten Sinne des Wortes, denn man kann eigentlich nur abwarten, wann das Buch verfilmt wird.

Mika und Ostwind – das Dreamteam schlechthin ist diesmal leider nicht das Haupt-Couple des Romans und damit ist für viele Leserinnen, die die beiden die letzten Jahre treu begleitet haben, gleich mal der Ofen aus. Gut ist es allerdings für Nachwuchsostwindliebhaber, denn so kommt man ganz neu in die Geschichte hinein und muss nicht zwingend die vorherigen Bücher alle gelesen haben.

Marko Simsa/Doris Eisenburger: Der Zauberlehrling

Natürlich ist er weder von Simsa, noch von Eisenburger, sondern von Goethe, der Zauberlehrling. Und das bleibt er auch. Die kindgerechte Umsetzung der wunderschönen alten Ballade aber ist den beiden ganz toll gelungen.
Trägt man einem Kind den Zauberlehrling vor – und das kann man noch so toll machen – wird es nur wenig verstehen. Durch die bildliche und vertonte Unterstützung allerdings gelingt es, die Stimmung so zu unterstreichen, dass von ganz alleine Bilder vor dem inneren Auge entstehen. So erschließt sich selbst Grundschulkindern ganz schnell der Zauber der alten Sprache.

In dieser Reihe aus dem Hause Annette Betz wird Großes geleistet, indem man unseren Kleinen große Stücke und auch große Künstler ganz nahebringt.
Letztendlich bleibt nur ein Kritikpunkt. Nicht jeder mag musikalische Untermalung. Sollte man sich also entscheiden, das Buch ohne die beigelegte CD zu nutzen, dann ist es umso ärgerlicher, wenn der erklärende Text durch die dauernden Hinweise auf die Instrumente an Flüssigkeit verliert.

Ksss!: Lise, Paul und das Garderobenmonster

Sie ist ja ganz niedlich, die Idee, dass zwei Außenseiterkinder wie Lise und Paul auf ein kleines Monster treffen, das ähnliches durchlebt hat. Sie finden es in der Turnhalle, es sieht aus wie einer dieser Puschelschlüsselanhänger in grün und ist aus der Monsterwelt geflogen, weil es nicht wirklich gruselig ist. Lise und Paul versuchen alles, um es dem kleinen Kerl gutgehen zu lassen, sie füttern ihn und besuchen ihn, so oft sie können. Dabei müssen sie nur dem „Scheurer“ aus dem Weg gehen, dem Prototyp des grässlichen Schulhausmeisters, der ihnen dauernd nachstellt, ihnen Angst macht und eine Menge Grenzen dabei übertritt. Erfreulicherweise gibt es da eine aufmerksame Lehrerin, die ihn in seine Schranken weist. Und auch von Lises Mutter kommt Unterstützung.
Trotzdem fehlt dieser Geschichte irgendwie eine ganze Menge. Spannung kommt nicht auf, stattdessen ein schales Gefühl – immer wieder. Nicht nur beim Hausmeister, auch bei den Hänseleien auf dem Schulhof, bei den blöden Sprüchen Erwachsener und bei den schon ziemlich an den Haaren herbeigezogenen Versuchen der Kinder, dem Monster das Angstmachen beizubringen. Auch die Lösungen zum Beispiel zum Thema Mobbing sind reichlich wenig hilfreich.

Am unangenehmsten aber ist die Sprache. Mal abgesehen davon, dass der Lektor durchaus hätte hier und da mehr kürzen dürfen und der Text ein gutes Stück mehr Schwung vertragen hätte: Es werden Ausdrücke verwendet, die man vielleicht in der Schweiz versteht, aber nicht bei uns. Es ist normal, dass man einem Kind beim Vorlesen mal das eine oder andere Wort erklären muss, aber wenn man selbst erst nachschlagen muss, dann stimmt was nicht. Vor allem nicht bei einem Buch, das ja eigentlich bereits für junge Selbst-Leser gedacht ist. Schade, denn Daniele Meocci weiß es eigentlich besser. Der ausgebildete Lehrer hat bereits einen Literaturpreis verliehen bekommen.

Judith Allert: Hilda Heidelbeer und das magische Ei

Gerade war das Haus noch ein ganz normales Haus und plötzlich ist es bewohnt, ja regelrecht belebt. Wie und wann das passiert ist und warum gerade der ängstliche Frederik und die deutlich forschere Anna gemeinsam dort gelandet sind, ist ihnen beiden ein Rätsel. Genau wie Hilda, deren Eltern oben im Arbeitszimmer wie wild an einer Geschichte arbeiten und nicht gestört werden dürfen. Und die es sich mit einem Muli, einer Schildkröte à la Momo und einer Wundereier legenden Henne gemütlich gemacht hat. Die Zeit mit Hilda wird abenteuerlich für die beiden Kinder – mit äußerst überraschendem Ende.

Ein Buch über Mut, Selbstfindung und Sich-Behaupten, eher für Mädchen als für Jungs. Die Geschichte rund um Hilda Heidelbeer ist farbenfroh, phantasievoll, überraschend und auch ein bisschen tröstlich.

Nonnast/Göhlich: Wer hat Angst vorm schwarzen Gespenst

Xenophobie – die Angst vor Fremden, die schlummert tief in jedem von uns. Es ist eine ganz natürliche Angst, die auf die Urzeit zurückgeht und uns schützte. Dass wir Menschen heute bereits ein ganzes Stück weiter sein sollten als unsere Vorfahren, sollte eigentlich klar sein. Aber selbst bei uns setzt sie sich – gerade zur Zeit – wieder in den Vordergrund, die Angst. Und zaubert wilde Blüten.
Gespenstern geht es da nicht anders. Wenn eines schwarz statt weiß ist, dann muss es ein Dieb, ein Lügner und auf jeden Fall ein großer Schuft sein. Und sowieso schuld an allem. Selbst, wenn man es selbst war, denn so lässt sich ja prima ablenken. Dass das schwarze Gespenst zusätzlich stinkt, dass es alles kaputt macht und keinen Respekt vor der Natur hat, versteht sich da ja schon fast von selbst.

Irgendwann haben die Gespenster Marti und Luzi genug von dem Fiesling und wollen ihn zur Rede stellen. Doch was sie dann entdecken und was sich daraus entwickelt, ist für die beiden und ihre Freunde wirklich überraschend.

Dieses Buch ist sehr empfehlenswert, um Vorurteilen etwas entgegenzusetzen. So lernen die Kinder bereits von klein auf, dass anders nicht schlecht sein muss. Im Gegenteil.

Michael Petrowitz: Das wilde Uff braucht einen Freund

Da legt man sich mal zu einem Nickerchen hin und wacht 66 Millionen Jahre später in einer ganz anderen Welt auf. So die Vorgängergeschichte vom kleinen Uff, dem Urzeitwesen, das jetzt bei Familie Peppel wohnt.

Doch so langsam findet es Uff bei den Peppels ziemlich langweilig. Lio muss dauernd lernen und hat keine Zeit und immer nur drinnen, da erlebt man ja gar nichts. Doch als er plötzlich das Signal eines anderen Uffs empfängt, gibt es kein Halten mehr. Und schon ist der ganze Clan wieder in Schwierigkeiten.

Schade an diesem Buch ist, dass der kleine Leser eigentlich die Vorgänger gelesen haben muss, um die ganzen Anspielungen zu verstehen. Da wäre es einfacher gewesen, der eigentlichen Geschichte ein paar erklärende Worte vorauszuschicken. Davon abgesehen trifft das Uff aber durchaus den Geschmack von Grundschullesern. Jungs eher als Mädchen. Aber nicht zwingend.

Kristina Dunker: Der Zauberkaugummi

Plötzlich steckt Mia im Körper ihrer Lehrerin fest, stackelt auf ihren Pumps durchs Lehrerzimmer und muss sich entsprechend benehmen. Auf der anderen Seite tanzt Frau Strerup durch den Schulhof und genießt ihre Freiheit.

Schuld ist ein Zauberkaugummi, den die Freundin der Lehrerin „entworfen“ hat und so ganz sicher ist sich Mia nicht, ob Frau Strerup nicht zumindest ahnte, was es mit der Süßigkeit auf sich hat. Zu unverhohlen genießt die Erwachsene ihre plötzliche Freiheit, die ihr dank des Tausches in den Schoß gefallen ist. Soll ja auch nur für eine Pause sein. Doch dann sind plötzlich der Kaugummi und damit der Weg zurück verschwunden und Mia muss es noch länger im Körper der Erwachsenen aushalten. Zunächst eine Tortur. Doch Stück für Stück findet sie Gefallen daran …

Eine phantasievolle Geschichte, die zeigt, dass die, von denen man es glaubt, auch nicht immer glücklich sind. Und sich hinter jeder Fassade eine Menge anderer Dinge verbergen.

Elke Satzger: Ärger auf Etage 6

Mia wohnt im Klawusterweg. Auf der Hochhausseite. Nicht auf der Reihenhausseite wie ihre Freundin. Sie lebt dort mit ihrer Mutter alleine – und die ist, wie die meisten Alleinerziehenden nicht wirklich oft zuhause. Mia hat also eine Menge Zeit, um sich Gedanken zu machen über die neue Bewohnerin. Über das Skelett auf ihrem Balkon, ihre zwei Schlangen und das, was sie wohl fressen und über seltsame Diebstähle. Das lenkt sie ein wenig ab von ihren eigenen Problemen. Von Papa, der einfach weg ist und von den zwei Jungs, die ihr das Leben zur Hölle machen und sie bei jeder Gelegenheit unter Druck setzen. Doch dann lernt sie Donnertrud Salami kennen. Und versteht, dass der erste Eindruck nicht immer der richtige ist.
Donnertrud zeigt ihr, wie man sich zur Wehr setzt und sorgt dafür, dass am Ende alles gut wird.

Ein schönes Kinderbuch, von dem man sich als Vorleser gleich ein zweites wünschen würde. Mit Witz, Verstand, Gefühl und den richtigen Worten. Und immer erwähnenswert: geeignet für Jungs und Mädchen im Grundschulalter gleichermaßen. Naja, für Mädchen vielleicht ein bisschen mehr.

Kallie George: Die Villa der Zaubertiere

Feli hat einen zauberhaften Job, im wahrsten Sinne des Wortes: Sie arbeitet in der Villa der Zaubertiere mit und kümmert sich dort um die magischen Tiere. Als Herr Jams auf Reisen gehen muss, bleibt sie mit Oliver alleine zurück und es kommt, wie es kommen muss. Die beiden rangeln um die Hierarchie. Erst als etwas Fürchterliches passiert merken sie, dass sie nur zusammen stark sind. Denn wie sonst sollen sie die Tiere davor retten, ihre Magie zu verlieren und den Babyphönix retten?

Dieses Buch ist genau das, was man erwartet von einem echten Schneiderbuch. Sie waren schon immer ein Garant dafür, dass es beim Lesen nicht langweilig wird. So sehen es die Kinder. Für die Eltern ist vor allem wichtig, dass der Wortschatz der Grundschulzielgruppe angepasst ist, dass die Geschichte spannend, aber nicht zu spannend ist – so, dass man sie auch kurz vor dem Einschlafen lesen oder vorlesen kann. Die Bücher rund um die Villa der Zaubertiere sind jetzt schon erfolgreich und das Schöne ist, man kann sie der Reihe nach lesen, muss es aber nicht.