Ava Reed: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.

Leni ist ein ganz normaler Teenager. Sie hat mit Emma eine allerbeste Freundin, Eltern, mit denen sie gut klarkommt und in der Schule passt es auch. Denkt Leni zumindest, aber je näher das Abitur rückt, desto seltsamer fühlt sich alles an. Schleichend, zunächst fast unbemerkt, legt sich so eine komische Schwere auf Leni, die sie nicht kennt. Entwickelt sie Gefühle der Angst, die ihr fremd sind. Eines Tages kann sie nach einem Panikanfall in der Schule gar nicht mehr aus ihrem Zimmer, nicht einmal wirklich aus ihrem Bett. Eine Odyssee der Diagnosen beginnt – bis klar ist, dass Leni unter einer Depression leidet. Bis sie allerdings lernt, die Gedanken-Gespenster in Schach zu halten, dauert es noch viel längerer. Doch dann trifft Leni auf Matti, der nicht nur schöne Augen, sondern auch eine sehr seltene Erkrankung hat – aber ganz und gar nicht gewillt ist, sich von dieser die Lust am Leben nehmen zu lassen.

Die Autorin, die das Buch mit eigenen, authentischen Tagebucheinträgen gespickt hat, geht das Thema unaufgeregt und sensibel an, packt es in eine mutmachende Lovestory und gibt Leni das Happy End, das sie verdient.

Heike Abidi: Hilfe, ein Spiegelbill

Klamotten, Schuhe, Badesachen, ein 1000-Teile-Puzzle, Handy, Jonglierbälle, ein Fußball, neun dicke Bücher … Seine Eltern müssen beruflich für sechs Wochen nach Afrika und auch, wenn Silas seine Oma mag, wappnet er sich doch schon mal für die große Langeweile. Omi allerdings lässt es gar nicht so weit kommen und meldet den schüchternen Silas im Ferienlager an. Als dann auch noch – im Gegensatz zu ihm – sein Spiegelbild niest und sich als Salis, der Spiegelbill, vorstellt, gerät die Welt des Zehnjährigen völlig aus den Fugen. Er lässt sich dazu überreden, mit Salis zu tauschen und muss dann hilflos mit ansehen, wie dieser sein Leben auf den Kopf stellt.

Die Autorin hinterlässt auf dem (Jugend-)Buchmarkt zahlreiche Spuren, allerdings meist unter einem Pseudonym. Dass sie schreiben kann, lässt sich jedoch am besten daran feststellen, dass „Hilfe, ein Spiegelbill“ ein optimales Buch zum Vorlesen ist. Ein Ritual, das auch Grundschulkindern durchaus noch gefällt. 

Maiken Nylund: Rikka – wirklich für immer

Als würde es nicht genügen, dass sie in ihrer großen Patchworkfamilie irgendwie zwischen allen Stühlen sitzt und jedes zweite Wochenende bei ihrem Papa verbringen muss – worüber sich ihre Mama sogar zu freuen scheint – hat sich jetzt auch noch Rikkas beste Freundin verknallt. Und sie soll die beiden verkuppeln. Was nicht nur gründlich schiefgeht, sondern auch dafür sorgt, dass Liese stinksauer ist und Rikka links liegen lässt. Die Zehnjährige hat mit Schmetterlingen im Bauch noch nicht viel am Hut, um es genau zu nehmen, gar nichts und versteht die Welt nicht mehr. Und dann zieht da auch noch ins Nachbarhaus dieser komische Junge ein, bei dem es Rikka nicht gelingt, einen normalen Satz zustande zu bringen … Sie wird doch nicht … oder doch?

Dieses Autorendebüt ist zauberhaft. Die Norwegerin packt alle in diesem Alter wichtigen Themen der heutigen Zeit in nur 120 Seiten und das, ohne auch nur einen Moment die Geschichte zu überladen. Rikka ist ein extrem sympathischer und leicht chaotischer Charakter, mit dem man sich viele junge Leserinnen ziemlich gut identifizieren können.

Katja Reider/Henrike Wilson: Saumüde

Der Tag war lang, Mama Schwein ist müde, um es ganz genau zu nehmen sogar saumüde. Nicht so der Nachwuchs. Das kleine Ferkel ist hellwach und es ist ihm auch ganz egal, dass die Hühner schon gähnen. Es weckt sie einfach ganz schnell wieder auf. „Ich glaube, ich bin auch nachtaktiv“, stellt es begeistert fest, als es die Eule kennenlernt. Mama Sau sieht das ein bisschen anders und gibt ihr Bestes, um ihr Kleines zur Ruhe zu bringen. Das allerdings glaubt, kein bisschen müde zu sein und wird immer überdrehter. Fast kommt es zum Unglück … aber zum Glück sind Mamas ja immer dann hellwach, wenn es darauf ankommt. Eine Thematik, die fast alle Eltern kennen: Man selbst kann kaum mehr die Augen aufhalten, die Kinder allerdings finden tausend Gründe, um nicht ins Bett zu müssen. Schließlich gibt es ja noch so viel zu erleben. Ein schönes Bilderbuch, um abends einen ereignisreichen Tag abzuschließen.