Petra Cnyrim: Erklärs mir, als wär ich 5

Kinderfragen einfach beantwortet – der Untertitel klingt so einfach, aber sooo einfach ist es eben nicht, komplizierte, aber eben auch alltägliche Dinge, so herunterzubrechen, dass sie selbst ein Kind versteht. Und dabei haben gerade diese so viele Fragen über Dinge, über die wir Erwachsene selten nachdenken. Zum Beispiel, warum Zebras Streifen haben oder wie eine Silvesterrakete funktioniert. Ein wunderbares Buch, um auf viele Kinderfragen eine Antwort zu finden, aber auch ein ganz wunderbares Buch, um mit Wissen anzugeben, das sicherlich nicht jeder hat. Oder hätten Sie gewusst, warum Flamingos pink sind, wie Fische atmen und welche Aufgabe eigentlich das Ohrenschmalz hat?
Aber eines ist doch anzumerken … irgendwie wird nicht ganz klar, für wen dieses Buch eigentlich ist. Für Kinder, die Fragen haben? Dann ist die Aufmachung nicht kindgerecht genug. Oder für Erwachsene, die verzweifelt versuchen, die vermeintlich ach so leichten Kinderfragen zu beantworten? Dann müsste es noch ein bisschen besser strukturiert sein, denn so wie man Kinder im Fragealter kennt, muss die Antwort schnell kommen, denn sonst stauen sich bereits gefühlte hundert neue Fragen auf!

Leslie Kaminoff: Yoga Anatomie

Dieses Buch, eine erweiterte Neuauflage, sieht sich nicht als komplette Studie der menschlichen Anatomie oder gar des Wissens über Yoga, verbindet aber beides sehr interessant vor allem für diejenigen, die sich tiefer damit beschäftigen wollen, welche Auswirkungen die einzelnen Asanas, Bewegungen und Atemtechniken tatsächlich auf den Körper haben. Typische Yogastellungen werden sehr anschaulich anhand des Muskel- und Sehnenbildes gezeigt. Es wird verdeutlicht, welche Areale in Anspruch genommen werden – inklusive einer Beschreibung in Wortform.

Die Autorinnen möchten den Lesern die Vorstellung nahebringen, dass sie einen Geist und einen Körper besitzen, der ein- und ausatmet und sich in einem Gravitationsfeld bewegt und welchen Nutzen man aus Yoga ziehen kann. Von effizienterer Bewegung bis zum klareren Geist. Man lernt etwas über Zwerchfellatmung, richtigen Stand und die Rolle der Wirbelsäule. Nicht unbedingt zu empfehlen für Yoga-Anfänger. Für Fortgeschrittene aber, für solche, die spezielle körperliche Probleme haben und natürlich für Lehrende als Unterstützung ist dieses Buch genau richtig.
4.1 Stars (4,1 / 5)

Robert Schleip: Faszien in Sport und Alltag

Faszien sind so ziemlich das Faszinierendste, was in den letzten Jahren seinen Weg ins medizinische Allgemeinwissen gefunden hat. Erst 2007 hat der erste Kongress der Faszienforschung in Boston stattgefunden. Glaubte man jahrzehntelang, Verspannungen säßen in den Muskeln, so weiß man heute, dass es meist eher das über den Muskeln sitzende Fasziengewebe ist, das Schmerzen verursacht. Der führende Faszienforscher Robert Schleip, der nicht nur Humanbiologe, sondern auch Psychologe ist, hat gemeinsam mit Amanda Baker, einer Yogalehrerin, dieses Buch entwickelt. Und dabei zahlreiche Experten zu Wort kommen lassen: Über ein Gewebe, das man viel zu lange außer Acht gelassen hat und das, den Körper wie ein Netz umspannend, stark von der persönlichen Vorgeschichte der Spannungskräfte abhängt.

In diesem Buch hier erfährt man ausführlich, was Faszien überhaupt sind, welche Auswirkungen Störungen in ihrem Bereich haben können, wie Verletzungen oder chronische Schmerzen entstehen können, wenn das Fasziengewebe verspannt ist und wieso elastische Faszien für Kampfsport unerlässlich sind. Allerdings sehr theoretisch. Das Buch wirkt fast wie das Fachbuch eines Studenten und nicht wie eines, in dem man gerne auch als Laie mal ein bisschen herumstöbert. Gleiches gilt für die Sprache: Auch sie richtet sich in vielen Fällen eher an Personen mit medizinischen Vorkenntnissen.
3.0 Stars (3,0 / 5)

Chrystal Meth – Wie eine Droge unser Land überschwemmt

Der Psychiater Dr. Roland Härtel-Petri, ehemals Leiter des Therapiezentrums für Alkohol- Medikamenten- und Drogenabhängige in Hochstadt am Main, und der Journalist Heiko Haupt befassen sich in ihrem Buch ausführlich mit der Droge Chrystal Meth und ihren Auswirkungen auf Körper und Seele. „Batteriesäure, Farbverdünner, Abflussreiniger – kaum ein vernünftiger Mensch würde diese Substanzen freiwillig zu sich nehmen. Doch sie sind typische Grundstoffe einer Droge, die in großen Schritten Deutschland erobert.“ Das Buch stellt anhand von „lebenden“ Beispielen dar, welche Auswirkungen die Droge langfristig hat. Im Wechsel mit gut recherchierten Erkenntnissen und Forschungsergebnissen greifen sie immer wieder ein wichtiges Thema auf: die Abhängigkeit. Schließlich ist Chrystal ist die Droge, die nach Cannabis weltweit am häufigsten konsumiert wird, die aber in Deutschland bisher am wenigsten beachtet wurde. Seit einiger Zeit rücken die gefährlichen Kristalle mehr und mehr auch in den Fokus der Politik. Man muss handeln, das weiß man inzwischen. Doch wie, ist unklar. Denn die Konsumenten sind nicht unbedingt nur im Drogenmilieu zu finden, sondern ebenfalls in Schulen, in Ausbildungsstätten, an Universitäten, beim Sport, aber auch in der Arbeitswelt und auf Elternabenden.

Crystal Meth zieht sich quer durch alle Bevölkerungsschichten, mit verheerenden Auswirkungen nicht nur auf Körper und Seele, sondern auch auf die Gesellschaft an sich. Das Nervengift kann schon nach kurzer Zeit zu schweren Schäden führen. Es wurde bereits im Zweiten Weltkrieg unter dem Namen Pervitin flächendeckend eingesetzt und später als „Hausfrauenschokolade“ in Form von kleinen, nur leicht dosierten Pralinen, die den Alltag erleichtern sollten, verbreitet. Heute gilt das Methamphetamin, das sehr schnell reizbar und abhängig macht, als eine der gefährlichsten Drogen der Welt.

Das Buch ist leicht lesbar, beachtet alle Aspekte und ist daher auch für diejenigen in gewisser Weise lehrreich, die bereits einiges über Drogen wissen bzw. mit Drogensüchtigen arbeiten. Im Gegensatz zu vielen anderen Drogen-„Ratgebern“ ist dieses Werk weder aufgemacht wie eine pseudocoole Anleitung zum Selbstbrauen noch wie etwas, was oberlehrerhaft daherkommt und von jemandem geschrieben ist, der offensichtlich seine Ahnung von sonstwo hat, aber nicht aus der Szene selbst. Hier merkt man, dass die Autoren authentisch sind.
4.8 Stars (4,8 / 5)