Laura Fröhlich: Wackelzahnpubertät

Man fragt sich ja immer, ob die Verfasser von Erziehungsratgebern selbst die perfekten Eltern mit perfekten Kindern sind … aber genauso könnte man sich frage, ob jeder Arzt gesund ist. Denn das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. In der Theorie ist vieles einfacher als in der Praxis. Vor allem als Eltern, wenn Emotionen vom Feinsten ins Spiel kommen. Wenn aus den süßen Kleinen plötzlich renitente Menschen mit eigener Meinung werden, die diese auch vehement vertreten können. Kommen Kinder in die Schule machen sie eine Phase durch, die die Autorin als Wackelzahnpubertät beschreibt. Ein Ablöseprozess, der wichtig ist für die persönliche Entwicklung des Kindes und den man entsprechend begleiten sollte. Und bei dem man sich erlauben darf, im Rahmen dieses Begleitprozesses Fehler zu machen. Und das ist das Schöne an diesem Buch – wir bekommen nicht die perfekten Lösungen serviert, um uns nach dem Leser wie Oberlooser zu fühlen, sondern wir bekommen gezeigt, dass wir nicht alleine sind. Dass es allen anderen Eltern in dieser oder ähnlicher Form auch so geht, auch der Autorin. Die sich nicht zu schade dafür ist, ihre eigenen Fehler aufzuzeigen und einen besseren Weg aufzuzeigen. Glaubwürdig. Und das muss ein Erziehungsratgeber sein, um wirklich etwas zu bewirken.

Die Autorin, Laura Fröhlich, ist Journalistin und Bloggerin. Ihr Blog www.heuteistmusik.de ist eine Art Müttersprechstunde und beschäftigt sich mit Mental Load. Doch das ist ein anderes Thema. Irgendwie. Aber irgendwie auch nicht.

Robert Starling: Kleiner Drache will der Größte sein

[aartikel]3480235557:left[/aartikel]Finn ist ein ganz normaler kleiner Drache. Aber das Ferienlager, in das er zum ersten Mal fahren darf, macht ihn nervös. Was werden die anderen von ihm denken? Wird er Freunde finden? Muss man nicht ganz toll sein, damit man überhaupt bemerkt wird? Überall der Beste?
Also drängelt Finn sich vor, weiß alles besser, gibt an … und versteht nicht, warum die anderen ihn nicht mögen. Doch Tom, der Betreuer, hilft ihm. Er zeigt ihm, dass es ganz einfach ist, neue Freunde zu finden: Indem man einfach so ist, wie man ist, anderen auch mal den Vortritt lässt, teilt und fair ist. Und schon läuft’s im Drachenferienlager.

Ein Bilderbuch, das sich besonders gut für den Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule eignet. Und für alle Situationen, in denen man irgendwo neu ist. Es zeigt den Kindern, dass sie die Ansprüche an sich selbst gar nicht so hoch anlegen müssen, denn schließlich machen das die anderen auch nicht.

Simone Klages: Taschis erster Schultag

[aartikel]3407799209:left[/aartikel]Rund 808.000 Erstklässler gab es nach Auskunft des Statistschen Bundesamtes im vergangenen Schuljahr in Deutschland. Etwas weniger werden in diesem Jahr erwartet. Trotzdem sind das eine ganze Menge Schultüten, die gefüllt werden wollen. Und da man die riesigen Dinger ja nicht nur mit Süßkram zustopfen will und auch Spitzer und Co für ein etwa sechsjähriges Kind nicht unbedingt der Traum schlechthin sind, wäre das doch mal wieder die passende Gelegenheit für ein passendes Buch…

Taschi ist ein ganz normales sechsjähriges Mädchen mit einer relativ normalen Familie und einer besten Freundin. Miri. Und natürlich ist es klar, dass es für die Mädels nur noch ein Thema gibt: der bevorstehende Schulbeginn. Doch der große Tag kommt ganz anders als es sich Natascha erhofft hat. Miri sitzt plötzlich neben der doofen Rosaline, sie muss neben dem noch dämlicheren Kalle sitzen und die Lehrerin, die sie am wenigsten wollte ist jetzt natürlich die ihre. Auch die neuen Regeln fallen Taschi nicht leicht. Wenn man aufs Klo muss, muss man sich melden, Nase putzen darf man aber auch ohne und wenn man nicht aufpasst, kann man sich ziemlich schnell vor der ganzen Klasse blamieren. So hatte sie sich das nicht vorgestellt.

Wie Taschi lernt, sich in der Schule zurecht zu finden, was es Geheimnisvolles mit Kalle und Rosaline auf sich hat und warum Frau Pauli alles andere als unsymphatisch ist, das wird von Simone Klages ziemlich spannend auf rund 200 Seiten erzählt.

Das Buch eignet sich aber nicht nur für ein bisschen geübtere Erstleser, sondern auch zum Vorlesen vor oder in der ersten Phase des Schulalltags. Ich habe es bereits an meinem eigenen Vorschulkind getestet und es war mit Begeisterung aber oft auch mit Erstaunen dabei. Taschi erlebt genau die Dinge, die derzeit Thema Nummer eins im Kinderköpfchen sind. Und auch ihre kleinen Misserfolge geben Mut, denn sie zeigen, dass zwar nicht alles immer rosarot ist, aber alles sich oft auch wieder zum Besten wendet. Und plötzlich war meine Tochter bereit, auch über Ängste bezüglich der neuen Lebensphase mit mir zu sprechen.

Abgesehen von diesem Erfolg hat es einfach nur Spaß gemacht, dieses Buch vorzulesen. Es ist flüssig geschrieben und man ist selbst gespannt, wie es denn nun weitergeht.

Es gibt übrigens noch mehr Geschichten rund um die Najas, wie Natascha und ihre Schwestern genannt werden. Für die jüngeren Kinder ab sieben „Der geheimnisvolle Kürbiskopf“, für die größeren ab zehn die Reihe „Die Detektive von Cismar“.

Simone Klages ist nicht nur eine bekannte Kinderbuchautorin, sie illustriert auch selbst und ist für ihre „Stempeltechnik“, die sie auch in diesem Buch anwendet, bekannt.
3.9 Stars (3,9 / 5)