Kai Lüftner: Sei kein Frosch

Hope ist ein Laubfrosch und weil bei der Vererbung der Farbe Grün das Gelb gefehlt hat, ist er eben blau. Hope ist anders als andere Frösche. Was vor allem auch daran liegen kann, dass er eine andere Erziehung genossen hat. Seine Mutter hat eine Weile bei den Menschen gelebt und dort einiges aufgeschnappt. Leider ist sie bereits früh verstorben und Hope, einziger Überlebender seiner Familie, muss sich mehr oder weniger alleine durchschlagen. Was ihm dank seiner Intelligenz auch ziemlich gut gelingt. Eines Tages findet er einen Toten im Teich und er weiß auch, wer das ist: ein Umweltschützer, der versucht hat, ein Bauprojekt auf den Wiesen, auf denen Hopes Heimat liegt, zu verhindern. Der kleine blaue Frosch macht sich ans Werk, um den Mörder zu finden. Und bekommt dabei menschliche Unterstützung.

Man kennt ihn von Furzipups und den Finstersteins – Kai Lüftner hat sich inzwischen durchaus einen Namen gemacht auf dem Kinderbuchmarkt. Und auch dieses Buch ist nicht schlecht. Wirklich hervorragend allerdings ist es leider auch nicht. Das liegt vor allem an einer Sprache, die alles andere als kindgerecht ist und bei der Wörter verwendet werden, die ein normaler Zehnjähriger jetzt nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Beim Vorlesen ist man also dauernd gezwungen zu stoppen, um zu erklären und beim Selbstlesen wird im besten Fall darüber weggelesen. Beides nicht optimal. Doch der Erwachsenenblick scheint sich von dem der Zielgruppe in diesem Fall gewaltig zu unterscheiden. Denn die findet den kleinen blauen Detektivfrosch spannend und cool.

Britta Teckentrup: Der Maulwurf und die Sterne

[aartikel]3845830662:left[/aartikel]Der Maulwurf fühlt sich manchmal einsam, so ganz allein im Dunkeln. Dann klettert er durch seine vielen Gänge nach oben und bewundert die Sterne. Als er eines Tages eine Sternschnuppe sieht, wünscht er sich, er allein könnte alle Sterne der Welt besitzen und sein Wunsch geht in Erfüllung. Der kleine Maulwurf sammelt mithilfe von Himmelsleitern die Sterne am Himmel ein und bringt sie in sein Zuhause weit unter der Erde, wo sie zunächst zumindest wunderschön strahlen. Doch dieses Handeln hat Folgen …

Die Zeichnungen dieses Bilderbuches sind sehr aussagekräftig, der Text einfach zu verstehen und die Message klar: Wer nur an sich denkt, hat bald verloren. Das ist das Schöne an Bilderbüchern: Sie geben immer wieder einen Anlass, um bestimmte Themen aufzugreifen, gerade Themen, die bei Kindern immer wieder vorkommen und die auf diese Weise fast schon spielerisch, auf jeden Fall aber ohne erhobenen Zeigefinger gemeinsam mit den Kindern bearbeitet werden können.

John Rabou/Annelies von Uden: Otto Schaf will schwimmen

[aartikel]3865663990:left[/aartikel]Warum das kleine Schäfchen Otto so sehnlichst davon träumt, richtig schwimmen zu können, das weiß es selbst nicht so genau, aber der Wunsch ist so groß, dass sich Otto von nichts abhalten lässt, ihn wahr werden zu lassen und dabei fast ertrinkt. Das allerdings hält ihn nicht davon ab, sich neue Möglichkeiten auszudenken und eines Tages kommt ihm eine Idee …

Dieses Bilderbuch löst vor allem bei der eigentlichen Zielgruppe etwas Verwunderung aus. Vielleicht, weil die Zeichnungen so seltsam realistisch sind, vielleicht auch, weil das Schaf gar nicht wirklich mutig und zielstrebig wirkt, sondern eher leichtsinnig und unüberlegt. Und die Schafsherde bzw. Ottos Eltern da so gar nicht darauf reagieren. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass … Hier könnte man noch eine Weile weitermachen. Das Buch soll wahrscheinlich einfach zeigen, dass es gut ist, seine Träume zu verfolgen, auch dann, wenn sonst keiner an einen glaubt, aber der Weg, der dafür gewählt wurde, ist leider nicht optimal für Kinder im Bilderbuchalter.

Matthias Sodtke: „Nulli und Priesemut: Oh weh! Oh Schreck! Der Dreck muss weg!“

[aartikel]3551519269:left[/aartikel]Der Hase Nulli und sein Freund, der Frosch Priesemut – bekannt aus der Sendung mit der Maus – misten aus. Beppo, der Müllmann, ist bestellt und die beiden freuen sich schon darauf, ihn mal wiederzusehen. Doch am nächsten Morgen war Beppo noch nicht da und der Müll ist schon weg – geklaut. Nulli und Priesemut machen sich auf die Suche nach dem Mülldieb und werden schnell fündig, denn der hat in der Natur zahlreiche ungute Spuren hinterlassen. Ein kleiner Vogel mit farbverklebtem Gefieder, ein verfangener Igel, Glasscherben im Fluss – die Dreckspur führt die beiden Freunde flussaufwärts zu Biber Stabuk, der sich gar nicht darüber bewusst war, was er angerichtet hat und sich nun reumütig gemeinsam mit Nulli und Priesemut daran macht, wieder aufzuräumen.

Dieses Büchlein zeigt kindgerecht, wie wichtig Mülltrennung ist und was passieren kann, wenn Müll, der dort nicht hingehört, in der Natur landet. Für Nulli-und-Priesemut-Fans ist eins allerdings erstaunlich. Die beiden streiten diesmal gar nicht – aber das mag wohl daran liegen, dass die Mission, unsere Umwelt sauber zu halten wichtiger ist als Gezänk. Da könnte sich so manch ein Großer mal eine Scheibe davon abschneiden.

Tiina Nopola/Mervi Lindman: Drei Freunde für Siri

[aartikel]3770753607:left[/aartikel]Mann sieht irgendwie dick aus, findet Siri und drückt mal vorsichtig, um zu sehen, ob da ein Baby drin ist. Aber da ist keines. Was Siri sehr schade findet. Das kleine Mädchen weiß grad gar nichts mit sich anzufangen. Also beschließt sie, wenn schon kein Baby, dann mindestens ein Hund. Und wie jedes Kind, das einen Hund will, kann Siri ganz schön hartnäckig sein. Frau Fröhlich will ihr ihren Hund partout nicht geben, genauso ist es bei Herrn Anton. Siri hat sich so auf das Thema versteift, dass sie gar nicht bemerkt, was um sie herum passiert … und dass eine Freundschaft mit einem, zwei, drei Menschen doch sicher mindestens so gut wäre wie ein Baby oder ein Hund. Mindestens.

Dieses Bilderbuch ist ein echter Trost für alle, die sich ein Geschwisterchen wünschen und keines bekommen, einen Hund wünschen und keinen bekommen – nur nicht für die, die sich Freunde wünschen und keine bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Michael Ende: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

[aartikel]3745601254:left[/aartikel]Kein „altes“ Kinderbuch ist moderner als dieses, denn Umweltzerstörung ist das Thema des „satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunschs“. Es ist Silvester und der Schwarzmagier Beelzebuch Irrwitzer und seine Tante, die Geldhexe, haben ein schlechtes Gewissen. Denn in jedem Jahr haben sie ein bestimmtes Pensum an bösen Taten zu erfüllen und das hat diesmal alles andere als geklappt. Und jetzt steht ihnen der Ritt zur Hölle bevor. Das wollen die beiden natürlich vermeiden, also kommen sie auf die Idee, einen Zaubertrank zu brauen und damit bis Mitternacht so viele Katastrophen wie möglich heraufzubeschwören. Doch sie haben ihre böse Rechnung nicht mit dem Kater Maurizio di Mauro und dem Raben Jakob Krakel gemacht. Denn beide sind Spione und versuchen, das Unglück noch sprichwörtlich kurz vor zwölf abzuwenden.

Wer Michael Ende ist, weiß jedes Kind. Zumindest fast jedes. Oder zumindest sollte es jedes wissen. Denn seine Bücher sind nicht nur hervorragend, sie sind vor allem auch lehrreich. Und dieses, das mit Wortspielereien nur so gespickt ist und auch Erwachsenen „höllischen“ Spaß bereitet, ist es ganz besonders.

Das Hörbuch ist eine gekürzte Autorenlesung und daher ein ganz besonderes „Schmankerl“, das man sich, wenn man Zaubermärchen liebt, auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Robert Starling: Kleiner Drache will der Größte sein

[aartikel]3480235557:left[/aartikel]Finn ist ein ganz normaler kleiner Drache. Aber das Ferienlager, in das er zum ersten Mal fahren darf, macht ihn nervös. Was werden die anderen von ihm denken? Wird er Freunde finden? Muss man nicht ganz toll sein, damit man überhaupt bemerkt wird? Überall der Beste?
Also drängelt Finn sich vor, weiß alles besser, gibt an … und versteht nicht, warum die anderen ihn nicht mögen. Doch Tom, der Betreuer, hilft ihm. Er zeigt ihm, dass es ganz einfach ist, neue Freunde zu finden: Indem man einfach so ist, wie man ist, anderen auch mal den Vortritt lässt, teilt und fair ist. Und schon läuft’s im Drachenferienlager.

Ein Bilderbuch, das sich besonders gut für den Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule eignet. Und für alle Situationen, in denen man irgendwo neu ist. Es zeigt den Kindern, dass sie die Ansprüche an sich selbst gar nicht so hoch anlegen müssen, denn schließlich machen das die anderen auch nicht.

Natur – Entdecken * Verstehen * Mitmachen

[aartikel]3959390726:left[/aartikel]Der Titel verrät es eigentlich schon: Dieses Buch hat tausend Seiten. Zwar nicht im wahrsten Sinne des Wortes, da sind es „nur“ 64, aber die haben es in sich. Das Buch, das einen erstaunlich festen Einband hat und auch mal was aushält, lädt ein zum Experimentieren, zum Entspannen und vor allem zum Stöbern. Wissenswertes ist immer wieder eingestreut, gerade in der Menge, dass auch Lesemuffel hängen bleiben können. Die Sätze sind nicht schwer und sprechen selbst Legastheniker an. Die Zeichnungen sind naturgetreu und trotzdem phantasievoll und die Machart – wenn auch zunächst etwas verwirrend vom Aufbau her – ist extrem kindgerecht. Wobei sicher der ein oder andere Erwachsene ebenfalls daran hängenbleiben dürfte.

Kai Lüftner, Wiebke Rauers: Furzipups, der Knatterdrache

[aartikel]3649626144:left[/aartikel]Furzipups, der Knatterdrache hat ein Problem, denn während die anderen Drachenkinder alle Feuer spucken können, kommt bei ihm nur heiße Luft.
Schaut man sich im derzeit aktuellen Angebot der Verlage mal ein bisschen um, dann fällt eines ganz besonders auf: Das Pupsen ist ein Riesenthema in diesem Jahr. Und auf jeden Fall eines, was bei der Zielgruppe der Kindergartenkinder, vor allem, wenn sie männlich sind, besonders gut ankommt. Kaum einer kann so über das Entweichen von Körperluft und den dazugehörigen Geruch so lachen wie vier- bis fünfjährige Jungs. Denen kommt ein Buch wie dieses, das auch noch einen Furzbutton hat, doch gelegen – sollte man meinen. Aber leider – und man weiß nicht, liegt es am gequälten Geräusch des eingebauten Buttons oder doch eher an den Reimen, die dermaßen hingebogen wurden, dass man sie nicht mal mehr schön vorlesen kann … Es könnte auch daran liegen, dass die Geschichte nicht stimmig ist. Denn ob der Rat, sich einfach ins Bett zu legen und den Flatulenzen freien Lauf zu lassen, wenn man anders ist als andere und darunter leidet, wirklich pädagogisch wertvoll ist, bleibt anzuzweifeln. Da hilft es leider auch nicht mehr, dass der Drache eigentlich ganz süß gezeichnet ist – denn auch eigentlich ist eine Einschränkung. Aus dieser Geschichte wäre deutlich mehr rauzuholen gewesen.

Die Schule der magischen Tiere: Hin und weg

[aartikel]3745600126:left[/aartikel]Die Schule der magischen Tiere ist eine DER Erfolgsreihen schlechthin und trifft genau den Geschmack von Grundschülern – und zwar männlich als auch weiblich. Die Geschichte der Tiere, die Kinder helfen, ihre vermeintlichen Schwächen zu überwinden, die zu ihnen halten, wenn die eigene Welt ins Schwanken gerät und die auf geradezu magische Weise zu ihnen kommen und mit ihnen leben trifft einen Zeitnerv. So auch in diesem Band, bereits der Zehnte, in dem in der Wintersteinschule ein Fußball-Casting für Aufregung sorgt. Kein Wunder, schließlich winkt als erster Preis ein Platz im Trainingscamp am Gardasee. Genau das, wovon Anthony träumt. Er möchte Fußballstar werden und würde alles dafür geben. Als einziger hat er kein Interesse an einem magischen Tier, wann denn auch, für so einen Killefitz hat er keine Zeit, denkt er! och dann bekommt ausgerechnet er eine Botschaft – in einem zerfledderten Fußballalbum und Pamela zieht bei ihm ein. Ausgerechnet ein Meerschweinchen, da hat Anthony erst recht keinen Bock drauf. Mit nem Hund könnte man ja vielleicht noch Fußballspielen, aber mit so einem haarigen Kleintier? Pamela ist stinkbeleidigt …
Es macht natürlich Sinn, die Bücher zu lesen, aber sie zu hören – zum Beispiel auf einer längeren Autofahrt – ist für die ganze Familie ein Vergnügen.
Gekürzte Lesung mit Andreas Fröhlich

Übrigens, wer gerne auf allen Kanälen unterwegs ist, für den eignet sich möglicherweise die App, die es zu den Büchern und Hörbüchern gibt.