Yvonne de Bark: Wirke wie du willst!

Yvonne de Bark ist wieder bei den Erwachsenen angekommen. Schade zum einen, denn ihre kreativen Bücher für den Umgang mit Kindern waren immer äußerst lesenswert und voller neuer Ideen. Zum anderen aber auch interessant für die, die zum Beispiel wieder ins Berufsleben einsteigen möchten oder anderweitig an ihrer Außenwirkung arbeiten wollen. Denn dieses Buch zeigt – wie von der Autorin gewohnt und bei diesem Thema auch angemessen – angereichert mit vielen praktischen Bildern, wie man seine Wirkung auf andere mit nur wenigen Schritten verändern kann. Im wahrsten Sinne des Wortes: Gehen Sie mal auf jemanden, der Ihnen Raum nimmt, noch einen Schritt zu – er wird zurückweichen, wir haben es ausprobiert!
Natürlich hat Yvonne de Bark hier kein Rad neu erfunden und Samy Molcho hat uns bereits vor Jahrzehnten nichts anderes verraten als sie heute, aber die Machart ist modern und ansprechend. Dass die Autorin Schauspielerin ist, kommt ihr und damit auch den Lesern natürlich zugute. Genau wie die Übungen, die man auf ihrer Website parallel zur Lektüre des Buches durchführen kann.
Der E-Book-Preis ist übrigens relativ hoch, aber das ist sowieso ein Buch, das man nicht am Stück irgendwo im Zug liest oder mit dem auf dem Weg zur Arbeit gesehen werden will, sondern das man sich zuhause immer mal wieder zur Hand nimmt. Und macht somit in Papierform deutlich mehr Sinn.

Alexandra Karr-Meng: Kinder achtsam erziehen

Wut und Geschrei aus dem Familienalltag verbannen, das ist das Hauptziel dieses Buches. Es darauf zu reduzieren, wäre zu wenig. Die Autorin ist Eltern-Coach und beschäftigt sich Tag für Tag mit dem so modernen Thema „Achtsamkeit“. Was letztendlich im Bereich Erziehung Ruhe, Respekt und Wertschätzung bedeutet. Sie bietet Lösungen, die für den Alltag geeignet sind, zeigt, welche klaren Regeln wichtig sind und wie die klassischen Stresssituationen entstehen.

Viele Eltern erwarten eine ganze Menge von ihren Kindern bzw. können nicht nachvollziehen, warum sie von der Persönlichkeit her einfach so anders sind als sie selbst. Aber Menschen kommen bereits mit einem eigenen Charakter auf die Welt und hinzu kommt, dass wir Erwachsenen viele Situationen völlig anders einschätzen als die Kinder selbst. Manchmal ein Drama machen, wo keines notwendig ist und manches herunterspielen, das mehr Aufmerksamkeit bräuchte.

Gemeinsam gut durch den Gefühlsdschungel zu kommen, ist eine der Hauptaufgaben in der Erziehung. Hier der Fels in der Brandung zu bleiben und trotzdem für das Kind da zu sein, wenn notwendig – keine leichte Aufgabe. Die sich zum Beispiel mit guten Geschichten einfacher bewältigen lässt. Tipps wie diese sind genauso sinnvoll wie die Achtsamkeitsübungen und die Erklärungen, warum typische Situationen entgleist sind. Ein sinnvolles Buch für alle, die sich täglich mit Kindern beschäftigen. Und eines, das aus den Unmengen von Eltern-Ratgebern durchaus heraussticht.

Andrea Flemmer: Arthrose

Man muss nicht alt sein, um unter dauernden Gelenkschmerzen zu leiden. Da genügen schon erbliche Vorbelastung, der falsche Sport in Kindheit und Jugend und die falsche Ernährung, um täglich massive Schmerzen durch Arthrose auszulösen. Und gerade diese Schmerzen, behauptet die Autorin, Diplom-Biologin und Ernährungswissenschaftlerin, kann man reduzieren. Die Maßnahmen, die dazu notwendig sind, beschreibt sie in diesem Ratgeber. Neben der richtigen Bewegung und Nahrungsmitteln, die genau auf die Verschleißerscheinung abgestimmt sind, gibt es vor allem zahlreiche Gewürze und Heilpflanzen, die in der richtigen Dosierung entscheidende Verbesserungen bringen. Dr. Andrea Flemmer hat das Rad mit diesem Buch nicht neu erfunden – aber das war auch gar nicht ihr Ziel. Stattdessen hat sie leicht verständlich gut erklärt, auf was es ankommt und wie man für sich entscheidet, ob eine Operation wirklich der richtige Weg ist.

Frei nach ihrem Motto: Diagnose Arthrose – so helfen Sie sich selbst!

Das große Arthrose-Kochbuch

Wir werden alle nicht jünger und bereits ab dem 35. Lebensjahr beginnt bei der Hälfte aller Menschen eine eindeutige Abnutzung der Gelenke: Arthrose. Doch die kann man auch schon in jüngeren Jahren bekommen: durch Fehlstellungen zum Beispiel. Oder durch Übergewicht.
Jetzt kann man natürlich zum einen die Schmerzen mit Medikamenten bekämpfen, wobei das über all die Jahre nicht wirklich gesund ist, man kann aber auch mit anderen Mitteln die Gelenke unterstützen. Zum Beispiel mit der richtigen Ernährung. Und hier sind wir wieder an dem Punkt angelangt, der uns nahelegt, uns gesund zu ernähren. Wenig Zucker, wenig bis gar kein Fleisch, Fisch in Maßen, viel Gemüse, kein Alkohol etc. etc. etc. – nicht unbedingt jedermanns Sache.

Und wie so oft bei Kochbüchern dieser Art: Das Rad wurde auch hier nicht neu erfunden! Relativ wenig Info über Arthrose und die dazugehörigen Entzündungen und relativ viel Rezepte, zwar alltagstauglich aber auch ein wenig langweilig. Und ganz ehrlich, wenn man sieht, dass schon wieder Sven-David Müller seine Finger im Spiel hatte, dann möchte man ihm gerne mitteilen: Zucchinisuppe, Tomatensalat oder Paprika-Penne sind nicht gerade die Revolution in der deutschen Küche. Egal unter welchem Aspekt. Und „Rezepte, die der ganzen Familie schmecken“ – wer Kinder hat, wird dem vielleicht bei Pfirsich-Vanille-Sauce zustimmen, aber sicher nicht bei Rote Beete mit Mozarella, Forellenaufstrich oder gefüllten Datteln. Man kann nun mal nicht jedem gerecht werden – und man sollte auch nicht auf jeder (Ernährungs-)hochzeit tanzen, irgendwann wird’s nämlich ein wenig unglaubwürdig.
2.5 Stars (2,5 / 5)

Melanie Grässer/Eike Hovermann: Gelassen durch die Babyzeit

Eltern fehlt es heute an Vorbildern. Das Projekt Kind lebt damit nicht von der Erfahrung, sondern muss mithilfe von Ratgebern unterstützt werden. Das ist, wenn man deren Stellenwert nicht zu hoch hängt, sicher nicht verkehrt. Denn auch die Ratschläge, die man aus dem Familien- oder Freundeskreis bekommt, sind meist sehr subjektiv und oftmals auch nicht von einem Kind aufs andere übertragbar. Letztendlich müssen alle Eltern ihren eigenen Weg finden und wenn sie ein wenig auf ihre Intuition vertrauen, geschieht das auch relativ schnell und sie werden DIE Experten für ihr eigenes Kind.
Bis dahin ist es gut, wenn man sich einen Ratgeber sucht, der von vielen Autoren lebt. Denn nur dann kann man sicher sein, nicht einfach auf den verlängerten Arm der Subjektivität hereinzufallen. Aus diesem Blickwinkel ist ein Ratgeber wie dieser nicht der Schlechteste. Von der Hebamme über die Physiotherapeutin, vom Logopäden bis zum Jugendamtsleiter sind hier viele Meinungen eingegangen ins Ganze. Und die sind meist recht vernünftig. Weder werden Mütter vorverurteilt, die nicht stillen, noch werden unsinnige „Schlafprogramme“ unterstützt. Die üblichen Widersprüchlichkeiten, zum Beispiel beim Thema Ernährung, sind aber auch hier zu spüren. Hier gilt es einfach, seinen eigenen Weg zu finden und sich darüber klar zu werden, dass niemand so genau weiß, was richtig und was falsch ist und dass das, was heute als richtig gilt, gerade bei der Babyernährung morgen schon wieder falsch sein kann. Schade ist, dass auch diese Autoren es nicht lassen konnten, Kinderentwicklung in Tabellen zu quetschen – wobei sie diese aber immerhin gleich wieder relativieren und mit Beispielen aus eigener Erfahrung ins rechte Licht rücken. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass bei diesem Ratgeber nicht alles ins rosahellblaue Licht gerückt wird. Und zwar mit genau der Ehrlichkeit, die notwendig ist, um frischgebackenen Eltern zu zeigen, dass sie nicht alleine sind mit ihren auch mal negativen Gefühlen und wann sie sich Hilfe von außen holen sollten. Ohne sich dafür schämen zu müssen.
Ein Babyratgeber, der wirklich aus der Reihe sticht und jungen Eltern nur empfohlen werden kann.
4.5 Stars (4,5 / 5)