Sophie Siers/Anne Villeneuve: Hallo Donald Trump

Sam ist ziemlich entnervt. Er muss sich mit seinem Bruder ein Zimmer teilen und der ist nicht nur größer und stärker, er darf auch länger am Handy hängen. Jetzt hat Sam in den Nachrichten gesehen, dass Donald Trump „unerwünschte Personen“ einfach mit einer Mauer von sich abtrennen möchte – und das, findet Sam, ist doch eine großartige Idee auch fürs Kinderzimmer. Also schreibt er dem Präsidenten und zwar nicht nur einmal. Er teilt ihm alles mit, was er so Stück für Stück über Mauern lernt. Über echte und über die im Kopf.

Die Idee ist gut, die großen Probleme mal aufs Kleine, Verständliche runterzubrechen. Und ebenfalls im Kleinen zu zeigen, was im Großen mit ein bisschen Verständnis und Bildung erreicht werden könnte. Leider nur lässt die Umsetzung ein bisschen zu wünschen übrig. Als Bilderbuch an sich eignet sich dieses Werk nur bedingt und auch nur dann, wenn man viel, viel erklärt. Besser geeignet ist es für Schulkinder, zum Beispiel für ein Bilderbuchkino im Unterricht. Da lässt es sich ganz wunderbar als Gesprächsgrundlage nehmen.

Tiina Nopola/Mervi Lindman: Drei Freunde für Siri

Mann sieht irgendwie dick aus, findet Siri und drückt mal vorsichtig, um zu sehen, ob da ein Baby drin ist. Aber da ist keines. Was Siri sehr schade findet. Das kleine Mädchen weiß grad gar nichts mit sich anzufangen. Also beschließt sie, wenn schon kein Baby, dann mindestens ein Hund. Und wie jedes Kind, das einen Hund will, kann Siri ganz schön hartnäckig sein. Frau Fröhlich will ihr ihren Hund partout nicht geben, genauso ist es bei Herrn Anton. Siri hat sich so auf das Thema versteift, dass sie gar nicht bemerkt, was um sie herum passiert … und dass eine Freundschaft mit einem, zwei, drei Menschen doch sicher mindestens so gut wäre wie ein Baby oder ein Hund. Mindestens.

Dieses Bilderbuch ist ein echter Trost für alle, die sich ein Geschwisterchen wünschen und keines bekommen, einen Hund wünschen und keinen bekommen – nur nicht für die, die sich Freunde wünschen und keine bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nathan Filer: Nachruf auf den Mond

The Evening Standard spricht von einem Meisterwerk, soweit würde man hier vielleicht nicht gehen, aber beeindrucken ist das Werk auf seine Weise. Das Cover allerdings führt einen ein bisschen auf die falsche Fährte, denn im Gegensatz zum miesen Karma ist hier nichts lustig. Nicht mal annähernd. Eher dramatisch. Wie Matthew Homes, Patient der Psychiatrie in Bristol erzählt aus seinem Leben, mit und ohne seinen behinderten Bruder Simon. Matthew gibt sich die Schuld an dessen Tod und kann sein Fehlen nicht verkraften. Die Folge: Wenn er seine Medikamente absetzt, dann hört er ihn und sieht sein fröhliches Lachen. Um endlich etwas für Simon tun zu können, startet Matthew ein großes Projekt. Hauptdarsteller: Ameisen.

„Dreh- und Angelpunkt des Romans ist, dass Matt seine Geschichte quasi in Echtzeit zu Papier bringt, dass dieser Prozess eine gewisse Zeit braucht und an verschiedenen Orten stattfindet, und dass sein Leben während des Schreibens weitergeht“, so der Autor in einem Interview. Er selbst hat während des Schreibens das Gefühl gehabt, erst dann Matthew überhaupt erst kennenzulernen und genauso geht es den Lesern ja auch.

Aber dann, wenn sie seinen Plan verstehen, dann verstehen sie auch ihn.
3.8 Stars (3,8 / 5)

Susann Sitzler: Geschwister – die längste Beziehung der Welt

Geschwister sind zum Warmspielen da, so sieht es die Journalistin und Autorin Susann Sitzler, die unter anderem für „Die Zeit“, die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und für „Deutschlandradio Kultur“ arbeitet. Sie hat nicht nur viel recherchiert zum Thema, sie spricht auch aus eigener Erfahrung. Ihr Fazit: Mit Geschwistern erfahren wir das erste Mal, was Gerechtigkeit bedeutet.“ Ein interessantes Buch, wenn man sich ein wenig Hintergrundwissen zum Thema aneignen möchte. Mehr dazu im Elternratgeber von T-Online.

Horst Petri: Geschwister – Liebe und Rivalität

Horst Petri ist Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychoanalytiker. Schon vor vielen Jahren wurde er von der Stadt Wien für sein „Gesamtwerk für eine gewaltfreie Erziehung“ ausgezeichnet und auch in diesem Buch spürt man sein Hintergrundwissen. Vor allem lässt er auch die negativen Gefühle nicht außer Acht, die Geschwister fast schon automatisch irgendwann mit sich bringen. Seine Ansichten sind in einen Artikel eingeflossen, der im Elternratgeber von T-Online erschienen ist.

Sara Pennypacker: Vorhang auf für Clementine

Da ist sie wieder, die kleine Clementine, die so chaotisch ist, dass man sie schon fast gernhaben muss. Diesmal möchte die Schule eine Talentshow veranstalten, nur dummerweise ist sich Clementine sicher, dass sie nicht das winzigste Talent hat – für nichts. Doch da täuscht sie sich gewaltig.

Denn Clementine strotzt eigentlich nur so vor Talenten. Okay, sie kann nicht steppen, nicht Rad schlagen und auch nicht singen, dafür aber wunderbar malen, ihren kleinen Bruder zum Lachen bringen, sich überall herausreden, für alles eine Idee finden und – organisieren.

Die Stimme von Josefine Preuß muss man mögen. Tut man das nicht, kann sie einem schon bisweilen auf den Geist gehen. Aber, das muss man ihr lassen, zu Clementine passt sie. Dieses Persönchen, das seinen eigenen Obstnamen nicht leiden kann und daher seinen kleinen Bruder immer wieder mit den witzigsten Gemüsenamen versorgt, könnte tatsächlich so vor sich hin schnoddern und scheppern.
5.0 Stars (5,0 / 5)

Uta Charlotte Stern/Manfred Tophoven: Meine Mama nur für mich

Zunächst ist Tim begeistert, als er erfährt, dass er ein Geschwisterchen bekommt. Aber bereits die ersten Gespäche mit anderen Kindergartenkindern, die schon einen Bruder oder eine Schwester haben, lassen ihn skeptisch werden….

Doch als es soweit ist, freut sich Tim sehr. Er hat jetzt einen kleinen Bruder und der findet ihn bereits neugeboren ganz toll. Stück für Stück aber schleicht sich die Realität ein. Seine Mama hat keine Zeit mehr für Tim, alles dreht sich nur um Jonas. Da wird Tim ziemlich eifersüchtig. Seine Mutter erklärt ihm aber sehr anschaulich, wie das ist mit dem Platz im Herzen und welche Rolle er für sie spielt und das beruhigt Tim dann doch.

Dieses Buch, getextet von Uta Charlotte Stern, ist gut gemacht, behandelt das Thema anschaulich, herausragend aber ist es nicht. Es ist wohl auch schwer, mit einem solchen Thema das Rad neu zu erfinden. Doch die Texte sind bereits für kleine Kinder schlüssig und auch tröstlich. Die Illustrationen von Manfred Tophoven sind von der Farbenwahl her fröhlich und detailgenau. Störend ist allerdings – und gerade bei solchen Dingen sind Kinder sehr kritisch – dass z.B. die Mutter fast durchgehend die gleiche Kleidung anhat. Bereits eine ganze Weile vor der Geburt, direkt danach und später auch noch. Mal ganz abgesehen davon, dass ihr Bauch ab dem dritten Monat nicht mehr zu wachsen scheint. Zusätzlich ist es nicht sehr realitätsnah, dass Mama am Abend fröhlich „Gute Nacht, ich geh jetzt in die Klinik“ sagt und am nächsten Morgen mit den gleichen Klamotten genauso fröhlich wieder auf der Couch liegt. Klar, sowas gibt es, aber die meisten kleinen Kinder müssen doch erst einmal damit klarkommen, dass Mama für ein paar Tage weg ist und sie sie in einem sterilen Krankenhauszimmer wiedersehen.
1.9 Stars (1,9 / 5)