Aprilkind/van den Speulhof/Pricken: Der Grolltroll

Der Grolltroll hat ganz genau Vorstellungen davon, was er will und wehe, wenn es nicht so klappt, wie er sich das vorstellt: Dann raucht es ihm aus Nasen und Ohren, er stampft mit dem Fuß auf und brüllt ein fettes „Nein“. Es ist, als würde ein Gewitter in ihm wohnen, mit Blitz und Donner und allem, was dazu gehört. Manchmal kann er nicht mal einschlafen vor lauter Wut. Die anderen Tiere nervt das alles und irgendwann lassen sie ihn sitzen. Zuerst ist dem Grolltroll das egal, aber dann merkt er schnell, dass es allein lang nicht so schön ist wie mit den anderen … und dass jetzt etwas nötig ist, was so gar nicht leichtfällt.

Ein bisschen viele Köche für ein Bilderbuch, aber das Ergebnis ist niedlich. Was wohl daran liegt, dass es Köche sind, die etwas von Kinderbüchern und damit auch von Kindern verstehen. „Der Grolltroll“ zeigt kleinen Trotzköpfen, dass man nun mal nicht immer mit dem Kopf durch die Wand kann und wenn es doch mal passiert, wie man aus dieser Situation auch wieder herauskommt.

Schöne Ergänzung: die dazugehörige Plüschfigur

Hans Christian Andersen: Die kleine Meerjungfrau

Was gibt es gerade in diesen Tagen Schöneres als eine gute, ein bisschen melancholische und gern auch sehr alte Geschichte, eine Tasse Tee und eine Kerze auf dem Tisch? Am besten ist es, wenn die ganze Familie zusammengekuschelt auf dem Sofa liegt und einer vorliest und welche Buchreihe würde sich da besser eignen als die pracht- und fantasievoll illustrierten Märchenbücher von Coppenrath?

Neben Peter Pan, Die Schöne und das Biest und Das Dschungelbuch gibt es nun auch die kleine Meerjungfrau, kombiniert mit anderen Märchen in dieser zauberhaften, kunstvollen Umsetzung. Zwölf Andersen-Märchen setzen die Designkünstler MinaLima in dieser Ausgabe in Szene: interaktive Extras, viele Illustrationen und kunstvolle Momente bieten die Möglichkeit, fast auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken.

Wer also noch ein echt schönes Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für einen Bücherliebhaber – egal welchen Alters – sucht, liegt hier genau richtig.

Kristina Dunker: Der Zauberkaugummi

Plötzlich steckt Mia im Körper ihrer Lehrerin fest, stackelt auf ihren Pumps durchs Lehrerzimmer und muss sich entsprechend benehmen. Auf der anderen Seite tanzt Frau Strerup durch den Schulhof und genießt ihre Freiheit.

Schuld ist ein Zauberkaugummi, den die Freundin der Lehrerin „entworfen“ hat und so ganz sicher ist sich Mia nicht, ob Frau Strerup nicht zumindest ahnte, was es mit der Süßigkeit auf sich hat. Zu unverhohlen genießt die Erwachsene ihre plötzliche Freiheit, die ihr dank des Tausches in den Schoß gefallen ist. Soll ja auch nur für eine Pause sein. Doch dann sind plötzlich der Kaugummi und damit der Weg zurück verschwunden und Mia muss es noch länger im Körper der Erwachsenen aushalten. Zunächst eine Tortur. Doch Stück für Stück findet sie Gefallen daran …

Eine phantasievolle Geschichte, die zeigt, dass die, von denen man es glaubt, auch nicht immer glücklich sind. Und sich hinter jeder Fassade eine Menge anderer Dinge verbergen.

Peter Pan – in einer prachtvollen Ausgabe

Es gibt Geschichten, die sollte man einfach kennen. Die gehören sozusagen zum Kulturgut unserer Gesellschaft. Ein Klassiker ist Peter Pan von James Matthew Barrie, zunächst als Theaterstück gedacht und erst später als Roman verfasst. Nach der Figur des Peter Pan ist sogar ein psychologisches Phänomen benannt. Der Familienherapeut Dan Kiley hat den Begriff geprägt für Männer, die partout nicht erwachsen werden wollen. Denn genau so geht es Peter Pan. Er lebt im Nimmerland mit einer Horde Jungs, den Rothäuten, seinem Erzfeind Captain Hook und einem Krokodil, das einen Wecker verspeist hat und daher nicht mehr richtig tickt. Peter Pan und seine Jungs brauchen eine Mama, wollen das aber nicht so recht zugeben. Also locken sie einfach Wendy und mit ihr ihre Brüder ins Nimmerland – mit chaotischen Folgen.
Die Geschichte ist allgemein bekannt, sie wurde ins Theater gebracht, verfilmt und in zahlreichen Büchern und Ausgaben wiedergegeben – wobei Peter immer niedlicher wurde, bald schon aussah wie ein Feenjunge – in Anlehnung an seine ständige Begleiterin Tinkerbell. Dabei ist Peter Pan alles andere als niedlich. Stattdessen ist er arrogant und selbstsüchtig, es fehlt ihm an Gespür für Gefahr und Leid, er kümmert sich nur um andere, wenn er selbst etwas davon hat und sieht sich ausgesprochen gerne in der Rolle des Anführers.
Dieses Exemplar der Geschichte, die man am besten vorliest, um auch gleich auf die Reaktionen der kleinen Zuhörer eingehen zu können, ist besonders schön. Das liegt an den zauberhaften Ideen von MinaLima Design, einem preisgekrönten Grafikdesignstudio, das bereits die grafisch-visuelle Gestaltung der Harry-Potter-Filme übernommen hat. Visuell veredelt wurde dieses Buch mit Schatzkarten, Feenflügeln, 3D-Effekten und weiteren Details, die das Betrachten dieses Werks zu etwas ganz Besonderem machen.
5.0 Stars (5,0 / 5)

Buden bauen – 50 Ideen für Wiese, Wald und Strand

In vielen Bundesländern sind noch Sommerferien und nicht alle haben das Glück, in Urlaub fahren zu können. Aber das macht nichts, wenn man gute Ideen hat, wie man die freie Zeit unter freiem Himmel optimal nutzen kann.
Kinder lieben es, sich zu verstecken, sie mögen ihren eigenen kleinen Raum und sie erschaffen gerne und vor allem ausgesprochen kreativ. Da könnte sich so mancher Agentur-Art-Director mal eine Scheibe abschneiden. Und wem doch die Ideen ausgehen, der findet extrem phantasievolle Vorschläge in diesem Buch. Klar, ein echtes Baumhaus ist cool. Aber das geht in der Regel nicht ohne elterliche, meist väterliche Hilfe. Ganz anders ist es da zum Beispiel mit einem Wäscheleinenzelt, einer Strohballenhütte, einem Laubunterschlupf oder einer Gartentischbude. Selbst für den Winter gibt es spezielle Vorschläge.
Von der Recyclingbude bis hin zum Zeltlager im Wohnzimmer – die Ideen aus diesem Buch sind fast alle ohne große Hilfe umsetzbar und regen dazu an, auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen und es einfach mal auszuprobieren. Niedlich auch die zusätzlichen Anregungen wie Minihütten für Spielzeug und Bastelideen mit ungewöhnlichen Materialien, die überall mit eingestreut sind.

Marc Evan: Urban Sketching

Inspirationen zum Unterwegs-Mal-Schnell-Zeichnen kann man sich ganz wunderbar in diesem Skizzen-Büchlein holen, das auch in jede Handtasche passt. Durch den Einband, der als Sammelmappe dient, kann man auch bei Regen los, ohne seine Werke zu gefährden. Im ersten Schritt überlegt man sich seine Must-Draws und geht dann los, auf einen Rundgang durch die Stadt oder das Viertel: zum Einfangen von Momenten, von statischen Objekten, Personen und Besonderheiten. Oder einfach nur von den Besonderheiten, die sonst keiner bemerkt.
Urban Sketching ist nichts Neues, genauso wenig wie die entsprechende Bewegung, die bereits 2007 in Seattle ins Leben gerufen wurde. Die entsprechenden Bücher sind ebenfalls nicht neu, aber dieses hier ist besonders liebevoll gemacht und vor allem durchdacht. Marc Evan ist Künstler durch und durch, lebt und arbeitet in New York und unterstützt die angesagte Art des Zeichnens. Er gibt hilfreiche Tipps und tolle Anregungen. Schöne Idee auch die Postkarten, die dem Buch beigefügt sind und die dazu einladen, kleine Szenen zu verschicken.
4.0 Stars (4,0 / 5)

Sonne im Bauch

“Eine Geschichte über die Liebe“ ist der Untertitel dieses Bilderbuchs, in dem sich das kleine Eichhörnchenjunge Toni fragt, was das eigentlich ist, die Liebe. Und weil die Eltern wieder einmal mit den kleinen Geschwistern beschäftigt sind, macht sich Toni auf den Weg zu Sokrates, der weisen alten Eule. Die entdeckt in ihm den Philosophen-Nachwuchs und nimmt sich Zeit für die Beantwortung der Frage. Langsam tasten sich die beiden an die Liebe heran. Wie fühlt sie sich an, wann taucht dieses Gefühl nach Sonne im Bauch auf, welche verschiedenen Formen der Liebe gibt es, wie zeigt man Liebe am besten? Toni lernt, wie wichtig es ist, so geliebt zu werden, wie man ist.

Die Aufmachung und Gestaltung des Buches zeugt auch von Liebe und zwar von einer Liebe zu Bilderbüchern und davon, dass die Macher wissen, welche (Bild-)Sprache Kinder brauchen. Etwas irritierend ist das Rezept hinten im Buch, den Kindern erschließt sich der Zusammenhang nicht recht – aber ein gutes Sonnenpfannkuchenrezept kann man ja immer brauchen.
3.5 Stars (3,5 / 5)

Erik O. Lindström: Meja Meergrün

Die kleine Meja Meergrün ist ein typischer Nixenteenager und sie kann machen, was sie will, denn ihre Eltern sind weit weg. Und so verzichtet sie getrost auf Schule, stromert durch die Wellen, unterhält sich mit sprechenden Pflanzen und schwimmt mit anderen schillernden Meeresbewohnern. Doch eines Tages fällt ihr auf, dass irgendetwas nicht stimmt. In ihrer geliebten kleinen Stadt Lyckhav, einem sonst so hellen und superfriedlichen Ort, wird es irgendwie duster. Erst an einer Ecke und zunehmen immer mehr. Die Stimmung kippt, Angst breitet sich aus. Nur zugeben will es keiner. Da kommt Padson gerade recht. Er ist eine Kümmerkröte, die Mejas Eltern ihr geschickt haben, damit sie ein wenig mehr beaufsichtigt ist. Doch so hat sich Padson seinen Job nicht vorgestellt…

Die kleine Geschichte rund um Meeresbewohner, deren Welt aus den Fugen gerät, hat einen sehr aktuellen Charakter. Der Autor beschäftigt sich darin ausführlich mit Ängsten, ohne auch nur einen Augenblick Angst zu verbreiten. Erik Ole Lindström ist Sohn einer deutschen Mutter und eines schwedischen Vaters. Er lebt gemeinsam mit seinen Kindern und einem Hund auf einer Insel im Stockholmer Schärengarten. „Meja Meergrün“ ist sein erstes Kinderbuch. Er hat es sich ursprünglich für seinen Sohn und seine Tochter ausgedacht.

Dieses Buch, sehr niedlich illustriert von Wiebke Rauers, sollte man sich auf alle Fälle vormerken. Auch, wenn es in seiner Aufmachung und mit dem glitzernden Einband wie ein Mädchenbuch aussieht, es eignet sich optimal auch für Jungs. Für die Erstleser allerdings noch nicht zum Selbstlesen, dazu sind zu viele Worte drin, die zwar leicht zu verstehen, aber nicht leicht zu lesen sind.
4.0 Stars (4,0 / 5)

Mach was draus!

Die Weihnachtsferien, in denen die Welt regelmäßig stillzustehen scheint, sind optimal dazu geeignet, mal wieder gemeinsam zu basteln. Schöne Anregungen dafür findet man in diesem Buch von Katja Enseling und Ruth Niehoff. Und zwar lauter Ideen, für die man nicht erst extra zu einem gut sortierten Bastelladen muss, sondern die man mit all dem ausführen kann, was man sowieso meistens zuhause hat. Recycling-Basteln nennen es die Autorinnen. Eine Hundetasche aus Papptellern, ein Großmaulkrokodil aus einem Eierkarton, einen Luftballonflitzer oder leuchtende kleine Lampions aus Klorollen…die Ideen der Autorinnen sind einfach, aber trotzdem total genial. Die Basteleien dauern nicht allzu lange, überfordern also auch die Geduld der der Kleineren nicht und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Auch mal als Geschenk für die Oma oder als Idee für einen Kindergeburtstag. Wobei die Anleitungen bildlich und einfach erklärt sind. Bastelbücher gibt es viele, solch gute eher weniger. Einziger Kritikpunkt: Das Format ist etwas unhandlich. 4.0 Stars (4,0 / 5)

WALKO: Der wilde Räuber Donnerpups: die Räuberprüfung

Im Donnerwald, da donnert es. Und zwar nicht nur bei Gewitter, sondern auch bei eigentlich schönsten Sonnenschein. Man sagt, dass wilde Räuber darin hausen – und Robin will das genauer wissen. Er lässt sich nicht abschrecken, sondern wandert mutig hinein in das grüne Dickicht. Und eigentlich muss er ja nur dem Krach folgen, um die Schurken zu entdecken. Sie sehen so aus, wie man sich das von Schurken so vorstellt. So, als ob mit ihnen nicht gut Kirschen essen wäre. Robin will sich gerade wieder leise zurückziehen, da wird er überwältigt. Das schlaue Kerlchen greift zu einem Trick und erklärt der verdutzen Räuberbande, dass er eigentlich auch Bandit werden wollte, sie ihm aber viel zu langweilig und brav seien. Das lassen sich diese nicht einfach so sagen und versuchen mit allen Mitteln, den kleinen Jungen vom Gegenteil zu überzeugen.

Mit List und Tücke gelingt es Robin, sich nicht nur die Räuber vom Hals zu halten, sondern sie auch noch zu beeindrucken. Beziehungsweise nervös zu machen. Und hier kommt das ins Spiel, was gerade kleinere Jungs zum Brüllen komisch finden: der Donnerpups des Räuberhauptmanns. Vor allem, wenn dieser auch noch mit dem beiliegenden Pupskissen nachgemacht werden kann. Das mit zahlreichen Details illustrierte Bilderbuch spielt sowohl mit dieser Thematik als auch mit den Themen Mut, Leichtsinn und Vertrauen. Dass die Räuber dabei sogar feststellen, dass man Bücher nicht nur als Klopapier verwenden kann, ist ein netter Nebeneffekt, der allerdings etwas sehr gewollt noch schnell am Schluss eingebaut ist.

Von der Menge des Textes her ist das Buch genau richtig für eine gemütliche Vorleserunde zwischendrin. Der Text selbst könnte aber durchaus flüssiger sein. Mal sehen, wie es im zweiten Band sein wird, der bereits im März 2017 erscheint und bei dem Außerirdische das Räuberleben durcheinanderbringen.

Der Kinderbuchautor Walko, im wahren Leben Walter Kössler, ist sein eigener Illustrator. Hat Trickfilm und Animations-Erfahrung und ist der Erfinder der Kinderbuchreihe „Hase und Holunderbär“.
3.0 Stars (3,0 / 5)