Jutta Wilke: Roofer

Die erste Reaktion der von uns befragten Zielgruppe auf das Cover war: Cool.
Und damit ist eigentlich alles gesagt, denn „Roofer“ trifft den Nerv. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das ist es, was sie wollen, die Extremkletterer, die ohne Sicherung die Stadt unsicher machen, das Ganze dann filmen und mit den Klicks im Netz die Bestätigung bekommen, die sie suchen.

In diesem Jugendroman geht es genau um eine solche Gruppe von Jugendlichen: Um Alice, die durch ihre Freundin Nasti in eine Rooferszene gerät. Um die Familienhintergründe, die unter anderem dazu geführt haben, um Ängste, die überspielt werden, um Mutproben und Liebesbeweise und darum, wie es sich anfühlt, wenn andere etwas von einem verlangen, das man eigentlich nicht bereit ist zu geben. Erinnert fast ein bisschen an „Denn sie wissen nicht, was sie tun …“
Das Thema selbst ist schon fesselnd, aber wirklich packend wird das Buch erst durch seinen Aufbau: die wechselnde Erzählperspektive, der doch relativ kurze Zeitraum und die Authentizität der Charaktere überzeugen den jugendlichen Leser. Genau wie der auf die Zielgruppe zugeschnittene Schreibstil. Besonders gelungen ist die Rückblende, die erzählt, wie es zum Heute kam, die dabei doch viele Fragen offen lässt und damit dem Leser die Möglichkeit gibt, das Ganze weiterzudenken und seine Schlüsse daraus zu ziehen.

THILO/Jan Birck: Animal Heroes – Geckoblick

Endlich mal wieder eine Jungsbuch-Reihe, die richtig mitreißt, möchte man ausrufen, nachdem man mit den Animal Heroes Bekanntschaft geschlossen hat.
Doch wer sind diese Tier-Helden, die fliegen wie Falken, schwimmen wie Meeresbewohner und die begleitet sind von magischen Tieren? Ganz normale Jungs. Die Abenteuer erleben, die ihresgleichen suchen. Ihre Gegner, die Beast Boys, sind nicht zu unterschätzen und die Themenfelder, die sie bearbeiten müssen, haben zeitkritischen Charakter. Diesmal geht es um die Rodung von Regenwald, um das rücksichtslose Wirtschaften in eigene Taschen und wie immer um die Beziehung, die wir Menschen zu anderen Geschöpfen dieser Erde haben.

Die Zielgruppe sind Jungs im Grundschulalter, die genau auf diese Helden anspringen. Denn für jeden ist ein Charakter dabei, der zu ihm passt. Kein Wunder, ist THILO allein ja schon ein Garant für ein gutes Kinderbuch. Und hätte er noch ein cooles Mädchen mithineingenommen, dann hätte er die Zielgruppe deutlich erweitern können. Auf die Mädels, die nicht auf rosafarbene Einhörner stehen.

Übrigens: Die Animal Heroes sind als Ebook fast genauso teuer wie die gebunden Ausgabe von Ravensburger. Und die kann man viel besser seinen Kumpels leihen.

Andreas Hüging: Jem hört die Haie husten

Am Hummerstrand im Haus Horizont haben Kinder, die es im Leben nicht leicht haben, die Möglichkeit, einen entspannten Sommer zu verbringen. Spastiker, Rollstuhlfahrer, geistig Behinderte oder aber auch Asthmatiker treffen sich hier Jahr für Jahr und tanken auf, während ihre Eltern ebenfalls die Möglichkeit haben, dasselbe zu tun. Doch jetzt soll damit Schluss sein. Ein Baulöwe plant, das Haus Horizont umzubauen zu einer großen und rentablen Hotelanlage. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse: Jem hat plötzlich eine Nachricht in seinem Nachtisch, ein weißer Hai taucht in der Nähe des Strandes auf und letztendlich führt die Spur zu einem Mord. Nicht umsonst heißt das Buch im Untertitel „Die kriminellste Kurgeschichte aller Zeiten“.

Klingt schlimmer als es ist. Dieses Buch ist durchaus gut geeignet für Kinder ab acht Jahren, wobei es wahrscheinlich Jungs eher bevorzugen werden. Neu ist die Thematik mit den Beeinträchtigungen der Kinder, interessant die Darstellungsweise, manchmal aber auch ein bisschen befremdlich in der Wortwahl. Trotzdem: Nervenkitzel im richtigen Maß ist garantiert.