Remo H. Largo/Monika Czernin: Jugendjahre – Kinder durch die Pubertät begleiten

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer – so sah es schon Sokrates. Und wenn man das Ganze noch durch die bösen Computerspiele und das Komasaufen ergänzt, hat man doch gleich mal das Pubertier von heute. Remo H. Largo ist durch seine Bücher „Babyjahre“ und „Kinderjahre“ dafür bekannt, dass er relativiert. Dass er Eltern hilft, nicht hereinzufallen auf reißerische Schlagzeilen und Buchtitel, auf das „So-hat-Ihr-Kind-zu-sein“-Blabla. Und auch in diesem Buch rückt er Dinge ins rechte Licht, weckt Verständnis für die Lebenssituation, in der Jugendliche sich gerade befinden und schärft den Blick dafür, dass es auch an uns Eltern liegt, diese Phase gut mit unseren Kindern zu bestehen, um aus diesen verantwortungsvolle Erwachsene zu machen, die trotzdem nicht nach jeder Pfeife tanzen. Nur leider … eignet sich der Titel nicht als Hörbuch. Wenn überhaupt, dann vielleicht zumindest mit den Original-Stimmen der beiden Autoren, wobei die Rolle von Monika Czernin nicht ganz klar wird.
Was allerdings nicht funktioniert ist das bloße Vorlesen. Denn die Bücher Largos sind keine von der Sorte, die man in einem Rutsch durchliest. Sie eignen sich eher dafür, sie immer mal wieder zur Hand zu nehmen, darin zu blättern und sich neues Wissen anzueignen, sich auch mal bestätigt zu fühlen oder seine eigene Ansicht von einer anderen Seite zu beleuchten. Einen Track nach dem anderen zu hören, nimmt dem Buch das, was es eigentlich ausmacht. Wobei der Sprecher, Helge Heynold, es nicht wirklich besser macht. Und das ist schade. Sehr schade.

Andrea Ulmer: Solange wir uns haben

Eigentlich hat sie ihr Leben im Griff. Jessica ist 42 Jahre alt, alleinerziehende Mama einer pubertierenden Tochter und hat einen Job in einer Agentur. Nicht einfach, ist aber machbar. Bis sie plötzlich von Panikattacken heimgesucht wird. Nicht mehr Auto fahren kann, jede Kleinigkeit ihr schon zu viel wird und sie sich nur noch im Haus verschanzt. Zuerst nervt es ihre Tochter nur, aber Stück für Stück wird es zum Problem und Jessica ist gezwungen, sich helfen zu lassen. Loslassen und anderen die Führung überlassen – das ist die Aufgabe der Protagonistin in ihrem Buch. Um dann wieder zu sich zu finden und neue Wege einzuschlagen.

Ganz ehrlich nervt es manchmal, dass in fast jedem Roman, der eher für Frauen als für Männer ausgelegt ist, mindestens eine, meistens sogar die Hauptperson in einer Agentur arbeitet, irgendwas mit Medien oder Werbung macht. Hier allerdings macht es Sinn, denn wenige Berufe brennen so aus wie diese, in wenigen Branchen herrscht so wenig Verständnis für andere Lebensmodelle als jung, cool und selbstbestimmt. Der Roman spricht ein Thema an, das immer häufiger wird. Eigentlich sogar zwei. Oder drei. Alleinerziehende, Angststörungen und die Tatsache, dass immer mehr Mütter in den Wechseljahren auf Töchter in der Pubertät treffen.

Alles in allem ein Roman, der leicht zu lesen ist und trotzdem zu denken gibt. Der an manchen Stellen ein wenig überzogen wirkt und an anderen etwas mehr „Wumms“ durchaus vertragen hätte. Vor allem aber einer, der in einem völlig falschen Kleid daherkommt. Das Cover passt leider überhaupt nicht. Weder zum Thema noch zur Geschichte.

Katie Kennedy: Der Asteroid ist noch das kleinste Problem

Ein Asteroid rast auf die Erde zu und die besten Wissenschaftler aus der ganzen Welt wurden zusammengetrommelt, um in letzter Minute eine Lösung zu finden. Unter ihnen ist auch Yuri, ein ganz junger russischer Wissenschaftler, der schon studiert hat, als Gleichaltrige noch zur Schule gingen.

Der 17-Jährige weiß ganz genau, wie der Asteroid zu stoppen wäre, aber obwohl er zu den Superhirnen gehört, vertrauen ihm die anderen nicht hundertprozentig und wollen lieber auf Nummer sicher gehen. Nummer sicher allerdings, das weiß Yuri ist die Nummer sicher für die Zerstörung zumindest eines Teils der Erde. Und dann bringt ihn auch noch Luna (wie passend!) aus dem Konzept. Luna ist so ganz anders als andere Mädchen, eine Traumtänzerin mit einer ausgeflippten Familie und einem enormen Vertrauen in Yuris Fähigkeiten, sie ist sich sicher, dass er die Welt retten wird.

Dieses Buch ist eigentlich für Jugendliche geschrieben, aber es ist eines von denen, bei denen es richtig Spaß macht, sie zu lesen – auch, wenn man selbst bereits lang aus diesem Alter raus ist. Es ist witzig geschrieben, die Story hat was und die Protagonisten sind einfach liebenswert komisch.

4.5 Stars (4,5 / 5)

Christina Moracho: Zwillingssterne

Althea und Oliver sind unzertrennlich. Sie verleben ihre Kindheit zusammen, die Jugend, den ersten Kuss – doch bevor sie ihr vertrautes Dasein genießen können, passiert etwas Seltsames. Oliver fällt immer wieder in einen tiefen Schlaf, der manchmal Wochen, manchmal aber auch Monate dauert. Die kurzen Momente, in denen er wach ist, sind Momente, in denen der Junge nicht er selbst ist. In denen er lediglich seine Akkus füllt und wie ein Zombie agiert. Doch Altheas Leben geht weiter. Sie färbt sich die Haare, beginnt zu rauchen, hört mit dem Sport auf, verändert sich komplett. Die Gefahr der Entfremdung wird immer größer. Bis seine Mutter herausfindet, was mit Oliver los ist. Doch gibt es Hoffnung auf Heilung? Und was ist dann mit der jungen Liebe, wenn Oliver dazu wegmuss? Wie wird es den Zwillingen ergehen?

Die Geschichte, ein Debüt, endet anders, als man erwarten würde, Und ist vielleicht genau deswegen ziemlich spannend. Sucht doch jeder von uns irgendwie seinen Seelenverwandten. Und wer will ihn dann, wenn er ihn gefunden hat, schon wieder aufgeben?
3.0 Stars (3,0 / 5)