Maiken Nylund: Rikka – wirklich für immer

Als würde es nicht genügen, dass sie in ihrer großen Patchworkfamilie irgendwie zwischen allen Stühlen sitzt und jedes zweite Wochenende bei ihrem Papa verbringen muss – worüber sich ihre Mama sogar zu freuen scheint – hat sich jetzt auch noch Rikkas beste Freundin verknallt. Und sie soll die beiden verkuppeln. Was nicht nur gründlich schiefgeht, sondern auch dafür sorgt, dass Liese stinksauer ist und Rikka links liegen lässt. Die Zehnjährige hat mit Schmetterlingen im Bauch noch nicht viel am Hut, um es genau zu nehmen, gar nichts und versteht die Welt nicht mehr. Und dann zieht da auch noch ins Nachbarhaus dieser komische Junge ein, bei dem es Rikka nicht gelingt, einen normalen Satz zustande zu bringen … Sie wird doch nicht … oder doch?

Dieses Autorendebüt ist zauberhaft. Die Norwegerin packt alle in diesem Alter wichtigen Themen der heutigen Zeit in nur 120 Seiten und das, ohne auch nur einen Moment die Geschichte zu überladen. Rikka ist ein extrem sympathischer und leicht chaotischer Charakter, mit dem man sich viele junge Leserinnen ziemlich gut identifizieren können.

Susan Nielsen/Leonie Ebbert: Lotti & Dotti

Lotti ist fünf. Und da ist man definitiv bereits alt genug, um mal zwei Wochen bei der Oma zu bleiben. Oma hat viel Zeit zum Spielen, Kuchen backen und reden … Eines Morgen wacht Lotti auf, weil Omas Hund gar nicht aufhören will zu bellen. Sie sieht nach und findet in der Küche ein entlaufenes Pony. Oma und sie bringen es zurück, erfahren, dass es Dotti heißt und niemand etwas dagegen hat, wenn Lotti ein paar Tage auf es aufpasst. Es werden wunderschöne Tage, in denen Lotti & Dotti viel gemeinsam erleben. Doch dann geht es ans nach Hause fahren und Lotti wird sehr traurig …

Coppenrath schafft es immer wieder, Bücher auf den Markt zu bringen, die überraschen. So wie dieses, das von der Machart her, mit den vielen liebevoll geschossenen Fotos, die die Geschichte erzählen, ziemlich 70er ist. Und gerade dadurch besticht. Obwohl nicht nur dadurch, sondern auch mit der Tatsache, dass wohl jedes kleine Mädchen sich schon einmal eine solche Dotti gewünscht hat.

Feridun Oral: Eine Winterfreundschaft

Leo, der Kater, lebt bei Walter. Einem alten Mann, der ihm – findet zumindest Leo – nicht genug Party bietet. Sein Katzenspielzeug ist ihm zu langweilig geworden ist und rund ums Haus ist auch nichts los. Bis ein Eichhörnchen sich in die Nähe des Hauses wagt. Und zutraulich wird. Die beiden freunden sich an und haben viel Spaß miteinander. Bis eines Tages das Eichhörnchen nicht mehr kommt. Leo geht es suchen und verlässt sein Revier Richtung Wald. Es schneit und seine Spuren werden verweht – Leo findet den Weg zurück nicht mehr. Aber er hat Glück …

Britta Teckentrup: Der Maulwurf und die Sterne

[aartikel]3845830662:left[/aartikel]Der Maulwurf fühlt sich manchmal einsam, so ganz allein im Dunkeln. Dann klettert er durch seine vielen Gänge nach oben und bewundert die Sterne. Als er eines Tages eine Sternschnuppe sieht, wünscht er sich, er allein könnte alle Sterne der Welt besitzen und sein Wunsch geht in Erfüllung. Der kleine Maulwurf sammelt mithilfe von Himmelsleitern die Sterne am Himmel ein und bringt sie in sein Zuhause weit unter der Erde, wo sie zunächst zumindest wunderschön strahlen. Doch dieses Handeln hat Folgen …

Die Zeichnungen dieses Bilderbuches sind sehr aussagekräftig, der Text einfach zu verstehen und die Message klar: Wer nur an sich denkt, hat bald verloren. Das ist das Schöne an Bilderbüchern: Sie geben immer wieder einen Anlass, um bestimmte Themen aufzugreifen, gerade Themen, die bei Kindern immer wieder vorkommen und die auf diese Weise fast schon spielerisch, auf jeden Fall aber ohne erhobenen Zeigefinger gemeinsam mit den Kindern bearbeitet werden können.

Thomas Springer/Alexandra Langenbeck: Onno & Ontje – Freunde sind das schönste Geschenk

[aartikel]3649630419:left[/aartikel]Wenn es nach dem alten Fischer Onno ginge, dann zünden sie einfach an Weihnachten eine Kerze an, machen ein wenig Musik und das war’s denn. Seine Frau Olga sieht das ganz anders. Sie möchte einen schön geschmückten Baum in einem schön geschmückten Haus, ein Festmahl, viele Kerzen und Geschenke … so wie es sich eben für Weihnachten gehört. Am nächsten Morgen macht sie sich mit ihrem Boot auf den Weg, um einen Tannenbaum auf ihre Insel zu holen, während Onno und sein kleiner Freund, der Biber Ontje, schon einmal zuhause alles vorbereiten sollen. Doch Ontje hat Wichtigeres zu tun. Er lädt schon mal alle seine Freunde zu sich nach Hause ein, denn was ist Weihnachten ohne Besuch? Onno grummelt. Robben im Wohnzimmer, Möwen im Haus und der Seestern? Soll der etwa an den Weihnachtsbaum. Er hat ja gleich gewusst, dass das mit dem feierlichen Weihnachten eine Schnapsidee war. Als dann aber auch noch ein Schneesturm aufzieht und Olga nicht zurückkommt, müssen die beiden improvisieren. Onnos alte Hose wird zum Baumersatz, das Silberbesteck zum Schmuck – auch mit wenigen Mitteln gelingt es den beiden, Feierlichkeit aufkommen zu lassen. Olga allerdings ist immer noch nicht da und jetzt gehen die beiden sie suchen. Sie ist eingeschneit worden. Aber zum Glück haben die drei ja Freunde – und die dürfen dann später, als alle zusammen feiern, sogar am Baum hängen.

Die Geschichten der kleinen „Familie“ auf ihrer Insel sind nie ohne Hintergrund, geschickt gelingt es, den Kindern etwas beizubringen, was fürs Leben wichtig ist. Wobei die Quintessenz immer die Gleiche ist: Freundschaft ist das Salz in der Suppe des Lebens.

Dani Atkins: Sag ich, ich war bei den Sternen

[aartikel]3426524287:left[/aartikel]Dani Atkins ist ein Garant für gute Geschichten, ihr Buch „Sieben Tage voller Wunder“ ist eines der lesenswertesten Bücher überhaupt, und auch dieses Buch lässt sich gut an. Die ersten hundert, zweihundert, dreihundert Seiten … aber dann merkt man, dass das Buch langsam zu Ende geht und wartet auf die Kehrtwendung der Kehrtwendung, die die Bücher der Frau Atkins so gut sein lassen und dann passiert … nichts. Das mag gespoilert sein, muss aber der Fairness halber gesagt werden. Für alle, die einfach nur mal wieder einen rührenden Roman lesen wollen, über eine Frau, die jahrelang im Koma lag und beim Aufwachen ihre Welt nicht mehr so vorfindet, wie sie sie verlassen hat, über die Kraft von Frauen unter sich und über ein Kind, das zwischen zwei Mummys steht, etwas Rührendes halt … der wird auf seine Kosten kommen. Wer aber Spektakuläres erwartet, wird enttäuscht sein.
Dabei hätte diese Geschichte so viel Potenzial gehabt. Wer lag wirklich im Koma, wessen Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war? Wer hat sich die Welt nur so gemacht, wie sie sein sollte? Und welche Rolle spielt Ryan? Es ist direkt ärgerlich, all diese Möglichkeiten vor Augen zu haben und dann mit so einem Ende abgespeist zu werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Autorin beim nächsten Buch vielleicht ein bisschen mehr Zeit lässt, ihre Story vorher zu durchdenken. Und wieder kleine schriftstellerische „Wunder“ schafft.

Giuliano Ferri: Der kleine Vampir verliert seine Zähne

[aartikel]386566394X:left[/aartikel]Der kleine Nachwuchsvampir findet richtig viel Gefallen daran, anderen Angst und Schrecken einzujagen. Sein Ziel: einmal der gefürchtetste Vampir aller Zeiten zu werden. Doch eines Tages verliert er seine Fangzähne und aus ist es mit dem Erschrecken der anderen. Denn fürchterlich sieht anders aus. Doch keiner der anderen Vampire nimmt ihn ernst, sie versuchen ihn nur, zu beschwichtigen. Die Zähne würden schon wieder wachsen, seien ja nur die Milchzähne gewesen. Doch das tröstet den kleinen Vampir üüüüberhaupt nicht. Was ihn allerdings nicht nur tröstet, sondern ihm auch eine wichtige Erkenntnis beschert, ist die Reaktion der anderen Tiere.

Die Grundgeschichte von Freundschaft ist letztendlich immer wieder die gleiche, aber umgesetzt ist die Thematik hier besonders schön und vor allem extrem phantasievoll. Man kann ihn sich richtig vorstellen, den kleinen Vampir, wie er sein Leben neu ordnen muss und dabei etwas wirklich Wichtiges lernt.

Simona Ciraolo: Komm kuscheln

[aartikel]3959390688:left[/aartikel]Felipe stammte aus einer alten und berühmten Familie, die viel Wert darauf legte, gut auszusehen und sich stets vornehm zu verhalten. Anderen sollte man möglichst niemals zu nah kommen. Felipe ist ein kleiner Kaktus und er kann mit dem stolzen Gehabe seiner Verwandten nicht viel anfangen – er möchte viiiiel lieber in den Arm genommen werden. Eines Tages kommt jemand und die beiden kommen sich näher, aber dann platzt der Luftballon und alle schimpfen mit Felipe. Da haut er ab …

Diese Geschichte geht wirklich sehr zu Herzen, die Zeichnungen sind wunderschön und man kann gar nicht anders, als ganz stark Mitgefühl zu entwickeln für den kleinen grünen Kaktus, der letztendlich doch noch jemand findet, der von ihm in den Arm genommen werden möchte. Und es so richtig genießen kann.

Nonnast/Göhlich: Wer hat Angst vorm schwarzen Gespenst

[aartikel]3280035317:left[/aartikel]Xenophobie – die Angst vor Fremden, die schlummert tief in jedem von uns. Es ist eine ganz natürliche Angst, die auf die Urzeit zurückgeht und uns schützte. Dass wir Menschen heute bereits ein ganzes Stück weiter sein sollten als unsere Vorfahren, sollte eigentlich klar sein. Aber selbst bei uns setzt sie sich – gerade zur Zeit – wieder in den Vordergrund, die Angst. Und zaubert wilde Blüten.
Gespenstern geht es da nicht anders. Wenn eines schwarz statt weiß ist, dann muss es ein Dieb, ein Lügner und auf jeden Fall ein großer Schuft sein. Und sowieso schuld an allem. Selbst, wenn man es selbst war, denn so lässt sich ja prima ablenken. Dass das schwarze Gespenst zusätzlich stinkt, dass es alles kaputt macht und keinen Respekt vor der Natur hat, versteht sich da ja schon fast von selbst.

Irgendwann haben die Gespenster Marti und Luzi genug von dem Fiesling und wollen ihn zur Rede stellen. Doch was sie dann entdecken und was sich daraus entwickelt, ist für die beiden und ihre Freunde wirklich überraschend.

Dieses Buch ist sehr empfehlenswert, um Vorurteilen etwas entgegenzusetzen. So lernen die Kinder bereits von klein auf, dass anders nicht schlecht sein muss. Im Gegenteil.

Sabine Bohlmann/Susanne Straßer: Als die Wolke bei uns wohnte

[aartikel]3219117295:left[/aartikel]Was macht man, wenn einem eines Tages eine kleine schwache Wolke auf den Kopf fällt? Ganz klar, man päppelt sie auf, misst Fieber, tröstet sie, versucht ihr zu helfen – selbst, wenn die Wolke keinen Tee mag. Und man macht sich schlau, was so eine Wolke denn braucht. Die kleine Wolke, die dieses Mädchen plötzlich zuhause hatte, erholt sich schnell und wird ein Super-Spielkamerad. Man kann vom Schrank auf sie hüpfen, auf ihr reiten und mit ihr Gassi gehen. Aber die Wolke wird im Lauf der Zeit immer größer und was dann?

Ein interessanter Ansatz über das Festhalten und Loslassen, über Freundschaft und das, was manchmal einfach getan werden muss. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive erzählt, was für ein Bilderbuch relativ ungewöhnlich ist, sich aber auch nicht so gut vorliest. Überhaupt hat das Buch die Erwartungshaltung, gerade an die Autorin, nicht ganz erfüllt. Denn auch, wenn die Idee gut ist, die Umsetzung ist nicht optimal. Es gelingt nicht, die Leichtigkeit, die man sonst an ihr bewundert, hier wirklich zu spüren. Das betrifft auch die Zeichnungen, die durchaus etwas „niedlicher“ hätten ausfallen dürfen. Ganz schön allerdings ist, was man so ganz nebenbei über Wolken lernt.
2.5 Stars (2,5 / 5)