Dani Atkins: Sag ich, ich war bei den Sternen

Dani Atkins ist ein Garant für gute Geschichten, ihr Buch „Sieben Tage voller Wunder“ ist eines der lesenswertesten Bücher überhaupt, und auch dieses Buch lässt sich gut an. Die ersten hundert, zweihundert, dreihundert Seiten … aber dann merkt man, dass das Buch langsam zu Ende geht und wartet auf die Kehrtwendung der Kehrtwendung, die die Bücher der Frau Atkins so gut sein lassen und dann passiert … nichts. Das mag gespoilert sein, muss aber der Fairness halber gesagt werden. Für alle, die einfach nur mal wieder einen rührenden Roman lesen wollen, über eine Frau, die jahrelang im Koma lag und beim Aufwachen ihre Welt nicht mehr so vorfindet, wie sie sie verlassen hat, über die Kraft von Frauen unter sich und über ein Kind, das zwischen zwei Mummys steht, etwas Rührendes halt … der wird auf seine Kosten kommen. Wer aber Spektakuläres erwartet, wird enttäuscht sein.
Dabei hätte diese Geschichte so viel Potenzial gehabt. Wer lag wirklich im Koma, wessen Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war? Wer hat sich die Welt nur so gemacht, wie sie sein sollte? Und welche Rolle spielt Ryan? Es ist direkt ärgerlich, all diese Möglichkeiten vor Augen zu haben und dann mit so einem Ende abgespeist zu werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Autorin beim nächsten Buch vielleicht ein bisschen mehr Zeit lässt, ihre Story vorher zu durchdenken. Und wieder kleine schriftstellerische „Wunder“ schafft.

Felix Nattermann: Gebt den Kindern die Verantwortung zurück

Nachdem es inzwischen bereits Kindergärten gibt, die stolz darauf sind, den Eltern eine Dauerüberwachung ihres Kindes anbieten zu können und Helikoptereltern zur Gattung Otto Normalverbraucher zu zählen scheinen, nachdem es uns immer schwerer gemacht wird, ein Kind einfach laufen zu lassen (schicken Sie mal ein Kind nachmittags einfach so raus – zum einen ist da kein anderes Kind und zum anderen wird bald gemunkelt, man würde sich nicht anständig kümmern) und Handys es uns leicht machen, unsere Kinder auf Schritt und Tritt zu verfolgen -ist es inzwischen völlig normal, ein Kind in Watte zu packen. Aber so lernt es nicht, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen. So lernt es nicht, sich selbst zu behaupten, ohne gleich nach Hilfe zu schreien und so ist es völlig hilflos, wenn es das erst Mal in die weiterführende Schule gehen soll – mit dem Bus oder mit der U-Bahn, ganz alleine.
Wir Eltern sind inzwischen Allround-Bespaßer, Kinderterminorganisierer und Bodygouard. Der Autor, ein Lehrer, fordert, die Kinder wieder zu mehr Selbstständigkeit zu erziehen. Und zwar nicht frei nach dem gängigen Motto: Wie haben wir damals nur ohne Helm überlebt?, sondern mit Herz und Verstand. Man muss sich ausprobieren dürfen, um herauszufinden, was man kann. Man muss mal durchhalten, wenn man feststellen will, wie gut es tut, etwas doch noch geschafft zu haben und man ganz wichtig: ein Kind muss ein Kind sein dürfen.
Unsere Aufgabe als Eltern ist es, dem Kind zu zeigen, dass es außerhalb von Handy, Tablet und PC noch eine Welt gibt, die genauso spannend sein kann. Eine Mammutaufgabe, der wir uns trotzdem stellen sollten. Eine gute Basis dafür bildet dieses Buch, denn nach seiner Lektüre hat man direkt Lust, den Rucksack zu packen und wandern zu gehen mit den Kindern.

Dani Atkins: Das Leuchten unserer Träume

Sophie ist todunglücklich. Als junges Mädchen hat sie ihren geliebten Bruder verloren, die Eltern sind aus ihrer Trauer nie erwacht und nehmen sie gar nicht richtig wahr und auch sonst läuft es nicht so prickelnd. Schon allein deswegen, weil Sophie das gar nicht zulassen würde. Sie gönnt sich kein Glück. Doch das ändert sich als sie Ben kennenlernt. Ben, den Retter in der Not, der genau dann zur Stelle war, als sie ihn so dringend gebraucht hat. So langsam öffnet sich die junge Frau, glaubt fast schon an sowas wie Liebe und Glück, als sich das Blatt plötzlich wieder wendet.

Dani Atkins gilt als Garant für coole Stories. Für Bücher, die man einfach nicht mehr aus der Hand legen möchte, die einen mitsamt seinen spannenden Schicksalswendungen so richtig packen. Es sind die Bücher, die man sich zur Seite legt für den ganz besonderen Lesemoment und die einen dann nicht enttäuschen. All das erfüllt sich hier leider nicht wirklich. Die Story hat enorme Längen, ist sehr weit an den Haaren herbeigezogen und trotzdem kein bisschen überraschend. Schade. Hoffen wir einfach, dass es nur ein Ausrutscher war.

Ulrich Hoffmann: Konzentrieren ist ja ganz leicht

Das Kind hat bestimmt ADHS – diesen Satz kann man seit ein paar Jahren dauernd hören. Bevorzugt im Zusammenhang mit lebendigen Jungs, denen das stundenlange Stillsitzen von Natur aus schwerfällt und die einfach nicht dafür gemacht sind, Ausmalbildchen zu gestalten. Eine Entwicklung, die bedenklich ist.

Trotzdem ist es nicht zu leugnen, dass viele Kinder unter Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Woran das liegt, dafür kann es viele Gründe geben. Ein hektischer viel zu vollgepackter Alltag, in dem kein Raum bleibt für ruhiges Ins-Spiel-Versinken kann einer der Gründe sein. Denn es braucht Ruheinseln,um immer wieder von der Anspannung in die Entspannung zu kommen. Wenn allerdings wir Erwachsenen das auch nicht schaffen, wie soll es dann den Kindern gelingen?

Da kommt dieses kleine Büchlein, das sich mit Meditationen für Kinder im Grundschulalter beschäftigt, gerade recht. Mit der CD, die von Wissen-macht-ah-Moderator Ralph Caspers besprochen ist. Drei bis vier Minuten, Vorkenntnisse sind nicht nötig – nur wiederholen ist wichtig. Einfach mal ausprobieren und unbedingt mitmachen. Es lohnt sich!

Aus der Reihe noch erschienen: „Keine Angst vor niemand“ und „Einschlafen ist gar nicht schlimm“.

Michael Schulte-Markwort: Kindersorgen

Professor Dr. Schulte-Markwort ist ein bekannter Kinder- und Jugendpsychiater, ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Hamburg und steht tagtäglich vor der Herausforderung, Kindern und Jugendlichen zu helfen, denen sonst keiner mehr helfen will oder kann. Dabei behält er sich den „Kinderblick“, versucht, Situationen nicht als Erwachsener zu betrachten, sondern sich in den jungen Menschen hineinzuversetzen und kann so vieles erklären, was für andere unerklärlich ist. Wie ein Dolmetscher übersetzt er ausgewählte Situationen und öffnet dem Leser so den Blickwinkel, den er einnehmen muss, wenn er verstehen will.
Kindersorgen sind etwas ganz Normales, nur die Sorgen sind andere als die der Erwachsenen. Und ein Kind, das Sorgen hat, wird nicht zwangsläufig zum Sorgenkind. Das unterstreicht der Autor ganz deutlich. Und zwar auch dann nicht, wenn ein Kind mit Sorgen seinen Eltern Sorgen macht. Stattdessen kann mit Hilfe von außen und dem richtigen Blickwinkel die Welt des Kindes wieder geradegerückt werden. Es fühlt sich ernst genommen und verstanden. Damit uns das auch im Alltag – im Kleinen – immer wieder aufs Neue gelingt, ist diese Lektüre eine gute Unterstützung.
Schulte-Markwort hat sich bereits mit mehreren Titeln einen Namen gemacht, ist der Autor der Burnout- und der Superkids. Er schreibt leicht verständlich und hilft dem Leser, zu erkennen, was Kinder belasten kann und wie wir ihnen helfen können.

Guillermo del Toro: The Shape of Water

Wir Menschen glauben immer besser zu sein als die anderen Wesen. Wir glauben sie zu kennen, das Recht zu haben, sie zu erforschen. Und zu quälen. Doch nicht jeder will das hinnehmen. Elisa jedenfalls kann es nicht, als sie merkt, wer im Labor, in dem sie putzt, gefangen gehalten wird. Grausam gefangen gehalten wird. Es ist ein Wesen, halb Mann, halb Amphibie und es hat Gefühle. Die beiden nähern sich an, heimlich. Nicht einmal Elisas beste und einzige Freunde wissen davon, spüren nur, dass etwas nicht stimmt mit ihrer Freundin. Der Frau, für die Schuhe Freiheit bedeuten und die nicht auf herkömmliche Weise sprechen kann.
Als sich die Situation im Labortrakt F-1 zuspitzt, beschließt Elisa, alles zu riskieren, um die Liebe ihres Lebens zu retten.

Kitschig, mag man zuerst denken. Aber kitschig ist dieses Buch überhaupt nicht. Stattdessen zeichnet es spannende Psychogramme der einzelnen Protagonisten, führt Stränge zusammen und öffnet Fantasie-Tore. Das hat auch Hollywood bemerkt und die Geschichte verfilmt.

Dani Atkins: Sieben Tage voller Wunder

Hannah steckt in einer Liebes- und Lebenskrise, die sie versucht, bei ihrer Schwester in Kanada zu bewältigen. Als sie zurück nach Hause fliegt, ist sie zwar immer noch nicht schlauer – aber immerhin schon wieder zu einem kleinen Flirt bereit. Er schaut ja auch zu gut aus, dieser Mann, der ihr auf dem Flughafengelände immer wieder auffällt. Doch leider verliert sie ihn aus den Augen. Ihr Sitzplatz im Flieger ist alles andere als optimal – eingekeilt zwischen einem Kleinkind und einem ziemlich übergewichtigen Mann – und das Personal hat Mitleid mit ihr. Aufgrund von Verspätungen sind einige Plätze im hinteren Bereich des Fliegers frei geblieben und sie darf sich dort hinsetzen. Wo sie auch den charmanten, gut aussehenden Mann wiedertrifft und zwar genau in dem Moment, in dem das Flugzeug in heftige Turbulenzen gerät.
Sie stürzen ab und sind, zumindest da, wo sie gelandet sind, die einzigen Überlebenden – in einer einsamen Wildnis ohne große Hoffnung, schnell gefunden zu werden. Die beiden müssen sich durchbeißen und Logan wird eine Riesenstütze für Hannah. Er motiviert sie, wenn sie kurz davor ist aufzugeben, er weiß, wie man Feuer macht und Wölfe verscheucht – doch als die Rettung naht, ist er nicht aufzufinden …

Dieser Roman ist ein echter Dani Atkins. Es ist genau diese Art von Geschichte, die nur wenige Autoren hinbekommen: die richtige Story, Wendungen, die nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals mit einem U-Turn überraschen und eine Schreibweise, die einen sofort, ab der ersten Seite in den Bann zieht. Ähnlich des Debüts der Autorin sollten dieses Buch all diejenigen lesen, die es mögen, wenn sich die Achsen ihrer Welt verschieben.
5.0 Stars (5,0 / 5)

Dani Atkins: Der Klang deines Lächelns

Charlotte hat schon fast ihr ganzes Leben lang Angst vor Ally. Ally, die erste Liebe ihres Mannes David, die Frau, die dieser nie vergessen konnte und die, so hat sie es empfunden, immer wie ein drohendes Damoklesschwert über ihrer Beziehung schwebte. Doch irgendwann war Ally verdrängt, lebte Charlotte ihr glamouröses Leben mit David. Nur getrübt von der Tatsache, dass sie das Kind, das sie sich so sehr von ihm wünschte, wohl nie bekommen würde. Charlotte kompensiert die Traurigkeit darüber mit Arbeit und das funktioniert bis genau zu dem Moment, in dem Davids Herz versagt und er auf der Intensivstation liegt. Einer Intensivstation, auf der noch ein weiterer Mann um sein Leben kämpft: Joe. Allys Ehemann und Vater eines kleinen Jungen.
Das Wiedersehen der beiden Frauen unter so bedrückenden Umständen lässt beide erst vorsichtig umeinander herumtänzeln. Doch im Verlauf der schrecklichen Stunden des Wartens kommen sich die beiden ehemaligen Freundinnen wieder näher. In kleinen, eingeschobenen Rückblicken, wird der Leser über die Szenen im Leben der beiden informiert, die zu dem geführt haben, was heute ist.
Joe, der, selbstlos wie er immer schon war, einen kleinen Jungen und dessen Hund vor dem Ertrinken gerettet hat, wird darüber sein eigenes Leben verlieren. Als das klar ist, muss Ally eine wichtige Entscheidung treffen und es ist nicht zuletzt ihr Sohn, der den Ausschlag dafür gibt, das Richtige zu tun.
Die Momente in dem Krankenzimmer, in denen die Familie gezwungen ist, sich von einem geliebten Menschen, dem Sohn, dem Mann und vor allem auch dem Vater zu verabschieden, sind so rührend und zu Herzen gehend, dass nur ein Stein den Tränen widerstehen könnte. Dani Atkins ist es wieder einmal gelungen, ein Buch zu schreiben, das man kaum aus der Hand legen möchte. Das einen regelrecht dazu zwingt, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen und das das dringende Bedürfnis auslöst, sofort zu seinen Kindern zu laufen und diese fest in die Arme zu schließen.
Die Autorin, 1958 geboren, lebt in Hertfordshire. „Der Klang deines Lächelns“ reiht sich perfekt ein in die bereits von ihr erschienenen Romane. Denn sowohl „Die Achse meiner Welt“ als auch „Die Nacht schreibt uns neu“ sind Bücher, die zu Herzen gehen. Und das, ohne auch nur einen Moment kitschig zu werden.
4.0 Stars (4,0 / 5)

Nina George: das Traumbuch

Der Kriegsreporter Henri liegt im Koma. Auf dem Weg zu seinem Sohn, den er nie zuvor gesehen hat, ist es passiert und genau dieser Sohn sitzt nun täglich an seinem Bett. Gemeinsam mit Eddie, der Frau, die Henri eigentlich liebt und die ihn liebt, was sie sich vorher nur beide nie eingestanden. Es ist kompliziert, das Geflecht um dem Synästhetiker Sam, die feinfühlige Eddie, das Mädchen Maddy und all die anderen Charaktere, die mehr oder weniger im Leben Henris oder drumherum eine ausschlaggebende Rolle spielen. Letztendlich dreht sich der Roman darum, dass die kleinsten Entscheidungen eines einzelnen im Leben zahlreiche andere Leben positiv oder negativ beeinflussen können. Klingt vielleicht nicht spektakulär, ist es aber. Denn was Henri in seinem Wachkoma erlebt, wie er zwischen den Welten hin- und herkatapultiert wird, wie Sam ihn spüren kann und keiner ihm glaubt, bis auf Eddie, die einfach glauben will…all das ist dermaßen gut in Worte gepackt, dass man das Ende nur tränenreich überstehen kann. Ein Buch, das mal wieder so richtig ans Eingemachte geht. Den Leser mit seinen Ängsten genauso konfrontiert wie mit seinen Hoffnungen. Und das sich dem Thema Koma sehr einfühlsam nähert. Höchst empfehlenswert und mit Sicherheit eines der Besten der Saison. Sozusagen ein Traum von einem Buch, dieses „Traumbuch“.
5.0 Stars (5,0 / 5)

Maya Shetreat-Klein: Darm heilt Hirn heilt Körper

Eigentlich ist sie Neurologin, aber sie hat sich auf Ernährung spezialisiert: Dr. Maya Shetreat-Klein findet es nicht gut, dass man Kindern, die zum Beispiel Verhaltensauffälligkeiten zeigen, Medikamente verschreibt, statt sich erst einmal anzusehen, wie sie sich ernähren. In ihrem Buch erklärt sie, wie die heutige Anbauweise, wie Gentechnik und Zusatzstoffe die Maschine Körper mitsamt Geist zum Stolpern bringen, wie man lernt, auf den Körper zu hören und welche Rolle Keime spielen.
Sie ist nicht die erste, die erkannt hat, dass Bakterien, Viren, selbst Parasiten und Pilze etwas mit unserer Gesundheit zu tun haben und der Darm unsere eigentliche Steuerzentrale ist. Aber sie schreibt so, dass jeder es verstehen kann. Bringt Beispiele und Rezepte, Anleitungen für das gemeinsame Essen und Tipps, wie man mit Situationen umgehen kann, in denen ungesunde Nahrungsmittel kaum umgänglich sind. Obwohl bezweifelt werden darf, dass ein normales Kind an einem Kindergeburtstag den Kuchen ausschlagen wird und sich stattdessen die mitgebrachten Algen, Ingwerstückchen und Süßkartoffelchips zugute führen wird.
Grundsätzlich hat diesen Buch einen guten Ansatz und nimmt man das Übertriebene und Alltagsferne nicht ganz so ernst beim Lesen, dann kann man einiges dazulernen und vielleicht doch das eine oder andere in seinen Alltag integrieren.
2.9 Stars (2,9 / 5)