Ksss!: Lise, Paul und das Garderobenmonster

Sie ist ja ganz niedlich, die Idee, dass zwei Außenseiterkinder wie Lise und Paul auf ein kleines Monster treffen, das ähnliches durchlebt hat. Sie finden es in der Turnhalle, es sieht aus wie einer dieser Puschelschlüsselanhänger in grün und ist aus der Monsterwelt geflogen, weil es nicht wirklich gruselig ist. Lise und Paul versuchen alles, um es dem kleinen Kerl gutgehen zu lassen, sie füttern ihn und besuchen ihn, so oft sie können. Dabei müssen sie nur dem „Scheurer“ aus dem Weg gehen, dem Prototyp des grässlichen Schulhausmeisters, der ihnen dauernd nachstellt, ihnen Angst macht und eine Menge Grenzen dabei übertritt. Erfreulicherweise gibt es da eine aufmerksame Lehrerin, die ihn in seine Schranken weist. Und auch von Lises Mutter kommt Unterstützung.
Trotzdem fehlt dieser Geschichte irgendwie eine ganze Menge. Spannung kommt nicht auf, stattdessen ein schales Gefühl – immer wieder. Nicht nur beim Hausmeister, auch bei den Hänseleien auf dem Schulhof, bei den blöden Sprüchen Erwachsener und bei den schon ziemlich an den Haaren herbeigezogenen Versuchen der Kinder, dem Monster das Angstmachen beizubringen. Auch die Lösungen zum Beispiel zum Thema Mobbing sind reichlich wenig hilfreich.

Am unangenehmsten aber ist die Sprache. Mal abgesehen davon, dass der Lektor durchaus hätte hier und da mehr kürzen dürfen und der Text ein gutes Stück mehr Schwung vertragen hätte: Es werden Ausdrücke verwendet, die man vielleicht in der Schweiz versteht, aber nicht bei uns. Es ist normal, dass man einem Kind beim Vorlesen mal das eine oder andere Wort erklären muss, aber wenn man selbst erst nachschlagen muss, dann stimmt was nicht. Vor allem nicht bei einem Buch, das ja eigentlich bereits für junge Selbst-Leser gedacht ist. Schade, denn Daniele Meocci weiß es eigentlich besser. Der ausgebildete Lehrer hat bereits einen Literaturpreis verliehen bekommen.

Nonnast/Göhlich: Wer hat Angst vorm schwarzen Gespenst

Xenophobie – die Angst vor Fremden, die schlummert tief in jedem von uns. Es ist eine ganz natürliche Angst, die auf die Urzeit zurückgeht und uns schützte. Dass wir Menschen heute bereits ein ganzes Stück weiter sein sollten als unsere Vorfahren, sollte eigentlich klar sein. Aber selbst bei uns setzt sie sich – gerade zur Zeit – wieder in den Vordergrund, die Angst. Und zaubert wilde Blüten.
Gespenstern geht es da nicht anders. Wenn eines schwarz statt weiß ist, dann muss es ein Dieb, ein Lügner und auf jeden Fall ein großer Schuft sein. Und sowieso schuld an allem. Selbst, wenn man es selbst war, denn so lässt sich ja prima ablenken. Dass das schwarze Gespenst zusätzlich stinkt, dass es alles kaputt macht und keinen Respekt vor der Natur hat, versteht sich da ja schon fast von selbst.

Irgendwann haben die Gespenster Marti und Luzi genug von dem Fiesling und wollen ihn zur Rede stellen. Doch was sie dann entdecken und was sich daraus entwickelt, ist für die beiden und ihre Freunde wirklich überraschend.

Dieses Buch ist sehr empfehlenswert, um Vorurteilen etwas entgegenzusetzen. So lernen die Kinder bereits von klein auf, dass anders nicht schlecht sein muss. Im Gegenteil.

Donaldson/Ogilvie: Nelli Spürnase und die verschwundenen Bücher

“Spürnase“ wird sie von allen genannt, denn Nellis Geruchssinn ist stadtbekannt. Sie schnüffelt mal hier, sie schnüffelt mal dort. Geschah ein Verbrechen? Sie riecht es sofort.

So beginnt die Geschichte, deren Hauptperson ein neugieriger und intelligenter Hund ist. Nellie gehört zu Peter, der reichlich unordentlich ist und dem sie mit ihrer Fähigkeit schon so manches Mal aus der Patsche geholfen hat. Doch ihre Lieblingszeit ist die Lesestunde am Montag, zu der Nellie ihren Peter immer begleitet. Doch eines Tages sind plötzlich die Bücher verschwunden. Doch Nellies Spürnase entgeht nichts und sie jagt mitsamt der Kindermeute quer durch die Stadt, um den Bücherdieb zu fangen. Doch als sie ihn haben, ist alles anders als sie dachten …

Ein Bilderbuch nicht nur für Tierliebhaber. Die Zeichnungen von Sara Ogilvie sind anschaulich und bunt, der Text prägt sich durch die Reime gut ein und die Geschichte ist wirklich mal etwas anderes und hat einen schönen Lerneffekt.

Britta Nonnast/Susanne Göhlich: Der falsche Flaschengeist

Bibbi ist ein dauernd bibberndes Zittergespenst, personifizierte Angst und Unsicherheit sozusagen. Aber das hat sie jetzt satt, sie will auch endlich mal jemand sein. Mutig und bewundert. Also lässt sie sich von der Waldhexe Mandoline einreden, dass sie als Bibbixenia, der Flaschengeist, ihre Probleme lösen könnte. Doch eigentlich ist Mandoline nur darauf aus, die kleine Bibbi für ihre Zwecke auszunutzen. Die Wünsche, die Bibbi erfüllt, kosten sie eine Menge, Kraft, Freude und am Schluss fast ihre Freunde.

Die Geschichten rund um die kleine Geisterbande, die 10 kleinen Burggespenster, nehmen Fahrt auf. Und sie könnten sich auf alle Fälle zu einer Buchreihe entwickeln, die einen Wiedererkennungseffekt hat.

Nonnast/Göhlich: Kein Schatz für Zipfel

Der kleine Zipfel ist ein Gespenst und er träumt von Ruhm und Geld. Zwar versucht er es immer wieder mit redlicher Arbeit, aber so ganz schmeckt ihm das nicht. Das geht ihm alles zu langsam. Als er fast schon an dem Punkt angekommen ist, an dem er erkennt, dass Träume sich nicht immer so einfach verwirklichen lassen, bietet sich ihm eine geniale Chance. Die er ergreift, ohne auf seine Freunde oder auch nur seinen gesunden „Geisterverstand“ zu hören.

Mal abgesehen von dem seltsamen Namen, der bei der Zielgruppe immer wieder peinlich angehauchtes Gelächter hervorruft, ist Zipfel ein sehr sympathischer Charakter. Vorübergehend zwar etwas geldgeil, aber er kommt ja schnell auf den Boden der Tatsachen zurück und erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben. Das Buch ist bereits der zweite Teil einer Reihe, die sich um eine kleine liebenswerte Gespensterbande mit Macken dreht und die sich sowohl für Jungs als auch für Mädchen im Grundschulalter gut eignet.

Die Autorin Britta Nonnast beginnt, sich einen Namen zu machen im Bereich der Kinderbuchliteratur. Unterstützt wird sie durch die niedlichen Zeichnungen der Illustratorin Susanne Göhlich, die ebenfalls bereits auf einiges an Erfahrung in diesem Bereich zurückblicken kann.

Sunil Mann: Neue Freunde für Gabriel

Sie suchen noch nach dem perfekten Vorlesebuch für die Vorweihnachtszeit? Oder nach ein klein bisschen weihnachtlichem Zeitvertreib für einen Dritt- oder Viertklässler? Dann ist der kleine Engel Gabriel genau das Richtige. Pünktlich zur Weihnachtszeit ist auch in diesem Jahr wieder ein neuer Band erschienen, bei dem die Engel es mit einem Teufel zu tun bekommen.
Gabriel staunt nicht schlecht, als sein Austauschpartner nicht nur ein Mädchen, sondern auch noch eine Teufelin ist. Doch schnell merkt er, dass die kleine Luzia ein nettes Ding ist und die beiden verstehen sich immer besser. Sehr zum Missfallen Auroras, die darauf ziemlich eifersüchtig reagiert.
Doch als es hart auf hart kommt, stellt sich mal wieder heraus, wie wichtig Freundschaft ist und dass jeder eine besondere Gabe hat, für die es nur die richtige Situation braucht.

Teufel sind ja irgendwie auch Engel – wenn auch gefallene. Dafür allerdings kann der Nachwuchs nichts und das merken die Kleinen ziemlich schnell. Allen Vorurteilen zum Trotz halten sie zusammen und erreichen das, was man mit einem Austausch erreichen möchte: eine Öffnung des eigenen Horizonts.

Moor/Butchart: Eine Klasse für sich – das Klogespenst

Das erste, das einem an diesem Kinderbuch für Erstleser auffällt, ist die krasse Farbgebung. Das gewählte Grün tut einem regelrecht in den Augen weh – Kinder allerdings finden es klasse, genau wie die Aufmachung, die einem selbst etwas hektisch erscheint.
Die Klasse für sich, das sind ganz normale Kinder wie Nick, Sara und Sunita, die sich Gedanken machen, ob sich in Kisten Flüche befinden könnten und wie das mit dem Klomonster ist. Zum Vorlesen eignet sich das Buch, dem man seine englische Herkunft stark anmerkt, aufgrund seiner Art kaum, zum Selbstlesen allerdings schon: wenig Text pro Seite, starke Hervorhebungen, fest unterstrichen mit Bildern und die Geschichten: wie aus dem Leben eines Grundschülers. Das können sie sich vorstellen, so gehen sie miteinander um, das ist ihnen nahe.
Fazit: Es wird nicht das Buch werden, das die Erwachsenen am liebsten haben, aber Kinder mögen sowas. Vor allem Jungs. Und wer richtig Spaß daran hat: Es gibt einen zweiten Band der Spezialklasse.
3.0 Stars (3,0 / 5)

Foccroulle/Masson: Opas geheimnisvoller Garten

Lina muss in den Ferien zu Opa aufs Land und etwas noch langweiligeres kann sie sich überhaupt nicht vorstellen. Sie beneidet ihre Freundin, die jetzt am Strand liegen darf. Und als Opa sie bittet, im Garten zu helfen, ist sie zunächst nicht sonderlich begeistert. Zwiebeln brennen in den Augen, Kohl stinkt. Ätzend findet sie das. Und den Dreck unter den Fingernägeln, den kriegt man auch nicht mehr raus. Aber dann beginnt das Gemüse, mit ihr zu sprechen und der kleinen Lina tun sich völlig neue Welten auf: vom Hegen und vom Pflegen, vom Wachsen und Vergehen…

Da sieht man mal wieder, was man von Opas alles lernen kann.
Dieses Bilderbuch ist ausnehmend schön. Das Zusammenspiel zwischen Zeichner und Texter ist optimal, kindgerecht und auch für Erwachsene schön anzusehen. Der prahlende, dicke Kürbis, der kluge Lauch und die spendable Bohne – würde das Verspeisen derselben nicht ebenfalls ausführlich thematisiert, würde man in den nächsten Tagen wohl kein Gemüse mehr herunterbringen. Aber so schmeckt es gleich noch viel besser!
4.0 Stars (4,0 / 5)

Sunil Mann: Immer dieser Gabriel

Gabriel hat es nicht einfach im Engelsinternat – es fällt ihm schwer, sich an die Regeln zu halten. Und er hat keine Lust, sich von anderen ärgern zu lassen. Die Internatsleiterin ist nicht begeistert. Aber wirklich streng ist sie auch nicht. Auch, wenn er ab und zu die Milchstraße säubern oder die Pfeile für Amor spitzen muss – der kleine Nachwuchsengel erinnert sie nämlich ziemlich an sich selbst. Und deswegen bekommt Gabriel auch die Chance, schon vorzeitig als Schutzengel auf die Erde zu kommen. Ein ziemlich spannendes Abenteuer. Das fast noch ein bisschen gelungener wäre, wenn man es in 24 Kapitel eingeteilt hätte. Das hätte sich gerade bei einem Buch wie diesem wirklich angeboten.

„Immer dieser Gabriel“ ist niedlich illustriert und gut geschrieben. Schön zum Vorlesen und prima geeignet auch für kleine Erstleser. Mit einer großen Einschränkung: Wieso schaffen es die Verlage nicht, wenigstens die Kinderbücher ohne Fehler zu drucken? So schwer kann das Lektorat eines solchen Buches doch nicht sein? Ein Wort wie „Regebogen“ dürfte da wirklich nicht vorkommen! Und noch eine weitere Anmerkung: Wenn man witzig sein möchte, dann müsste man das manchmal zu Ende denken, denn wie soll man einem Grundschulkind erklären, was am „Sauren Regen“ lustig sein soll? Das fällt schwer, wenn man selbst in der Zeit des Waldsterbens aufgewachsen ist.

Sunil Mann lebt in der Schweiz und ist der Sohn indischer Einwanderer. Man kennt ihn eher als Krimiautor mit zahlreichen Auszeichnungen. Wie schön, dass er sich auch mal an eine Kindergeschichte gewagt hat. Sollte er öfter machen.
4.5 Stars (4,5 / 5)

Ivan Bates: Der Schreckbär

„Einst lebte ein Bär, der war nicht zu zähmen: Er konnte sich einfach nicht gut benehmen.“ So beginnt ein Bilderbuch, das sich auf sehr amüsante Weise mit Charakteren auseinandersetzen, die Dinge lustig finden, über die andere so gar nicht lachen können. Der Schreckbär zum Beispiel findet es ultrakomisch andere so richtig zu erschrecken. Doch irgendwann langt es den Tieren und sie wollen sich rächen. Aber einer bleibt vernünftig. Das kleine Kaninchen ist überzeugt davon, dass der Bär gar keine bösen Absichten hat. Ihm aber nie jemand beigebracht hat, freundlich zu sein.
Die anderen Tiere sind zwar nicht so recht überzeugt, lassen das Kaninchen aber machen. Und dieses Vertrauen lohnt sich…

Ivan Bates ist ein ganz zuckersüßes Bilderbuch in Reimen gelungen, das ein Thema aufgreift, das man in Kindergärten oft erleben kann. Kleine Kinder, die sich nur durch Lautstärke und Drohgebärden verständigen und die damit dauernd anecken. Nur, weil ihnen nie jemand gezeigt hat, wie man anders auf andere zugeht. Die nur hoffen können, auf verständnisvolle Pädagogen zu treffen, um nicht ganz schnell den „Schreckbär-Stempel“ aufgedrückt zu bekommen.
Ivan Bates studierte Illustration in Manchester und hat bereits viele Kinderbücher illustriert. Die meisten davon sind bisher aber nur in England erschienen. Das wird sich hoffentlich ändern.
4.0 Stars (4,0 / 5)