Dani Atkins: Das Leuchten unserer Träume

Sophie ist todunglücklich. Als junges Mädchen hat sie ihren geliebten Bruder verloren, die Eltern sind aus ihrer Trauer nie erwacht und nehmen sie gar nicht richtig wahr und auch sonst läuft es nicht so prickelnd. Schon allein deswegen, weil Sophie das gar nicht zulassen würde. Sie gönnt sich kein Glück. Doch das ändert sich als sie Ben kennenlernt. Ben, den Retter in der Not, der genau dann zur Stelle war, als sie ihn so dringend gebraucht hat. So langsam öffnet sich die junge Frau, glaubt fast schon an sowas wie Liebe und Glück, als sich das Blatt plötzlich wieder wendet.

Dani Atkins gilt als Garant für coole Stories. Für Bücher, die man einfach nicht mehr aus der Hand legen möchte, die einen mitsamt seinen spannenden Schicksalswendungen so richtig packen. Es sind die Bücher, die man sich zur Seite legt für den ganz besonderen Lesemoment und die einen dann nicht enttäuschen. All das erfüllt sich hier leider nicht wirklich. Die Story hat enorme Längen, ist sehr weit an den Haaren herbeigezogen und trotzdem kein bisschen überraschend. Schade. Hoffen wir einfach, dass es nur ein Ausrutscher war.

Lauren Oliver: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Wohl jeder von uns hat sich schon mal überlegt, was er tun würde, wenn er wüsste, dass dies sein letzter Tag ist. Samantha Kingston bekommt diese Chance vom Schicksal, es dauert allerdings eine Weile, bis sie bemerkt, dass es eine Chance und keine Strafe ist.
Der 12. Februar sollte eigentlich ein oberflächlicher Tag wie jeder andere sein. Mit ihren Freundinnen, mit Schuleschwänzen, rumknutschen und Partymachen. Doch dann stirbt das Mädchen bei einem Autounfall und siebenmal hintereinander ist alles anders und doch gleich. Stück für Stück versteht das It-Girl, was wirklich wichtig im Leben ist …

Ein heftiges Thema, fast schon eine Gesellschaftskritik und von „Täglich grüßt das Murmeltier“ weit entfernt, perfekt umgesetzt von Anna Thalbach als Sprecherin. Die Zielgruppe liegt bei jugendlichen Mädchen, aber auch für Erwachsene ist die Thematik durchaus ein interessanter Denkanstoß.

Hans Christian Andersen: Die kleine Meerjungfrau

Was gibt es gerade in diesen Tagen Schöneres als eine gute, ein bisschen melancholische und gern auch sehr alte Geschichte, eine Tasse Tee und eine Kerze auf dem Tisch? Am besten ist es, wenn die ganze Familie zusammengekuschelt auf dem Sofa liegt und einer vorliest und welche Buchreihe würde sich da besser eignen als die pracht- und fantasievoll illustrierten Märchenbücher von Coppenrath?

Neben Peter Pan, Die Schöne und das Biest und Das Dschungelbuch gibt es nun auch die kleine Meerjungfrau, kombiniert mit anderen Märchen in dieser zauberhaften, kunstvollen Umsetzung. Zwölf Andersen-Märchen setzen die Designkünstler MinaLima in dieser Ausgabe in Szene: interaktive Extras, viele Illustrationen und kunstvolle Momente bieten die Möglichkeit, fast auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken.

Wer also noch ein echt schönes Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für einen Bücherliebhaber – egal welchen Alters – sucht, liegt hier genau richtig.

Martin Muser: Kannawoniwasein – Manchmal muss man einfach verduften

Kannawoniwasein! Da fährt man das erste Mal allein mit dem Zug und dann sowas: Finn wird beklaut. Und als ob das nicht schon genug wäre, landet Finn ohne seine Fahrkarte irgendwo im Nirgendwo. Könnte schlimm sein, ist es aber nicht, denn nur so lernt der Junge Jola kennen. Die coole Jola, die sich nichts gefallen lässt und weiß, wo’s langgeht. Im übertragenen wie im wahrsten Sinne des Wortes. Und diese Reise zurück in die City beinhaltet einiges an Aufregung. Und wie das so ist in solchen Situationen: Das schweißt zusammen.

Dieses vertonte Buch galt als das Überraschungsbuch des Jahres 2018 und ist genau das Richtige für Fans von Emil & die Detektive oder Rico & Oskar. Stefan Kaminski als Sprecher holt dann noch den letzten Rest raus und macht das Hörbuch zu einem echten Highlight.

Judith Kerr: Das große Buch von Kater Mog

Keiner ist süßer als er: Kater Mog hat sich bereits seit gefühlten Ewigkeiten ins die Herzen seiner Leser geschlichen und umso schöner ist es jetzt, dass die Lieblingsgeschichten vieler nun in einem Band versammelt sind. Der Kater opfert sich, wenn der kleine Nicky keine Frühstückseier mag, er wird nachts verzweifelt von seinen Menschen gesucht, wenn er nicht heimkommt und ganz nebenbei stellt er auch noch Einbrecher.

Die Zeichnungen dieser Geschichten sind mindestens so eindrucksvoll und eingängig wie ihr Inhalt und bereits für die ganz Kleinen optimal geeignet. Kater Mog muss man einfach lieben und seine Erschafferin als Autorin einfach verehren – sie ist unter anderem die Verfasserin von „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Daniel Glattauer: Vier Stern Stunden

Eines gleich vorweg: Ein typischer Glattauer ist dieses (Hör-)Buch nicht. Schlecht ist es aber auch nicht.

Bei den Kulturtagen im Hotel Reichenshoffer ist die Unlust dem Romanautor Frederic Trömerbusch, der hier interviewt werden soll, direkt ins Gesicht geschrieben. Und dabei ist es dem in die Jahre gekommenen Herrn auch ziemlich egal, dass die ihm gegenübersitzende Journalistin Mariella Brem eigentlich ein großer Fan von ihm ist und sich diese eine Begegnung doch so ganz anders ausgemalt hatte. Trömerbusch will zurück ins Hotelzimmer zu seiner jungen Geliebten, die ihn, den Autor mit der Schreibblockade, wieder auf junge, frische, erfrischende Pfade führen soll. Doch dazu hat diese, eine Bloggerin, überhaupt keine Lust. Und mischt die Veranstaltung lieber ein bisschen auf.

Das Stück, das in einem etwas abgehalfterten Vier-Sterne-Hotel spielt, ist kurzweilig, die 90 Minuten vergehen wie im Flug, einzig der Sprecher des Hotelerben überzeugt ganz und gar nicht. Kritisieren könnte man auch, dass Glattauer die sonst so fein geschliffenen Wendungen des Lebens, die er normalerweise spitz und pointiert zur Sprache bringt, hier eher nicht zur Geltung kommen lässt. Stattdessen entstand ein Stück, das an persönlicher Tragik, genau weil ebendiese Tragik fehlt, nichts zu wünschen übrig lässt.

Ostwind: Der große Orkan

Es wird immer abenteuerlicher auf Gut Kaltenbach. Diesmal wird Zirkusluft geschnuppert. Die kleine Ari, die sich während Mikas Zeit in Amerika um den Hengst Ostwind kümmert, ist fasziniert vom Kunstreiten, das im Zirkus vorgeführt wird. Sie freundet sich mit dem Zirkusjungen Carlo an und schmiedet mit ihm – als der Star der Manege ausfällt – einen aufregenden Plan, in dem natürlich Ostwind wieder einmal die Hauptrolle spielt. Das aber allein ist nicht die Geschichte, hinzu kommen Verbrecher und die Erfüllung großer Wünsche. Das ganz große Kino mal wieder – im wahrsten Sinne des Wortes, denn man kann eigentlich nur abwarten, wann das Buch verfilmt wird.

Mika und Ostwind – das Dreamteam schlechthin ist diesmal leider nicht das Haupt-Couple des Romans und damit ist für viele Leserinnen, die die beiden die letzten Jahre treu begleitet haben, gleich mal der Ofen aus. Gut ist es allerdings für Nachwuchsostwindliebhaber, denn so kommt man ganz neu in die Geschichte hinein und muss nicht zwingend die vorherigen Bücher alle gelesen haben.

Malm/Möbus: Antiobiotische Heilpflanzen

Liesel Malm ist seit vielen Jahren als Kräuter-Liesel bekannt, sie hält Vorträge, schreibt Bestseller aus dem Heilpflanzenbereich, hat selbst einen Garten voll mit allem, was man zum Heilen braucht und würden wir ein paar Jahrhunderte die Zeit zurückdrehen, dann …
Frauen mit ihrem Wissen gibt es schon immer, aber nur wenigen ist es gelungen, es durch die Zeiten zu retten. So langsam aber kommt das alte Wissen wieder durch und den Menschen wird klar, dass bei all dem Gift um sie herum die Pflanzen ihnen helfen können. Und zwar nicht nur als Pulver und Tinkturen, sondern auch als Nahrung.
Sowohl Liesel Malm als auch ihre Tochter Magret Möbus waren an Krebs erkrankt und beiden sind davon überzeugt, dass ihre ausgewogene, überwiegend basische Ernährung und der Nutzen von Knollen wie Zwiebeln oder Ingwer ihnen dabei geholfen hat, die tückische Krankheit zu besiegen.
In ihrem neuesten Buch zeigt die Pflanzenkennerin, wie viele Pflanzen und Wirkstoffe es gibt, die antiobiotische Wirkung zeigen. Das wird umso wichtiger als es uns immer bewusster wird, welchen Schaden wir anrichten, wenn wir jeden bakteriellen Infekt – und leider oft auch jeden viralen – mit künstlichen Antibiotika versuchen in die Knie zu zwingen und dabei selbst in die Knie gehen.
Künstliche Antibiotika greifen nicht nur das an, was bekämpft werden soll, sondern richten richtig Schaden an, vor allem im Darm, der für unsere Gesundheit unerlässlich ist. Dabei haben viele Pflanzen im Lauf der Jahrmillionen antibiotische Wirkstoffe entwickelt, die wir mitnutzen dürfen. Die 50 wichtigsten werden in diesem Buch vorgestellt, mitsamt ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.
Ein Buch, das man vor allem zuhause haben sollte, wenn Kinder mit im Haus leben. Denn es gibt viele Möglichkeiten der schnellen Hilfe aus der Natur – und in den meisten Fällen ist es das wert, es erst einmal auszuprobieren. Und so manch einer kommt vielleicht auch auf den Gedanken, sich ein kleines Kräutergärtchen anzulegen.

Jerry Scott & Jim Borgman: Nur kein Stress!

3 Bände in einem – Zits soweit das Auge reicht, das allein würde schon genügen, um diesem Buch Ehre zu erweisen. Denn ein Comic allein ist einfach immer viel zu schnell vorbei.
Jeremy ist ein ganz normaler Jugendlicher und allein das macht ihn schon per se zur Witzfigur und nicht nur ihn, auch ganz automatisch seine Eltern. Denn wie heißt es so schön? Pubertät ist dann, wenn die Eltern komisch werden.
Das geht auch Jeremy so, für den Mama und Papa mindestens von einem anderen Stern kommen, diese aber immer wieder damit kämpfen, dass ihre eigene Teenagerzeit nicht erst seit ein paar Jahren vorbei ist und sie wirklich, wirklich, wirklich nicht mehr cool sind. Egal, wie in sie einmal waren.
Jeremy und seine Freunde wundern sich, warum die Spielplatzgeräte plötzlich so klein sind, sie kämpfen mit romantischen Gefühlen, die definitiv mit der gewünschten Coolness kollidieren, sie futtern ganze Kühlschränke leer und fragen direkt im Anschluss, was es heute eigentlich zu essen gibt und sie treiben ihre Umwelt in den Wahnsinn – sie sind also völlig normal und genau das macht es so komisch. Denn man erkennt zum einen sich selbst im Kind als auch im Erwachsenen …

Marko Simsa/Doris Eisenburger: Der Zauberlehrling

Natürlich ist er weder von Simsa, noch von Eisenburger, sondern von Goethe, der Zauberlehrling. Und das bleibt er auch. Die kindgerechte Umsetzung der wunderschönen alten Ballade aber ist den beiden ganz toll gelungen.
Trägt man einem Kind den Zauberlehrling vor – und das kann man noch so toll machen – wird es nur wenig verstehen. Durch die bildliche und vertonte Unterstützung allerdings gelingt es, die Stimmung so zu unterstreichen, dass von ganz alleine Bilder vor dem inneren Auge entstehen. So erschließt sich selbst Grundschulkindern ganz schnell der Zauber der alten Sprache.

In dieser Reihe aus dem Hause Annette Betz wird Großes geleistet, indem man unseren Kleinen große Stücke und auch große Künstler ganz nahebringt.
Letztendlich bleibt nur ein Kritikpunkt. Nicht jeder mag musikalische Untermalung. Sollte man sich also entscheiden, das Buch ohne die beigelegte CD zu nutzen, dann ist es umso ärgerlicher, wenn der erklärende Text durch die dauernden Hinweise auf die Instrumente an Flüssigkeit verliert.