Emma Sternberg: Liebe und Marillenknödel

Zugegeben, die Geschichte ist etwas kitschig. Aber wer romantischen Kitsch ab und zu mal mag, ist bei dieser Geschichte schon richtig. Eigentlich passiert der Hamburgerin Sophie genau im richtigen Moment das, was sie braucht. Sie erbt einen Hof in den Bergen – mitsamt Gastronomie. Und weil sie sowieso gerade ihren Job verloren hat und ihr Freund lieber den Mund seiner Chefin an sein bestes Stück lässt, macht sie sich auf den Weg, um die Pension zu führen. Was sie allerdings erwartet, ist ein hartes Stück Arbeit. Denn irgendetwas stimmt mit dem Hausmeister und dem Zimmermädchen nicht, der Gasthof hat keine Gäste mehr und das Essen … Irgendwann taucht Nick in der Geschichte auf und gemeinsam … na, wie das halt so ist. Es kommen ein paar Schwierigkeiten, sie meistern sie erfolgreich und schlagen die Konkurrenz.

Wenn man nicht viel nachdenken möchte, einfach einmal wieder eine Geschichte braucht, die einem die Zeit vertreibt und auf andere Gedanken kommen lässt, dann ist diese von Britta Steffenhagen gelesene CD durchaus das Richtige. In Frage stellen, darf man aber weder das Glück der Protagonistin, noch deren Unfähigkeit, mit 33 Jahren einen Tisch so zu decken, dass die Gabel richtig liegt.

Saumüde!

Der Tag war lang, Mama Schwein ist saumüde. Nicht so der Nachwuchs. Das kleine Ferkel ist hellwach und es ist ihm auch ganz egal, dass die Hühner schon gähnen. Es weckt sie einfach schnell wieder auf. „Ich glaube, ich bin auch nachtaktiv“, stellt es begeistert fest, als es die Eule kennenlernt. Mama Sau sieht das ein bisschen anders und gibt ihr Bestes, um ihr Kleines zur Ruhe zu bringen. Das allerdings glaubt, kein bisschen müde zu sein und wird immer überdrehter. Fast kommt es zum Unglück … aber zum Glück sind Mamas ja immer dann hellwach, wenn es drauf ankommt.

Eine Thematik, die fast alle Eltern kennen: Man selbst kann kaum mehr die Augen aufhalten, die Kinder allerdings finden tausend Gründe, um nicht ins Bett zu müssen. Schließlich gibt es ja noch so viel zu erleben. Ein schönes Bilderbuch, um abends einen ereignisreichen Tag abzuschließen.  

Schindler/Zachenhofer: Die geteilte Seele

Wer möchte nicht eins mit sich werden? Ein Facharzt für Psychiatrie und eine Neurochirurgin, die inzwischen ebenfalls in der Psychiatrie arbeitet, sind davon überzeugt, dass vier Persönlichkeiten in unserer Seele wohnen. Ganz neu ist dieser Gedanke nicht, man kennt ihn nicht zuletzt von Herrn Faust und nicht zuletzt aus verschiedenen Kulturen und Richtungen. Den beiden Autoren ist es ein Anliegen, dass jeder in der Lage ist, die verschieden stark ausgeprägten Anteile in sich zu erkennen und miteinander ins Lot zu bringen.

Die vier verschiedenen Persönlichkeiten in uns – die mit multiplen Persönlichkeiten gar nichts zu tun haben – helfen uns, die Herausforderungen, die das Leben an uns stellt, in den Griff zu bekommen. In der Regel gelingt das ganz gut und wir richten uns in einer Hauptpersönlichkeit ein bisschen ein. Das allerdings nimmt uns Möglichkeiten. Um sich selbst ein bisschen mehr kennenzulernen – dafür eignet sich der Selbsttest sicher. Ob das Buch an sich einen weiterbringt ist die Frage – denn das Problem ist: Es bringt zum einen nichts wirklich Neues auf dem Selbsterkenntnismarkt und zum anderen ist es nicht wirklich flüssig geschrieben und irgendwie schwer zu lesen, ohne schwere Kost zu sein. Vielleicht hätten die beiden einen Linguisten ins Boot holen sollen. Denn eigentlich treffen sie den Nerv der Zeit.

Susan Nielsen/Leonie Ebbert: Lotti & Dotti

Lotti ist fünf. Und da ist man definitiv bereits alt genug, um mal zwei Wochen bei der Oma zu bleiben. Oma hat viel Zeit zum Spielen, Kuchen backen und reden … Eines Morgen wacht Lotti auf, weil Omas Hund gar nicht aufhören will zu bellen. Sie sieht nach und findet in der Küche ein entlaufenes Pony. Oma und sie bringen es zurück, erfahren, dass es Dotti heißt und niemand etwas dagegen hat, wenn Lotti ein paar Tage auf es aufpasst. Es werden wunderschöne Tage, in denen Lotti & Dotti viel gemeinsam erleben. Doch dann geht es ans nach Hause fahren und Lotti wird sehr traurig …

Coppenrath schafft es immer wieder, Bücher auf den Markt zu bringen, die überraschen. So wie dieses, das von der Machart her, mit den vielen liebevoll geschossenen Fotos, die die Geschichte erzählen, ziemlich 70er ist. Und gerade dadurch besticht. Obwohl nicht nur dadurch, sondern auch mit der Tatsache, dass wohl jedes kleine Mädchen sich schon einmal eine solche Dotti gewünscht hat.

Feridun Oral: Eine Winterfreundschaft

Leo, der Kater, lebt bei Walter. Einem alten Mann, der ihm – findet zumindest Leo – nicht genug Party bietet. Sein Katzenspielzeug ist ihm zu langweilig geworden ist und rund ums Haus ist auch nichts los. Bis ein Eichhörnchen sich in die Nähe des Hauses wagt. Und zutraulich wird. Die beiden freunden sich an und haben viel Spaß miteinander. Bis eines Tages das Eichhörnchen nicht mehr kommt. Leo geht es suchen und verlässt sein Revier Richtung Wald. Es schneit und seine Spuren werden verweht – Leo findet den Weg zurück nicht mehr. Aber er hat Glück …

Brause/Sieverding: Pfui Spucke, Lama!

Die anderen Tiere finden das Gespucke des Lamas echt eklig. Und deswegen wollen sie auch nicht, dass das Lama mitmacht – und das, obwohl sie ziemlich viel zu tun haben, um die geplante Kirmes auf die Beine zu stellen.

Das Lama möchte sooo gerne helfen und versucht es immer wieder. Es beschenkt die anderen und sie mögen es trotzdem nicht. Langsam ist es richtig verzweifelt, kann es doch nichts dafür, dass es so ist, wie es ist. In der Nacht kann es vor lauter Traurigkeit nicht schlafen und entdeckt …

Dazugehören zu wollen ist ein Gefühl, das jeder im Leben mal erlebt. Angefangen vom Kindergarten bis hin zum Berufsleben. Dieses kleine Bilderbuch zeigt, dass es sich lohnt, bei „Neuen“ auch mal genauer hinzusehen. Denn das, was vielleicht wie ein Makel aussieht, könnte eine Stärke sein.

Jules Wake: Covent Garden im Schnee

Dieses Buch macht es dem Leser nicht einfach. Es kommt daher wie ein typischer langweiliger Liebesroman, wirkt vom Cover her wie vom Wühltisch und zeigt doch in seiner zweiten Hälfte weitaus mehr Tiefgang als man ursprünglich erwartet hatte. Die Hauptperson ist Tilly, angestellt an einem ehrwürdigen Theater als Maskenbildnerin. Und da die wenigsten Menschen kreativ und logisch zugleich sein können, ist Tilly eben nur ersteres. Von Technik versteht sie so gut wie gar nichts, will auch nichts davon verstehen und wenn der Computer nicht so will wie sie, dann zieht sie eben einfach den Stecker.

Bis Tilly sich und dem Rest des Theaters einen Computervirus einfängt, klappt das auch ganz gut. Dann aber wird ihr der IT-Experte Markus vor die Nase gesetzt, kombiniert mit dem Ultimatum, direkt gefeuert zu werden, wenn sie sich nicht auf ein paar Nachhilfestunden einlässt. Soweit so gut so vorhersehbar.

Dann allerdings nimmt die Geschichte endlich mal ein bisschen Fahrt auf. Die eigentlich fest gebundene Tilly verliert den Kopf – einmal virtuell und einmal real. Und als dann auch noch Privates aus dem Theater an die Öffentlichkeit dringt und ihr Freund mehr Anteil an der Chose hat, als Tilly lieb ist, wird’s spannender.

Kai Lüftner: Sei kein Frosch

Hope ist ein Laubfrosch und weil bei der Vererbung der Farbe Grün das Gelb gefehlt hat, ist er eben blau. Hope ist anders als andere Frösche. Was vor allem auch daran liegen kann, dass er eine andere Erziehung genossen hat. Seine Mutter hat eine Weile bei den Menschen gelebt und dort einiges aufgeschnappt. Leider ist sie bereits früh verstorben und Hope, einziger Überlebender seiner Familie, muss sich mehr oder weniger alleine durchschlagen. Was ihm dank seiner Intelligenz auch ziemlich gut gelingt. Eines Tages findet er einen Toten im Teich und er weiß auch, wer das ist: ein Umweltschützer, der versucht hat, ein Bauprojekt auf den Wiesen, auf denen Hopes Heimat liegt, zu verhindern. Der kleine blaue Frosch macht sich ans Werk, um den Mörder zu finden. Und bekommt dabei menschliche Unterstützung.

Man kennt ihn von Furzipups und den Finstersteins – Kai Lüftner hat sich inzwischen durchaus einen Namen gemacht auf dem Kinderbuchmarkt. Und auch dieses Buch ist nicht schlecht. Wirklich hervorragend allerdings ist es leider auch nicht. Das liegt vor allem an einer Sprache, die alles andere als kindgerecht ist und bei der Wörter verwendet werden, die ein normaler Zehnjähriger jetzt nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Beim Vorlesen ist man also dauernd gezwungen zu stoppen, um zu erklären und beim Selbstlesen wird im besten Fall darüber weggelesen. Beides nicht optimal. Doch der Erwachsenenblick scheint sich von dem der Zielgruppe in diesem Fall gewaltig zu unterscheiden. Denn die findet den kleinen blauen Detektivfrosch spannend und cool.

Tracey Garvis Graves: Annika Rose und die Logik der Liebe

Noch vor gar nicht langer Zeit hätten die meisten einfach nur gesagt, Annika spinnt ein bisschen. Die junge Frau hat nämlich zahlreiche Eigenarten, die sehr seltsam anmuten. Sie ist nicht gern unter Leuten, fremde Situationen machen ihr Angst, Routine gibt ihr Halt. Routine und das Schachspiel, in dem sie komplett aufgeht. Ihre einzige Freundin Janice hilft ihr, die aufgrund ihrer Verhaltensmuster jahrelang zuhause unterrichtet wurde, sich auf dem Uni-Campus zurechtzufinden. Und bewahrt sie vor dem Gespött der anderen. Sie ist es auch, die den Schachclub auftut und Annika den Weg dorthin ebnet. Endlich hat die junge Frau einen Ort, der ihr Sicherheit bietet. Und an dem Jonathan auftaucht und ihr Leben durcheinanderwirbelt. Die beiden führen eine gute Beziehung – bis Jonathan beruflich weg muss und Annika nicht in der Lage ist, ihm zu folgen. Ihre Wege verlieren sich. Doch wie so oft im Leben treffen auch Annika und Jonathan sich ein zweites Mal …

Dieser Roman der New-York-Times-Bestseller-Autorin Tracey Garvis Graves behandelt ein Thema, das immer mehr an die Öffentlichkeit drängt: Autismus bzw. seine Facetten. Annika Rose leidet unter ihrer  Autismus-Spektrum-Störung und findet ihre Mitmenschen meistens verwirrend, bisweilen sogar beängstigend. Sie tut sich schwer damit, das Verhalten anderer richtig einzuordnen und braucht den Schutz derer, die es gut mit ihr meinen. Jonathan ist, genau wie Janice, eine wichtige Stütze. Wie sehr sie ihn liebt, wird ihr allerdings erst dann bewusst, als sie ein zweites Mal im Begriff ist, ihn zu verlieren.

Wirklich gerecht wird der Roman seiner Protagonistin trotzdem nicht. Wer es liest, und nicht mehr über Autismus weiß, wird schnell denken, dass dem Begriff „strange“ einfach nur ein anderer Name gegeben wurde. Statt die Handlung gegen Ende extrem dramatisch, aber auch sehr unglaubwürdig werden zu lassen, wäre es vielleicht besser gewesen, sich tiefer mit den Facetten dieser Entwicklungsstörung zu beschäftigen.

Kobi Yamada/Gabriella Barouch: Vielleicht

[aartikel]3947188854:left[/aartikel]Dieses Bilderbuch ist zauberhaft. Für Erwachsene und große Kinder. Für kleine eher nicht. Es geht um die Möglichkeiten, die in uns stecken, um den Glauben an sich selbst, Selbstvertrauen, Mut – auch den zum Scheitern -, um Begabungen und Wünsche. Die Zeichnungen sind anrührend, phantasievoll und ausgesprochen schön. Der asiatische Touch gibt ihnen den letzten Schliff und die Feinheit, in der sie ausgeführt wurden, lässt einen minutenlang in einem Bild versinken. Wunderschön, einfach nur wunderschön.